60. Fränkische Weinwirtschaftstage / Veitshöchheimer Weinbautage
Der Weinbau steht vor großen Herausforderungen

Blick in das Publikum in den Mainfrankensälen

Biodiversität – Was ist das überhaupt? Spätestens nach dem Besuch der mittlerweile 60. Veitshöchheimer Weinbautage / Weinwirtschaftstage dürfte den teilnehmenden Winzerinnen und Winzern zwar die Antwort darauf leichtfallen – vor allem aber auch eines deutlich geworden sein: Von nichts kommt nichts! Denn um das ´ökologische Armageddon´ zu stoppen, sind auch die bayerischen Winzer gefragt. Auch die Weinberge als historisch geprägte Kulturlandschaft, sind weit mehr als reine Anbauflächen, sondern ökologisch wertvolle Landstriche, die auch von der Gesellschaft und den Weingenießern zunehmend wahrgenommen werden.

Über 600 Winzer aus den bayerischen Weinanbaugebieten trafen sich vom 27. bis 28. Februar 2018 in Veitshöchheim, um über aktuelle weinbauliche Themen aber auch künftige Herausforderungen wie die Biodiversität oder die Einführung des Romanischen Klassifizierungssystems zu diskutieren und Einblicke in die aktuelle weinbauliche Forschungsarbeit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) zu erhalten.
Gehört einfach zusammen: Weinbau & Biodiversität
Biodiversität steht für eine große Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Kleinstlebewesen und ermöglicht damit ein stabiles, sich selbst regulierendes Ökosystem, indem die Reben besonders gut gedeihen. Ein Weinberg mit einer hohen biologischen Vielfalt ist die Grundlage für beste Trauben, aus denen lebendige, genussvolle und charakterreiche Weine entstehen. „Unsere Insekten sind daher der Dreh- und Angelpunkt für ein funktionierendes Ökosystem“, machte Christian Deppisch, Institut für Weinbau und Oenologie, bei der Vorstellung des Forschungsprojektes „Weinbau 2025“ deutlich. So spricht der Rückgang der Biomasse von fliegenden Insekten in den vergangenen 28 Jahren von nahezu 80 % eine deutliche Sprache und macht unmissverständlich klar, dass ein sofortiges Handeln gefragt ist.
Das Wetter soll einer verstehen
Er ist der personifizierte ´Wetterfrosch´ schlechthin: Als Meteorologe steht Karsten Schwanke für die ARD jeden Tag im ´Wetter vor Acht´ vor der Kamera und überbringt mal sonnige, frostige aber auch regnerische und stürmische Botschaften. Die Letzteren werden dabei in den kommenden Jahren wohl zunehmen: „Durch den Klimawandel und die damit einhergehende Erderwärmung werden Unwetter mit Hagel wahrscheinlich häufiger auftreten“, prognostizierte Schwanke den Winzern. Der Klimawandel ist nicht mehr nur eine düstere Prophezeiung sondern Realität: „Die Temperaturkurve geht nach oben. Konkret bedeutet dies, dass es auch weiterhin – in allen Jahreszeiten – wärmer wird“, so Schwanke. In knapp 100 Jahren könnte daher in Franken ein mediterranes Klima, wie wir es von Spanien oder Italien kennen, herrschen. Die Auswirkung auf die Vegetation sei dabei aber bei Weitem nicht abschätzbar.
Wasser – das ´Blaue Gold´
Neben Speicherlösungen und Tröpfchenbewässerung setzt Dr. Daniel Heßdörfer vom Institut für Weinbau und Oenologie auf modernste und für den Weinbau bislang unübliche Technik: So erhalten Drohnen, ausgestattet mit modernster Messtechnik Einzug in den Luftraum über dem Weinberg, um die akute Trockenstresssituation der Weinstöcke zu erfassen. „Das Credo für uns lautet, den Weinstock erst dann mit Wasser zu versorgen, wenn der Stock – nicht der Winzer – unter Trockenstress leidet“, so Dr. Heßdörfer. Mittels Thermalanalyse wird dafür der Temperaturgradient in der Laubwand gemessen. „Auf der einen Seite droht dem Weinstock bei Trockenheit ein zunehmender Wassermangel, wenn die Blattschließzellen nicht geschlossen werden. Gleichzeitig müssen die Poren aber für den CO2-Austausch der Fotosynthese geöffnet bleiben“, erläuterte der promovierte Weinbauingenieur. Steigt daher die Temperatur der Blätter, ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass der Rebstock unter Trockenstress leidet und eine Wasserzufuhr notwendig wird.
Wird ´Grand Cru´ das neue Oechsle?
Nürnberger Lebkuchen, Allgäuer Emmentaler oder Schwarzwälder Schinken sind auch über die Grenzen von Deutschland hinaus ein Begriff. Traditionsreiche, regionale Spezialität mit einzigartigem Geschmack. Mit dem EU-weiten geplanten Wechsel zum Romanischen Klassifizierungssystem steht künftig für den Weinbau nicht mehr das in Oechsle gemessene Mostgewicht, sondern vielmehr mit der Angabe zur Lage die Herkunft des Weines im Mittelpunkt. Als erste neue geschützte Ursprungsbezeichnung für Wein in Deutschland wurde der Bürgstädter Berg (Lkr. Miltenberg) 2017 erfolgreich in das europäische Herkunftsregister eingetragen. Die Bezeichnung ´Bürgstadter Berg´ dürfen aber nur die Weine tragen, die auf den Bundsandsteinböden des nach Süden ausgerichteten Hanges angebaut werden.
Weingenuss mit Stil?
Einfach-fruchtig, kräutrig-würzig oder cremig-mineralisch: Der fränkische Silvaner zeichnet sich durch einen ganz besonderen Facettenreichtum aus. Doch was ist typisch und was unterscheidet den fränkischen Silvaner? Bei einer abschließenden Lehrweinprobe mit fränkischen, nationalen aber auch internationalen Weinen aus renommierten Häusern und Anbaugebieten, wurden schließlich die theoretischen Ansätze der Weinstilistik in der Praxis diskutiert. In 2er-Pärchen fand, immer gegeneinander, die Verkostung von Weinen mit verschiedenen Stilistiken bzw. Weinen mit einem bestimmten Profil statt. Die oenologischen Maßnahmen, die zur Ausprägung dieses Weinstils beigetragen hatten, wurden anschließend vorgestellt und diskutiert.

Impressionen von den 60. Fränkischen Weinwirtschaftstagen / Veitshöchheimer Weinbautagen