Hochprozentiges Genuss-Festival
Erfolgreiche 12. Ausgabe der desta

Wieder richtig hochprozentig ging es vom 04. bis 05. November 2017 in Volkach zu: Denn alle zwei Jahre verwandelt sich der fränkische Weinort in die Hochburg für Destillat-Genießer. Auch diesmal lockte die desta, in ihrer mittlerweile 12. Ausgabe, mehrere Tausend Fachbesucher und interessierte Endverbraucher an. Ausgerichtet wurde das hochprozentige Genuss-Festival vom Fränkischen Klein- und Obstbrennerverband in Kooperation mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG).

Kulturlandschaft im Glas

Neben einem Genussbereich, in dem die Destillate der Selbstvermarkter aus der Region mit allen Sinnen genossen werden konnten, bot der Fachbereich mit einer begleitenden Seminarreihe zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten vom Baumschnitt über ökologischen Streuobstbau bis zur sensorischen Beurteilung von Kern- und Steinobst für die Fachbesucher an. Nach wie vor hoch im Kurs stehen die sortenreinen Edelbrände aus seltenen Streuobstsorten, die im Rahmen eines Projektes der LWG, der Main-Streuobst-Bienen eG und dem Brennereiverband von 14 fränkischen Brennern destilliert und vor einem Jahr erstmals vorgestellt worden sind. Martin Degenbeck, Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau an der LWG Veitshöchheim, präsentierte auf der Sonderausstellungsfläche „Die Fränkische Streuobst-Vielfalt“ über 50 Apfel- und acht Birnensorten, die sich für Destillate besonders eignen. Mit beispielsweise „Steinbacher“, „Schmidberger Renette“ und „Hänserbirne“ waren auch äußerst seltene Streuobstsorten vertreten, welche die Besucher nicht nur in natura betrachten, sondern auch den daraus hergestellten Edelbrand probieren konnten.

„Brenner sein bedeutet nicht nur vor der Destille zu sitzen, sondern beginnt schon auf der Streuobstwiese“, betonte Martin Degenbeck. So sind die Streuobstwiesen zwar Rohstofflieferant für die hochprozentigen Geiste und Brände – gleichzeitig aber auch Lebensraum für über 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten. „Unsere Streuobstwiesen sind besondere Kulturlandschaften und mit der Bewirtschaftung leisten die Brenner einen ganz klaren Beitrag zu Artenschutz und Artenvielfalt“, so der LWG-Experte.

Darf´s noch ein Schnäpschen sein?

Mehr als nur ein Absacker: In der Kombination mit Schokolade, Wurst, Käse & Co. entfalten Brände und Geiste einen wahren Sinneszauber und entpuppen sich dabei als idealer Begleiter von regionalen Lebensmitteln. „Einfach mal etwas Neues ausproben, durchaus experimentierfreudig sein: Viele Genießer wären überrascht, wie beispielsweise selbst gemachte Nudeln und Vogelbeergeist miteinander harmonieren – man muss sich nur trauen“, so Mathias Krönert, LWG-Fachberatung Brennereiwesen. Und der Mut, neue Genuss-Partnerschaften einzugehen, wird durchaus belohnt: „So verschmelzen die Aromen von Destillat und lokaler Köstlichkeit zu einem ungeahnten Sinneszauber“, verspricht Krönert.

Ende einer 100-jährigen Geschichte

Mit über 4.000 Brennern, davon alleine 1.700 in Franken, hat Bayern eine der größten Dichten an Klein- und Obstbrennern im Bundesgebiet. Doch dies könnte sich mit dem Wegfall des Branntweinmonopols zum 01.01.2018 langfristig ändern. Vor 100 Jahren erhob das damalige Deutsche Reich ein Monopol auf Herstellung und Vertrieb von Destillaten, das im Rahmen der Liberalisierung des europäischen Marktes zum Jahresanfang nun endgültig wegfällt. So konnte die fällige Steuer bislang in flüssiger Form, als sogenannter Ausbeutesatz (z. B. bei Zwetschge 4,6 Liter reiner Alkohol/lrA von 100 l Maische), an das Branntweinmonopol abgegeben werden. Ab kommendem Jahr ist die Abgabe des Ausbeutesatzes nicht mehr möglich, sondern muss mit 10,22 €/lrA versteuert werden. „Noch sind die Mitgliederzahlen im fränkischen Brennerverband nicht rückläufig und auch an Nachwuchs mangelt es derzeit nicht“, so Mathias Krönert. Mit der Ausbildung zum „Bayerischen Brenner“, der einzigen Ausbildung für Kleinbrenner in Deutschland, wird das Brennerhandwerk durch die LWG zudem gestärkt und weiterentwickelt.

Das Brennerhandwerk stärken

Neben der Wissensvermittlung über regelmäßige Seminarreihen und in der zweijährigen Ausbildung zum „Bayerischen Brenner“, erarbeitet das Beratungsteam um Mathias Krönert auch Betriebsentwicklungskonzepte für die bayerischen Brennereien. „Technikberatungen aber auch bauliche Anpassungen und Modernisierungen, wie die Konzeption von Destillatheken, bilden dabei den Schwerpunkt unserer Arbeit“, so Mathias Krönert. Im Fokus dabei steht die Optimierung von Prozessen und Abläufen in der Herstellung von qualitativ hochwertigen Destillaten ´Made in Bayern´. Seit 2014 wurden dafür knapp 100 Betriebe in allen Regierungsbezirken Bayerns besucht und zukunftsweisende Konzepte für das Brennerhandwerk erarbeitet.