Multiplikatorenschulung
Jahrestagung der Rebschutzwarte

Angeregte Diskussionen der Teilnehmer während der Kaffeepause im Wintergarten der LWG
An der Jahresbesprechung 2019 informierten sich 41 Rebschutzwarte, die Multiplikatoren der fränkischen Winzer, zu den Themen Förderung der Biodiversität im Weinberg, Schutz der Ernte vor Wespenbefall, Anwenderschutz beim Pflanzenschutz und die Nutzungsmöglichkeiten des neuen Online-Tools VitiMonitoring. In einem anschließenden Workshop wurden 27 Rebschutzwarte zur Dateneingabe und weitergehenden Nutzung von VitiMonitoring im Computer-Lehrsaal der Fachschule geschult.

Biodiversität im Weinberg

Anlässlich des Biodiversitätsjahres wurde aufgezeigt, wie der Winzer für mehr Biodiversiät in seinem Weinberg sorgen kann, ohne großen Aufwand betreiben zu müssen. Im Wesentlichen ging es darum mehr blütenreiche Begrünungen in die Weinberge einzubringen. Dies muss nicht flächendeckend erfolgen, jedoch solten Wegränder oder schwer bewirtschaftbare Teilflächen (Spitzzeilen, aufgegebene Zeilen u. Rebflächen) hierfür herangezogen werden. Wichtig ist auch das Offenhalten von Trockenelementen wie Steinriegeln, Steinhaufen und Trockenmauern, aber auch Sandkuhlen und unbewachsene Erde. Hier ist ein Zuwuchern unbedingt zu vermeiden. Auch Totholz im Umfeld des Weinbergs führt zu einer Förderung der Insektenvielfalt. Seitens der Rebschutzwarte wurde bedauert, dass entsprechende Begrünungs- und Blühmischungen bislang seitens der Anbieter nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung gestellt werden.

Schutz vor Wespenfraß

Die Rebschutzwarte wurden auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Wespenfallen hingewiesen. Es ist insbesondere auf die Einhaltung einer bestimmten Lochgröße (5mm) zu achten, um ungewünschte Beifänge (wie z.B. Hornissen) zu vermeiden. Entsprechende Versuche der LWG im Jahr 2018 erwiesen sich hier als sehr hilfreich. Wespenfallen dürfen grundsätzlich nur in einem engen Zeitraum ausgehängt werden, nämlich ab der beginnenden Reife der Trauben bis zur Ernte. In diesem Zeitraum besteht ein hohes Qualitätsrisiko, wenn Wespen in stärkerem Umfang in die Bestände einfliegen und durch ihren Fraß bei feuchter Witterung Fäulnis verursachen.

Anwenderschutz

Im weiteren Verlauf der Jahresbesprechung wurde auf neue Auflagen und Anwendungsbestimmungen beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln (Anwenderschutz) sowie bei Folgearbeiten im Weinberg hingewiesen, was insbesondere bei höheren Temperaturen den Winzern Einiges abverlangt. Hier wurden viele Fragen gestellt und intensiv diskutiert.

Projekt "Kirschessigfliege

Im aktuell laufenden Projekt "Kirschessigfliege" deutet sich an, dass mit kaolinhaltigen Produkten gute Ergebnisse erzielt werden können. Diese müssen aber noch durch weitere Freilandversuche abgesichert werden. Verschiedene Rebschutzwarte haben Bereitschaft signalisiert, unter fachlicher Betreuer der LWG, einen entsprechenden Freilandversuch anzulegen. Zum Verständnis für den Laien: Kaolin wird auch als "Weiße Tonerde" bezeichnet und wird bei Magen- und Darmbeschwerden zu diätetischen Zwecken eingesetzt, d.h. ist völlig unbedenklich. Im Projekt Kirschessigfliege wird ohnehin schwerpunktmäßig nach umweltverträglichen Lösungen zur Regulierung der Kirschessigfliege gesucht.

Rebschutz und Rebschutzwarte

In einem weiteren Abschnitt wurden detaillierte Hinweise zum gezielten, umweltverträglichen Pflanzenschutz gegeben. Voraussetzung hierfür ist, dass die tatsächliche Befallssituation berücksichtigt wird. Gerade zur Erfassung der vorherrschenden Befallssituatien leisten die Rebschutzwarte als Multiplikatoren den maßgeblichen Beitrag. Sie kontrollieren in ihren Gemeinden wöchentlich die Weinberge und übermitteln ihre Ergebnisse an den amtlichen Rebschutzdienst an der LWG. Dieser formuliert anhand der Meldungen von ca. 60 Rebschutzwarten konkrete und aktuelle Hinweise zum Handlungsbedarf. Per Warndienst-Fax bzw. -Mail gehen diese über den Weinbauring Franken den unterfränkischen Winzern zu.
Das Meldesystem der Rebschutzwarte soll in naher Zukunft digitalisiert werden. Hierzu befindet ist eine entsprechende internetgestützte Datenbank in Erarbeitung, die sich VitiMonitoring nennt und von Bayern und Baden-Württemberg vorangetrieben wird. Die Programmierarbeiten erfolgen durch eine IT- Firma bei Freiburg.

Einstieg in VitiMonitoring

Bereits jetzt werden die Rebschutzwarte zur Dateneingabe und Nutzung von VitiMonitoring geschult. Von den anwesenden 41 Rebschutzwarten konten bereits 27 an dieser Schulung teilnehmen. Die Plattform VitiMonitoring dient auch den Rebschutzwarten selbst, da die von Ihnen eingegebenen Daten sofort auf einer Online-Karte visualisiert werden. D.h. jeder Rebschutzwart sieht hier die Befallsitution in der eigenen Gemeinde, seinen Nachbargemeinden und im weiteren Umfeld. Dies gibt den Rebschutzwarten und den fränkischen Winzern Sicherheit, ob und gegebenenfalls wann Behandlungsmaßnahmen anstehen. Unnötige Behandlungsmaßnahmen können so vermieden werden. Im Gegensatz zu Prognosemodellen gegeben diese Beobachtungen die aktuelle Situation wieder. Die Vielfalt der erfassbaren Daten macht VitiMontioring auch zu einer Datenbank, die rückblickend über Jahre umfangreich genutzt werden kann.
Die LWG möchte an dieser Stelle nochmals ausdrücklich allen Rebschutzwarten für ihr Engagement und die Leistung danken, die sie zum Nutzen aller Winzer und auch der Allgemeinheit erbringen.