Orange-/Amphorenweine und PIWIs
Fränkische Öko-Winzer treffen sich in Veitshöchheim

Gruppenbild der Öko-Winzer vor dem Marani

Orange- und Amphorenweine sowie Neues von den pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWI): Rund 25 Öko-Winzer des Bundes Fränkischer Ökowinzer und -weingüter (FÖW) informierten sich am Dienstag, den 16.01.2018, bei ihrem Besuch an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) über die aktuelle Versuchs- und Forschungsarbeit in Sachen Ökoweinbau und Naturweinbereitung der Veitshöchheimer Weinbauexperten. Denn bio ist Trumpf: So spielt neben den wichtigsten Weinkaufkriterien Geschmack und Preis, Herkunft und Anbaumethode mehr und mehr eine Kaufentscheidung und rückt die ökologischen Aspekte der Weinbereitung in den Vordergrund. So werden derzeit rund 8% der Rebflächen in Deutschland nach ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaftet – die Tendenz steigend. Im FÖW haben sich Winzerinnen und Winzer aus ganz Franken zusammengeschlossen, die ausschließlich auf Ökoweinbau setzen und dabei ganz bewusst auf Herbizide, Insektizide und chemische Pflanzenschutzmittel verzichten.

Zurück zu den Wurzeln
Johannes Burkert, stellvertretender Arbeitsbereichsleiter Oenologie am LWG-Institut für Weinbau und Oenlogie, entführte die fränkischen Öko-Winzer vor seinem Vortrag auf eine kleine Zeitreise. Denn bei der Besichtigung eines Marani, georgisch für ´Ort, an dem ein Qvevri vergraben ist´, konnten die Winzer zunächst in die Geschichte des Weinbaus von vor über 8.000 Jahren eintauchen. Seit 2011 gehen die Weinbauexperten der LWG alte, neue Wege, und bauen fränkische Trauben in dünnwandigen georgischen Tonamphoren, dem Qvevri, aus. „Dabei entstehen besonders langlebige und kräftige Weine, die direkt auf der Maische vergoren werden“, so Johannes Burkert. Um den Einfluss der Gärtemperatur auf die Maischegärung zu untersuchen, wurde im Sommer 2017 ein Qvevri mit rund 200 Meter Schlauch umwickelt um durch die Zugabe von kühlem Wasser die bei der Gärung entstehenden Temperaturspitzen von bis zu 30 Grad zu senken. „Mit dem Weinausbau nach der traditionellen georgischen Vorgehenswiese gehen wir nicht nur bewusst einen Schritt zurück und stellen damit die Handwerkskunst des Weinausbaus in den Fokus. Durch neue Ansätze, also der Symbiose von Vergangenheit und Moderne, versuchen wir gleichzeitig an allen Stellschrauben der Weinbereitung zu drehen und die Qualität des ausgebauten Weines zu maximieren“, betont Burkert. Das Institut für Weinbau und Oenlogie versteht sich dabei als Vorreiter, um damit den Einstieg der Winzer in neues Terrain zu erleichtern. So bauen schon mehrere Winzer der Region Amphoren-Weine aus, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen.
Weinbau mit Geschichte – und Zukunft
Im neuen Sensorikzentrum der LWG folgte schließlich neben Vorstellung der aktuellen Versuche zum Orangewein auch eine Verkostung der nach der georgischen Methode ausgebauten Weine. „Durch das Vergären mit und ohne Rappen, möchten wir beispielsweise den Einfluss verschiedenster Faktoren bei der Maischegärung von Weißwein auf die Weinstilistik untersuchen“, so Johannes Burkert. „Der Ausbau von Amphoren-Weinen erfolgt dabei nach dem Grundsatz ´kontrolliertes Nichtstun´. Denn bei der klassischen Form der Naturweinbereitung kommt nicht nur keine moderne Kellertechnik zum Einsatz. Auch wird auf Zusätze wie Hefe, Enzyme, Schönungsmittel oder Schwefeldioxid komplett verzichtet“, so Burkert. Die Weinbereitung wird damit zu einer ganz besonderen Schachtel Pralinen, denn man weiß nie, was man am Ende wirklich bekommt. „Umso wichtiger ist es deshalb, durch ständige Kontrolle den natürlichen Vorgang der Weinbereitung analytisch und sensorisch zu überwachen und ggfs. schnell einzugreifen“, stellt Johannes Burkert klar. So erfordern beispielsweise eine starke Oxidation oder mikrobiologische Fehlentwicklungen (d. h. Vermehrung unerwünschter Bakterien oder wilder Hefen) eine sofortige Reaktion des Winzers, um die Charge zu retten. Mit Zugabe von Schwefeldioxid (SO2) oder eine Filtration kann der Wein zwar gerettet werden; durch den nachhaltigen Eingriff wird aber der natürliche Weg der Weinbereitung unterbrochen und der reifende Wein ist somit kein Naturwein mehr.
Die ´besseren Bio-Weine´
PIWIs (pilzwiderstandsfähig) stehen wie keine andere Rebsorte für eine perfekte Win-win-Situation für Umwelt, Winzer und Verbraucher. Doch mit ihrer Pilzwiderstandsfähigkeit gegen echten und falschen Mehltau bieten die Rebsorten nicht nur die Möglichkeit, weitgehend auf Pflanzenschutz zu verzichten. Auch kann durch einen insgesamt geringeren Maschineneinsatz einer unnötigen Bodenverdichtung vorgebeugt und der CO2-Ausstoß deutlich reduziert werden. „Durch den Einsatz von PIWI-Rebsorten wie Regent oder Johanniter lässt sich ein Großteil der Pflanzenschutzmaßnahmen einsparen und sich vor allem in der Steillagenbewirtschaftung, die eine maschinelle Bearbeitung oftmals unmöglich macht, die schweißtreibende Handarbeit deutlich reduzieren“, so Josef Engelhart, Weinbautechniker am Institut für Weinbau und Oenologie. Kein Wunder also, dass den PIWIs vor allem in terrassierten Steillagen eine rosige Zukunft vorhergesagt wird.
Neue Sorten sind gesucht
Den Rebzüchtern gelang es Ende des 19. Jahrhunderts durch das Kreuzen von amerikanischen Wildreben mit europäischen Reben die Widerstandsfähigkeit gegen den Mehltau auf die heimischen Reben zu übertragen. So entstanden in den letzten Jahrzehnten neue, robuste Rebsorten, die sich in der Praxis bewährt haben. „Bis zu 20 Jahre dauert es, bis eine geeignete PIWI-Sorte gefunden wird“, macht Engelhart deutlich. Vor 50 Jahren begann die Erfolgsgeschichte von Regent und Johanniter, die zusammen mit Cabernet blanc, Solaris und Muscaris die am weitesten verbreiten PIWI-Rebsorten sind. „Doch der Regent, der in Deutschland auf über 2.000 Hektar angebaut wird, ist frühreif – und genau da liegt das Problem“, erläutert PIWI-Experte Engelhart. Denn bedingt durch den Klimawandel steigt die Nachfrage nach spätreifen Sorten. Seit Jahrzehnten testet die LWG die neuesten Rebsorten der Züchter, darunter auch vielversprechende Sorten, die ihre endgültige Reife erst im Oktober, wie beispielsweise die klassischen Rebsorten Silvaner und Riesling, erreichen. „PIWI-Weine haben ihren ganz eigenen Charakter und bringen eine völlig neue Note ins Weinglas. Auch der Geschmack spielt ganze vorne mit, denn mit den neuen Sorten lässt sich eine Weinqualität erzeugen, die sich hinter klassischen Rebsorten nicht verstecken muss“, betont Josef Engelhart. Dennoch greifen viele Weinkunden noch zu bekannten Marken und lassen PIWI-Weine links liegen. Engelhart rief daher die Winzer auf, die Geschichte hinter den Trauben zu erzählen und das Ökobewusstsein der Konsumenten zum Vorteil der PIWIs zu nutzen.
Schmecken Sie den Unterschied?
Auch in diesem Jahr findet wieder auf der Vogelsburg bei Escherndorf die traditionelle Weinverkostung des Bundes Fränkischer Ökowinzer und -weingüter (FÖW) statt. Rund 30 Öko-Winzerinnen und Winzer präsentieren über 100 Bio- und PIWI-Weine. Darunter auch die Weine des LWG-Weinbauversuchsbetriebes, die es sonst im freien Handel nicht zu verkosten gibt. Am besten jetzt schon den Termin am Mittwoch, den 15. August 2018, notieren und auf ein Glas vorbeischauen.

Bildergalerie - Eindrücke vom Besuch der Öko-Winzer