Obstbrenner fördern Artenschutz und Artenvielfalt
Sortenreine Edelbrände aus seltenen Streuobstsorten

Wöbers Rambur
Im November 2016 präsentierten der Regierungspräsident von Unterfranken, Dr. Paul Beinhofer und Dr. Hermann Kolesch, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) eine Kollektion sortenreiner Edelbrände aus seltenen Streuobstsorten in Franken. Die Präsentation durch ein Team aus Wein- und Gartenbauexperten fand im Glashaus des Versuchsbetriebes Obstbau und Baumschule, Stutel, in Thüngersheim am Main statt.

Seltene Streuobstsorten aus der Region

Zu Jahresbeginn 2016 hatten die Wein- und Gartenbauer der LWG zusammen mit dem fränkischen Klein- und Obstbrennerverband 13 Brenner ausgesucht, die unter fachkundiger Begleitung 16 seltene Streuobstsorten aus der Region verwertet und zu 26 qualitativ hochwertigen, sortenreinen Edelbränden destilliert haben. Diese Obstbrände, abgefüllt in attraktiven Flaschen im einheitlichen Design, können nun bei den Brennern und der Main-Streuobst-Bienen eG erworben werden.

Lebensraum für 5000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten

Mit dem Pilotprojekt werden sowohl Marktpotentiale erschlossen und Vorbilder für Brenner geschaffen, als auch Anreize zum Erhalt und zur Nachpflanzung seltener oder vom Aussterben bedrohter Obstsorten von Apfel, Birne, Zwetschge oder dem Speierling gesetzt. Denn nur eine zeitgemäße Verwertung alter Sorten wie Raafs Liebling, Unseldapfel, Hänserbirne, Trockener Martin, oder Dattelzwetschge führen zu einem aktiven Interesse der Besitzer an der Pflege der Streuobstwiesen, einer alten Kulturlandschaft besonders am Main, die über 5000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten Nahrung und Lebensraum bieten. Somit leisten die Obst-Brenner einen wichtigen, wertschöpfenden Beitrag zum Artenschutz und zur Artenvielfalt.

Erhaltung und Nachpflanzung vom Aussterben bedrohter Obstsorten

Bereits von 2007 bis 2010 hatten die Experten der LWG bei einer Sortenkartierung in einem der größten Streuobstgürtel Bayerns, im Landkreis Würzburg viele seltene, bereits verloren geglaubte Sorten wie etwa die Röhrlesbirne wiederentdeckt. Sie galt über 100 Jahre als verschollen. 2015 folgte das laufende Projekt „Sortenreine Edelbrände aus seltenen Obstsorten“, das vom Cluster Ernährung, dem Fränkischen Klein- und Obstbrennerverband und der Main-Streuobst-Bienen eG finanziert wird.