Spezialitäten aus Bayern
Frankenland ist Zwetschgenland

Hände beim Pflücken von Zwetschgen vom Baum.
Die Zwetschge blickt auf eine lange Anbautradition in Franken zurück und zählt neben dem Wein zum kulinarischen fränkischen Erbe. Und gerade die einzigartige Kombination von Weinbau, Brennereien und Tourismus könnte der im Dornröschenschlaf liegenden fränkischen Zwetschge eine facettenreiche kulinarische Zukunft bescheren. Denn die saftige, typisch oval-förmige, blau-schwarze Frucht kann weit mehr als nur „Zwetschgenblootz“ und Zwetschgenbrand.

Zwetschge oder Pflaume?

Zwetschgen bilden eine Unterart der Pflaumen, deren Ursprungskultur wahrscheinlich in Damaskus liegt. Als Unterart der Pflaume ist die Zwetschge durch ihre länglich-ovale Form einfach zu erkennen. Ab Ende Juli bis in den Herbst hinein können die saftige, süß-säuerlichen Zwetschgen nach der typischen Blaufärbung vom Baum gepflückt werden. Wenn auch eher selten, kommt eine gelbe Zwetschge in der Natur vor. Zwetschgenbäume stellen keine großen Ansprüche an den Standort, wobei feuchte und humusreiche Böden in warmen und windgeschützten Gebieten bevorzugt werden. Sie wachsen zunächst unter Hochstammbildung stark in die Höhe und bilden spitzpyramidiale Kronen aus. Mit zunehmendem Alter nimmt die Wuchskraft ab. Zwetschgenbäume erreichen eine Höhe von sechs bis zehn Metern.

Frankenland ist Zwetschgenland!

Zwei Hände halten neben blauen Zwetschgen auch eine gelbe Zwetschge.
Das schon seit Karl des Großen (8. Jhrd. n.Chr.) kultivierte Rosengehölz ist tief in Franken verwurzelt. Der Zwetschgenbaum prägt nicht nur das Bild der Kulturlandschaft und ist aus den Streuobstwiesen nicht wegzudenken. Nährstoffe und Wasser aus dem Boden und vor allem reichlich Sonne prägen den Geschmack der Früchte. Dabei kommt der Zwetschge das fränkische Klima entgegen, schier endlose Sonnentage bescheren nicht nur eine überdurchschnittliche Ernte, sondern den Früchten auch einen hohen Zuckergehalt. Vollreif sind sie so ein heimischer Hochgenuss und können geschmacklich locker mit Südfrüchten mithalten – und dank der besseren Klimabilanz schmecken sie gleich doppelt gut. Insgesamt werden in Bayern rund 50 verschiedene Zwetschgensorten erwerbsmäßig angebaut.
Die Premiumstrategie für Lebensmittel
Im Rahmen der Premiumstrategie für Lebensmittel des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums wurden in Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern gänzlich ungeahnte Talente der Zwetschge (wieder)entdeckt. Herausgekommen sind einzigartige, teilweise noch nie dagewesene Geschmackserlebnisse, die Franken neben dem Wein künftig ein weiteres Leitprodukt verschafften könnten.

Die Fränkische Hauszwetschge

Eine aufgeschnittene Zwetschge mit Kern liegt auf vielen anderen Zwetschgen.
In Bayern werden auf rund 400 ha Zwetschgen erwerbsmäßig angebaut. Im Schwerpunktgebiet Franken dominiert mit ca. 70 Prozent Anteil die Fränkische Hauszwetschge. Der besondere Geschmack der ovalen, blau-blauschwarzen oder violetten Frucht sowie deren hervorragenden Eigenschaften bei der Weiterverarbeitung rückte die Fränkische Hauszwetschge in den Fokus vieler Kleinbauern. Nach der Reblausinvasion und Aufgabe vieler Weinberge im frühen 20. Jahrhundert wurden die frei werdenden Flächen mit Obstbäumen bepflanzt – darunter hauptsächlich die Fränkische Zwetschge.

Empfehlungen für Zwetschgensorten und -unterlagen

Kulturlandschaft im Glas

Brand von der Hauszwetschge mit Glas und Früchten neben einer kleinen Flasche

Brand von der Hauszwetschge

Neben dem Wein zählt auch die Zwetschge zum kulinarischen Erbe Frankens und wird seit je her auch zur Herstellung von Obstbränden genutzt. Der markante Geschmack der Zwetschge wird schließlich nach dem Einmaischen der frisch geernteten Früchte in der Destillation zum Edelbrand konserviert. Ein guter Zwetschgenbrand zeichnet sich durch eine fruchtige Aromavielfalt aus, die für einen weichen und harmonischen Geschmackseindruck sorgt. Die rund 2.000 aktiven Brenner in Franken stellen aber nicht nur unverwechselbare Liköre, Brände und Geiste her, sondern sind auch Landschaftspfleger und Lebensraumbewahrer. Durch die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen leisten die bayerischen Brenner einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt.

Sortenreine Edelbrände aus seltenen Streuobstsorten in Franken

Zwetschgenbäume als Hort hoher Biodiversität

Alte zum Teil abgestorbene Bäume mit Flechten auf dem Stamm stehen auf einer vor kurzem gemähten Wiese

Streuobstwiese

So bieten gerade die Zwetschgenbäume zur Blütezeit im April ein reichhaltiges Nahrungsangebot für pollen- und nektarsuchende Insekten. Eine Streuobstwiese ist ein regelrechter Biodiversitäts-Mikrokosmos: Bis zu 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten fühlen sich dort wohl. Die Tier- und Pflanzenwelt findet in den Streuobstwiesen ideale Bedingungen: Einen vielfältigen Lebensraum, abwechslungsreiches Nahrungsangebot und weitgehend ungestörte Entwicklungsmöglichkeiten durch die extensive Nutzung. Die Bäume bieten zahlreiche Brutmöglichkeiten für die unterschiedlichen Vogelarten. Bienen, Schmetterlinge und Käfer finden während des gesamten Jahres ein zuverlässiges Nahrungsangebot. Diese Streuobstwiesen können aber nur durch eine zielgerichtete wirtschaftliche Nutzung in ihrer Wirkung und Zusammensetzung erhalten werden. Die entscheidende Rolle spielen dafür die Brenner in Bayern, die mit ihren hochwertigen Destillaten eine Zukunftsgarantie für diese besondere Schatztruhe der Natur sind.
Die Zwetschge: Ein Baum für Frankens Weinberge!
Die Aktion "Bäume für Frankens Weinberge" ist ein gemeinsames Projekt des Fränkischen Weinbauverbandes, des Amtes für Ländliche Entwicklung und der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, das im Jahr 2000 aus der Taufe gehoben wurde. Inzwischen wurden mehr als 1500 Bäume gepflanzt, die die Kulturlandschaft des Weinbaus prägen. Gepflanzt werden neben Quitte, Kirsche, Weinbergpfirsich und Mirabelle vorallem Zwetschgenbäume.

Zwetschge 2.0

Alleine in den letzten fünf Jahren verringerte sich der erwerbsmäßige Zwetschgenanbau in Bayern um fast 20 Prozent auf 360 Hektar. Neben dem verstaubten Image als „Obst aus Omas Garten“ liegen die Gründe dafür in der stetig wachsenden Konkurrenz durch Importware und Südfrüchte sowie am fehlenden Wissen um die vielfältigen Vermarktungsmöglichkeiten. Genau hier setzt die Initiative „Inwertsetzung der Fränkischen Zwetschge“ mit keinem geringeren Ziel an, als das große Potenzial der im Dornröschenschlaf liegenden Frucht aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen.

Durch neue Verarbeitungs- und Vermarktungsmöglichkeiten soll der heimische Zwetschgenanbau gestärkt und neue Zukunftsperspektiven für klein- und mittelständische Betriebe geschaffen werden. Das Konzept ist Teil der Premiumstrategie für Lebensmittel, mit der das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Absatz hochwertiger Spezialitäten aus dem Freistaat voranbringen und gleichzeitig ein Bewusstsein für deren kulturhistorische Bedeutung schaffen möchte.

Spezialitäten aus und mit Zwetschgen

  • Zwetschgen-Rub –ein BBQ-Rub zum Grillen oder Braten
  • Zwetschgen-Chutney – eine fränkische hausgemachte Alternative zu Preiselbeeren
  • Zwetschgen-Senf & -Ketchup – Tomate war gestern
  • Zwetschgen-Wurst – Leberwurst und Bratwurst aus der Region
  • Zwetschgen-Essig – Feinschmeckeressig aus dem Eichenfass
  • Zwetschgen-Likör – den sonnigen Herbst mit in den Winter nehmen
  • Zwetschgen-Aufstrich – vom Baum direkt ins Glas
  • Zwetschge & Schokolade – frische Genusswelt von höchstem Anspruch
  • Zwetschgen-Glühwein – eine Komposition der LWG
  • Zwetschgen-Destillate – Tradition und Innovation aus Franken