Mission “Tonamphore”
Georgische Tradition trifft Bienenwachs aus Bayern

Michael Römmelt steckt scheinbar bis zum Hals im Sand und lacht dabei.
Nicht das Wasser, sondern der Sand steht Michael Römmelt derzeit bis zum Hals. Haben sich etwa seine Kollegen aus dem Lehrkeller der LWG einen kleinen Scherz erlaubt, und den Azubi, die bekanntermaßen vor Finten nicht geschützt sind, etwa im Sand vergraben? Natürlich nicht! Michael war auf einer ganz besonderen Mission unterwegs, in der Bienenwachs aus Bayern und eine Georgische Tonamphore die Hauptrolle gespielt haben und einiges an Verrenkungskunst abverlangt haben.

Georgien trifft Franken

Unbestritten gilt die Region des östlichen Kaukasus als die Wiege der Weinkultur. Über 8.000 Jahre alte Funde zeugen dabei von den Anfängen des Weinbaus. Bereits vor Jahrtausenden sorgten die beiden Gebirgszüge des Kaukasus mit dem Abhalten der russischen Frosttemperaturen und den heißen Wüstenwinden aus dem Iran für ideales Weinanbauklima. Der Weinausbau in tönernen Amphoren, dem Qvevri, ist dort jeher Tradition und gleichzeitig eine der ältesten Form der Weinherstellung – die auch in Franken zu finden ist.

Der Schatz im Marani

Seit 2011 experimentiert das Institut für Weinbau und Oenologie mit der traditionellen Ausbaumethode. Dabei werden gesunde und vollreife Trauben gemaischt und direkt in die Amphore gefüllt. Der Wein gärt und lagert dabei für rund ein Jahr direkt auf der Maische und wird sich komplett selbst überlassen. Dafür wurden zwei nach alter Handwerkskunst in Georgien gefertigte Amphoren im „Marani“, georgisch für Ort, an dem Amphoren liegen, in rund 20 Tonnen Sand vergraben.
Mitarbeiter des Weinbaus beim Einsetzen der Tonamphore in den Marani.
He, ho und eine Buddel voll Wasser!
Bewaffnet mit Spaten, Spitzhacke und ausreichend Wasser machten sich Martin Justus Müller, technischer Betriebsleiter des LWG-Versuchskellers, und sein Team im Juli 2017 auf, einen ganz besonderen "Schatz" zu heben bzw. eine weitere "Schatzkiste" zu vergraben. Denn um die zweite georgische Tonamphore im "Marani" zu vergraben, musste das bereits eingesetzte Qvevri ausgegraben und versetzt werden. Wie die Amphore den Weg in den "Marani" gefunden hat und wie die Experten des Institutes für Weinbau und Oenologie den Einfluss der Gärtemperatur auf die Maischegärung untersuchen erfahren Sie hier:

Wo ist das Leck?

Doch bevor in wenigen Wochen wieder fränkische Silvaner-Trauben in die dünnwandige Amphore wandern, ist Michael Römmelt in einer ganz besonderen Mission unterwegs, die ihn geradewegs in die vergrabene Amphore führt: Denn ein Qvevri leckt. 20 Tonnen Sand bewegen und ausgraben? Um das zu vermeiden, greift der Auszubildende auf einen Trick zurück: Mit Bienenwachs wird die Amphore neu versiegelt und die Leckage beseitigt. Der noch ausstehende Wassertest wird schließlich zeigen, ob die Mission“ Amphore“ erfolgreich war, oder ob Michael nochmals in den tönernen Bauch einsteigen muss.