Versuch
Rebunterlagen - Prüfung in Franken / Bayern (2005 - 2010)

Weinstöcke am Scharlachberg in Thüngersheim im Herbst 2013

An verschiedenen Standorten im fränkischen Weinbau und am bayerischen Bodensee wurden Unterlagenprüfungen auf Muschelkalk, Flugsand, Gipskeuper, Buntsandstein, Löß, Schilfsandstein sowie Terrassenschotter durchgeführt.

Die untersuchten Rebsorten waren Müller-Thurgau, Silvaner, Weißburgunder, Schwarzriesling, Bacchus, Blauer Spätburgunder und Portugieser. Getestet wurden sie auf den Unterlagssorten SO 4, 5 BB, 125 AA, 3309 Couderc, Börner, Rici, Cina, 5C, Binova, 110 Richter, 1103 Paulsen, 161-49 C, Fr. 540-52 sowie einer nicht zugelassene Vergleichssorte.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Weinbaubetrieben, die diese wichtigen Forschungsarbeiten durch den Anbau und die Pflege der Rebanlagen erst ermöglicht haben.

Reblausfestigkeit und eine sehr gute Adaption an kalkreiche Böden

Die Rebunterlage hat einen großen Einfluss auf das Wachstum der Rebe. Neben der Zufuhr von Wasser und Nährstoffen liefert der Wurzelstock Reservestoffe und Wachstumshormone an die oberirdischen Organe. Zudem besitzen die selektierten Unterlagsreben amerikanischen Ursprungs einen guten Abwehrmechanismus gegen die Stiche der zerstörerische Reblaus. Durch die züchterische Bearbeitung sind heute Unterlagssorten in Europa vorhanden, die neben der Reblausfestigkeit auch eine sehr gute Adaption an kalkreiche Böden aufweisen. Wie in nebenstehender Abbildung dargestellt, wirkt sich die richtige Unterlagenwahl, abgestimmt auf den Standort, auch sehr stark auf Ertrag und Traubenqualität aus.
Karte mit Versuchsstandorten des Unterlagenversuchs 2005-2010Zoombild vorhanden

Versuchsstandorte des Unterlagenversuchs 2005-2010

Aufgrund der starken regionalen Bodenunterschiede im Weinbaugebiet Franken wurden Unterlagen-Prüfanlagen an 10 Standorten und mit unterschiedlichen Rebsorten erstellt, deren Auswertungsergebnisse in der folgenden Kurzzusammenstellung nun vorliegen. Nachdem das Wurzelsystem der Junganlagen ausreichend entwickelt war, wurde mit der Erfassung der verschiedenen, aussagekräftigen Werte begonnen. Die sechs Auswertungsjahre ergaben ein recht gutes Bild der Leistungsfähigkeit der geprüften Rebunterlagen. Am LWG-Standort (Muschelkalk) wurden zudem auch neuere Unterlagen geprüft, die z.T. noch nicht in Deutschland zugelassen waren. Generell kann zum Ausdruck gebracht werden, dass mit den derzeit gebräuchlichen Standardunterlagen eine gute Ausgangsbasis für eine langlebige Rebanlage gelegt wird. Auf kalkarmen Standorten kann auch die Unterlage Börner empfohlen werden.

Ergebnisse nach Rebsorte und Standort

1. Müller-Thurgau, Klon WÜ 12-4, am Marktheidenfelder Kreuzberg

Empfehlungen für die Rebsorte Müller Thurgau Klon Wü 12-4 auf Unterem Muschelkalk
Bei offener Bodenbewirtschaftung und guter Humusversorgung ist die Unterlage SO 4 ausreichend. Bei Begrünung jeder 2ten Gasse ist der wuchsstärkeren Unterlage 5 BB der Vorzug zu geben. Chloroseempfindliche Unterlagen wie Börner, Rici und auch Cina, sind für diesen Standort mit hohem Kalkanteil nicht zu empfehlen. Wuchsschwache Unterlagen sind wegen der geringen Bodenauflage ebenfalls nicht geeignet.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Müller-Thurgau, Klon WÜ 12-4, am Marktheidenfelder Kreuzberg 2005 - 2010 pdf 272 KB

2. Regent, Marktheidenfelder Kreuzberg

Empfehlungen für die Rebsorte Regent auf Unterem Muschelkalk
Am kalkreichen, flachgründigem Standort ist wegen der höheren Trockenstressgefahr den starkwüchsigeren Unterlagen der Vorzug zu geben. Chloroseempfindliche Unterlagen wie 3309 C, Börner, Rici und Cina, sind für diesen Standort mit erhöhtem Aktivkalkanteil nicht zu empfehlen.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Regent, Marktheidenfelder Kreuzberg, 2005 - 2010 pdf 272 KB

3. Müller-Thurgau, Klon WÜ 12-4, Würzburger Schlossberg

Empfehlung für die Rebsorte Müller-Thurgau auf Mittlerem Muschelkalk
Am wüchsigen Standort sind stärkerwüchsige Unterlagen nachteilig, da die Umsetzungsenergie in den Holzertrag fließt. Mit einer Dauerbegrünung in jeder 2. Gasse kann hier Abhilfe geschaffen werden. Chloroseempfindliche Unterlagen wie Börner und Rici sind an diesem Standort mit höherem Aktivkalkanteil nicht zu empfehlen. SO4 zeigt eine gute Adaption an den Standort. Bei zunehmender Trockenheit sollte auch 5BB in Betracht gezogen werden.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Müller-Thurgau, Klon WÜ 12-4, Würzburger Schlossberg, 2005 - 2010 pdf 319 KB

4. Silvaner, Klon WÜ 92, Würzburger Schlossberg

Empfehlung für die Rebsorte Silvaner, Klon WÜ 92, auf Mittlerem Muschelkalk
Am wüchsigen Standort mit sehr gutem Humusgehalt sind starkwüchsige Unterlagen von Nachteil, denn die Wuchskraft geht zu Lasten des Ertrages. Der kalkreiche Standort weist ein hohes Chlorosepotenzial auf, was besonders Börner ertraglich negativ beeinflusst.
SO4 zeigt ihre gute Adaption am Muschelkalkstandort. Die schwächerwüchsige Cina zeigt trotz deutlicher Chloroseneigung ein durchschnittliches Ertragsniveau.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Silvaner, Klon WÜ 92, Würzburger Schlossberg, 2005 - 2010 pdf 315 KB

5. Weißburgunder, Klon Fr 70, Thüngersheimer Scharlachberg

Empfehlung für die Rebsorte Weißburgunder, Klon Fr 70, auf Mittlerem Muschelkalk
Die wuchsstarken Sorten 125 AA und 5 BB sind für den kalkreichen und relativ flac-gründigen Standort gut geeignet. Die Standardsorte SO 4 Klon 31 Oppenheim liegt mit guten Werten und geringerem Holzertrag im Spitzenfeld. Einzig die chloroseempfindliche Unterlage Börner ist für diesen Standort nicht zu empfehlen. Auch 161-49 C und 1103 Paulsen sind mit SO4 und 5BB vergleichbar. Richter 110 zeigte eine deutlich geringere Stickstoffakkumulation im Most.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Weißburgunder, Klon Fr 70, Thüngersheimer Scharlachberg, 2005 - 2010 pdf 275 KB

6. Schwarzriesling, Klon We 273, Sommeracher Katzenkopf

Empfehlung für die Rebsorte Schwarzriesling, Klon We 273, auf Flugsand
Am sandigen humusarmen Standort sind die wuchsstärkeren Unterlagen zu bevorzugen. An dem Standort zeigen sowohl 125 AA als auch SO 4 ihre Stärken. Sie sind deutlich besser in der Lage eine ausgeglichene Bilanz bei Ertrag und Qualität als auch eine langfristige Nutzung der Anlage zu gewährleisten als schwächerwüchsigere Unterlagen.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Schwarzriesling, Klon We 273, Sommeracher Katzenkopf, 2005-2010 pdf 272 KB

7. Bacchus, Berolzheimer Schlossboden

Empfehlung für die Rebsorte Bacchus auf Gipskeuper
Insgesamt gesehen ist wegen des hohen Ertragsniveaus keine sehr klare Differenzierung erreicht worden. Zur Chlorose neigende Sorten wie Rici und Börner sind für den Standort nicht zu empfehlen. Bezogen auf das hohe Ertragsniveau zeigt die Standardsorte SO 4 ausreichend gute Werte und demonstriert dadurch ihre guten Adaptionseigenschaften. 5 BB übertrifft SO 4 lediglich bei Moststickstoff und Holzertrag.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Bacchus, Berolzheimer Schlossboden, 2005-2010 pdf 272 KB

8. Blauer Spätburgunder, Klon Auer 2107, Bürgstadter Centgrafenberg

Empfehlung für die Rebsorte Blauer Spätburgunder, Klon Auer 2107, auf Buntsandstein
Neben den mittleren Leistungen der Standardunterlage SO 4 zeigt die neue Unterlage Cina für diesen Standort leicht bessere Ertrags- und Mostgewichtswerte bei geringerem Holzertrag. Auch Rici übertrifft SO 4, liegt jedoch im Mostsäurewert signifikant niedriger. In Trockenjahren und bei intensiver Begrünung leistet auch die Unterlage Börner gute Dienste. Bei normaler Bewirtschaftung sowie guter Humusversorgung ist SO 4 für den Standort ausreichend.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Blauem Spätburgunder, Klon Auer 2107, Bürgstadter Centgrafenberg, 2005-2010 pdf 313 KB

9. Silvaner, Klon WÜ 92, am Frickenhäuser Kapellenberg

Empfehlung für die Rebsorte Silvaner, Klon WÜ 92, auf Löß über Lettenkeuper
Auf dem tiefgründigen Lößstandort sind die stärkerwüchsigen Unterlagen 5BB und 41 B deutlich stärkere Holzproduzenten als SO 4. Eine Dauerbegrünung könnte die Wuchskraft etwas abbremsen, aber auch in Trockenjahren den Wasservorrat stärker beanspruchen. SO4 zeigt eine ausgeglichene Leistung zwischen Trauben- und Holzertrag und liegt bei Mostsäure und hefeverfügbarem Moststickstoff mit an der Spitze. Die neuen Unterlagensorten Rici, Cina und besonders Börner zeigen in Chlorosejahren deutlich geringere Leistungen als die Standardsorten.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Silvaner, Klon WÜ 92, am Frickenhäuser Kapellenberg, 2005-2010 pdf 315 KB

10. Weißburgunder, Klon ST 15, am Frickenhäuser Kapellenberg

Empfehlung für die Rebsorte Weißburgunder, Klon ST 15, auf Löß über Lettenkeuper
Die Standardsorte SO 4 zeigt auch bei Weißburgunder ihre hohe Leistungsfähigkeit. 5 BB ist aufgrund ihrer höheren Wuchsstärke weniger für diesen tiefgründigen Lößlehmboden geeignet. Der mittlere Kalkgehalt wirkt sich nur geringfügig auf die chloroseempfindlicheren Sorten wie Börner und Cina aus. Bei stärkerer Trockenheit und ganzzeiliger Dauerbegrünung ist für diesen Standort auch die 5 BB geeignet.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Weißburgunder, Klon ST 15, am Frickenhäuser Kapellenberg, 2005-2010 pdf 273 KB

11. Blauer Spätburgunder, Klon Fr 13 L, Großwallstadter Pitztal

Empfehlung für die Rebsorte Blauer Spätburgunder, Klon Fr 13 L, auf Löß über Buntsandstein
Bei der wuchsstarken Unterlage 5 BB geht die starke Wuchsleistung deutlich zu Lasten des Traubenertrags. Die neuen, etwas schwächer wüchsigen Unterlagen Cina und Rici zeigen geringfügig bessere Werte als SO 4. Bei stärkerer Trockenheit sowie bei Dauerbegrünung in jeder Gasse gewinnt 5 BB an Bedeutung, da sie das beste N-Aneignungsvermögen der untersuchten Unterlagssorten besitzt.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Blauem Spätburgunder, Klon Fr 13 L, Großwallstadter Pitztal, 2005-2010 pdf 271 KB

12. Portugieser, Klon 1855, Großwallstadter Pitztal

Empfehlung für die Rebsorte Portugieser, Klon 1855, auf Löß über Buntsandstein
Der tiefgründige Lößlehmboden führt zu einer enormen Holzproduktion. Die starkwüchsige Unterlage 5 BB liefert mit nahezu 2800 kgt/ha Trockenmasse einen dreifach so hohen Holzertrag wie auf einem flachgründigen Muschelkalkboden (Marktheidenfeld). Auf diesem Standort sind Cina und Rici weniger holzlastig im Vergleich zu 5 BB bei guten Ertrags- und Mostgewichtswerten. SO 4 und Börner liegen im Mittel bei leicht höheren Mostsäurewerten.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Portugieser, Klon 1855, Großwallstadter Pitztal, 2005-2010 pdf 272 KB

13. Bacchus, Ziegelangerer Ölschnabel

Empfehlung für die Rebsorte Bacchus auf Schilfsandstein
Auf dem flachgründigen, sandigen Boden zeigen stärkerwüchsige Unterlagen deutliche Vorteile. 5 BB, 5C und SO 4 liefern über alle Parameter gute und akzeptable Werte. 5 BB ist für den sandigen und flachgründigen Boden besonders in Hinblick auf die Versorgung des Mostes mit Stickstoff zu bevorzugen. Die schwächerwüchsige Rici weist nur beim Moststickstoff einen unterdurchschnittlichen Wert auf.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Bacchus, Ziegelangerer Ölschnabel, 2005-2010 pdf 270 KB

Standortspezifische Prüfung von Unterlagensorten mit der Rebsorte
, 2005-2010

Empfehlung für die Rebsorte Blauer Spätburgunder, Klon A 21.07, auf Terrassenschotter
Am extrem wüchsigen Standort mit hohem Humusgehalt (4,1%), guter Niederschlagsverteilung und Dauerbegrünung jeder Gasse sind alle stärker wüchsigen Unterlagen sehr holzlastig. Der extreme Wuchs geht meist zu Lasten des Traubenertrages. Hier sind die schwächer wüchsigen Unterlagen Rici und Cina von Vorteil.

Prüfungsergebnisse der Unterlagensorten mit Blauem Spätburgunder, Klon A 21.07, Nonnenhorner Seehalde, 2005-2010 pdf 327 KB