Pressemitteilung - 04. Mai 2018
Urban Gardening: Projekt Metropolregion Nürnberg - Eröffnung Präsentationsfläche in Erlangen

Erlangen - Grün in der Stadt und der Umgang mit Pflanzen im städtischen Umfeld sind dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürth ein wichtiges Anliegen. Dr. Pröbstle, stellvertretender Leiter des AELF eröffnete die Präsentationsfläche mit den Worten: „Wir wollen zeigen, dass es auch in einer engen Stadt möglich ist, Gemüse anzubauen und Natur zu erleben.“ In Kooperation mit der Bayerischen Gartenakademie und dem Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim wird auf dem Außengelände des Dienstgebäudes des AELF, Bereich Forsten, in Erlangen gezeigt, mit welchen Systemen es im innerstädtischen Bereich möglich ist, auch auf versiegelten und begrenzt zur Verfügung stehenden Flächen, Gemüse und Kräuter selbst anzubauen.

Am 20. April fand dort die Eröffnungs-Veranstaltung mit Oberbürgermeister Dr. Florian Janik (Erlangen) statt. In seiner Ansprache als Schirmherr der Veranstaltung stellte er fest, dass die hier gezeigten Methoden auch eine Antwort auf den „Flächenfraß“ und somit eine Chance für die Stadt sein könnten. Unter dem Aspekt „Schauen wie´s wächst“ steht die Präsentationsfläche für die Gartensaison 2018 und 2019 den interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Information offen. Mit Workshops und Führungen soll dort Wissen rund ums Thema Gemüseanbau im eigenen Garten, auf dem Balkon oder in Gemeinschaftsgärten vermittelt werden.

Grenzenlose Freiheiten beim „gartln“
Dr. Andreas Becker von der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim stellte in seiner Begrüßungsrede das Projekt vor. Unter dem Motto „Lust auf Gemüse in der Stadt“ werden ab sofort in der Universitätsstraße nicht nur herkömmliche Möglichkeiten für den Anbau von Kräutern und Gemüse gezeigt. Hochbeete als mobile und stationäre Varianten sowie Pflanzkisten, Pflanzkübel und Pflanzsäcke bieten Platz für allerlei vitaminreiche Genüsse aus eigenem Anbau. Der sogenannte „Kistengarten“ eröffnet die Möglichkeit auf dem Balkon, der Terrasse oder im Innenhof auch auf kleinen Flächen zu „gartln“. Je nach verfügbarem Platz können in sogenannten „Bäckerkisten“ bereits ab einer Größe von weniger als einem halben Quadratmeter zum Beispiel Kohlrabi, Salate, Radieschen oder Spinat geerntet werden. Aber auch Küchenkräuter wie Schnittlauch, Petersilie und Dill eignen sich gut für das Einsteiger-Gemüsebeet in der Kiste. Erlaubt ist, was gefällt! „Diese mobilen Systeme eignen sich besonders gut für den kleinen Studentenbalkon oder auch für die Fensterbank, sodass vor allem junge Leute wieder Lust aufs Gärtnern bekommen“, so Dr. Becker beim Rundgang über die Urban Gardening-Fläche.

Gemüse an der Wand! Geht nicht, gibt´s nicht!
Unterschiedliche vertikale Systeme an der Hauswand für den kleinen und großen Geldbeutel sollen zeigen, dass Gemüseanbau in der Stadt auch mit sehr wenig Platz auskommt. Florian Demling, Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau an der LWG Veitshöchheim, stellte die Funktionsweise des sogenannten „Living Wall Systems“ vor. Wände können mithilfe verschiedener Systeme begrünt und auch zum Anbau von Nahrungspflanzen genutzt werden. „Die Produktion von Gemüse an der eigenen Wand dient als essbare Klimahülle“, so Demling. Die CO2-Bilanz verbessere sich durch kurze Transportwege und die Pflanzen wirken sich positiv auf das Klima von Gebäude und Umgebung aus. Mit etwas Geschick kann man aus ein paar Materialien ein eigenes System bauen, sodass auch kostengünstig Gemüse an der Wand wachsen kann. Am einfachsten ist die Montage von Balkon-Kästen oder Paletten an der Wand. Die neu begrünte Fassade in Erlangen ist auch Teil eines Versuches mit anderen Systemen an der LWG in Veitshöchheim. Dort wachsen ebenso Erdbeeren, Kräuter, Salate und Kohlrabi an der Wand.
Die gleichen Gemüsearten wachsen auch in einer weiteren Variante der vertikalen Begrünung in Form von „Pflanztürmen“. Bei der Eröffnung in Erlangen stellte Udo Seufert vom AELF Fürth das platzsparende System vor, bei dem die Bewässerung über einen Tropfschlauch erfolgt, der spiralförmig im Inneren des Turms verlegt ist.

Hydroponik – Frische Salate aus dem Wasserbeet
Gundula Holm, Urban Gardening-Projektbetreuerin, erläuterte den Bereich „Hydroponik“ auf der Präsentationsfläche. Der Anbau in hydroponischen Systemen sei vor allem für versiegelte Flächen in der Stadt eine Option. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte „Deep Water Culture“, in der Salat in einer Nährlösung bodenunabhängig, gesund und sauber heranwachsen kann. Die Gemüse-Jungpflanzen vom Gärtner werden dabei einfach in ein schwimmendes Element eingesetzt. Der isolierende Effekt der Schwimmelemente, die großzügige Menge an Wasser und eine optimierte Nährstoffversorgung bieten dabei optimale Wachstumsbedingungen. Durch den Einsatz einer Aquarium- bzw. Teich-Pumpe wird eine ständige Durchmischung der Nährlösung erreicht und Sauerstoff zugeführt. Dieses erdungebundene Anbauverfahren eigne sich besonders für Pflanzen mit einem kurzen Wachstumszyklus wie zum Beispiel für Salate und Kräuter, so Holm. Bei der Ernte können die Pflanzen sauber abgeschnitten und – frei von Erde und Sand – direkt in der Küche verwendet werden. Wird der Salat mit der Wurzel geerntet und in ein Gefäß mit Wasser auf die Fensterbank gestellt, so hält er weiterhin frisch und kann Blatt für Blatt geerntet werden.

Hochbeet „fix“ oder mobil
Auf der Präsentationsfläche erwarten den Besucher verschiedenen Hochbeet-Varianten: Das traditionelle Hochbeet mit einem klassischen Hochbeet-Aufbau aus Reisig, Kompost und guter Gärtnererde bietet bereits im ersten Jahr ideale Bedingungen für eine Mischkultur aus starkzehrenden Gemüsepflanzen wie beispielsweise Paprika, Tomaten, Kohlgewächsen, Lauch und Sellerie. Mobile Hochbeet-Varianten aus Holzrahmen, die auf Paletten aufgestellt wurden, bleiben transportabel und seien eine Option vor allem für Stadtgärtner, die von der Stadt zugewiesene Flächen auch gelegentlich wechseln müssten, so Holm.
Die Jungpflanzen, die im Rahmen des Projekts zur Verwendung kommen, stammen aus der Produktion der regionalen Gärtnereien vor Ort. Stellvertretend für den Berufsstand war Karl Menger, 1. Vorsitzender der Interessengemeinschaft „Ihre RegionalGärtnerei“ bei der Eröffnung vor Ort.

Nähere Informationen zum Projekt erhalten Sie bei:
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth
Frau Gundula Holm, Tel.: 0911 99715-413

Ansprechpartner „Vertikales Grün“:
Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Herr Florian Demling, Tel.: 0931 9801-421

Hier finden Sie die Präsentationsfläche:
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth
Außenstelle Erlangen, Bereich Forsten
Universitätsstraße 38, 91054 Erlangen