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Schwarzholzkrankheit der Weinrebe
Die europaweit auftretende Schwarzholzkrankheit, Bois noir, ist die bedeutsamste der in Deutschland auftretenden Vergilbungskrankheiten. Sie wird durch Phytoplasmen verursacht, die von der Zikade 'Hyalesthes obsoletus' nur zufällig auf die Rebe übertragen werden.
Schadbilder der Schwarzholzkrankheit
- Symptome der Laubwand im späten Stadium (Ende September)
Bei der Schwarzholzkrankheit zeigen oft nur einer oder einzelne Triebe eines ansonsten gesund wirkenden Stockes Symptome. Erste Ausprägungen der Krankheit werden ab Mitte bis Ende August sichtbar, wobei eine trocken-warme Witterung förderlich zu sein scheint.
Auffällig ist, dass befallene Stöcke oft neben Randstreifen oder Brachflächen zu finden sind, die mit Brennnessel und Winden als Wirtspflanzen für Phytoplasmen und Zikaden bewachsen sind.
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- Symptome an Blättern
Weißweinsorten:
Erste Symptome werden an den jungen Blättern, also meist an den Geiztrieben sichtbar. Die Geiztriebblätter hellen sich gelblich auf und die Blattränder rollen sich ein. An den Haupttriebblättern bilden sich zunächst gelbliche Verfärbungen entlang der Hauptadern. Später breiten sich diese auf die gesamte Blattspreite aus und es bilden sich Nekrosen.
Rotweinsorten:
Die Blätter der Rotweinsorten verfärben sich leuchtend rot. Die Verfärbung beginnt von Blattadern scharf begrenzt, ähnlich wie beim Roten Brenner, in einzelnen Blattbereichen und weitet sich schließlich auf das ganze Blatt aus.
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- Symptome an Gescheinen und Trauben
Die Gescheine an erkrankten Trieben können eintrocknen. Die Trauben verrieseln oft stark und beginnen sich bei weißen Sorten im August gelb bis grün-fahl zu verfärben. Die Ausfärbung bei Rotweinsorten ist dagegen sehr uneinheitlich. Die Reifung ist verzögert. Die Beeren schrumpeln ein, fallen oft ab oder sind im Herbst von ungenießbar bitterem und saurem Geschmack. Auch einzelne Traubenteile können verdorren und schließlich abfallen.
Befallene Trauben sind für die Weinbereitung ungeeignet!
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- Symptome am neuen Holz
Die befallenen Triebe zeigen eine verzögerte und zudem ungleichmäßige Holzreife. Selbst im Herbst kann man vor allem an den Nodien noch grüne unverholzte Stellen finden. Die Triebe bzw. Triebteile zeigen eine sortenuntypische, oft bläuliche Verfärbung. Im Winter nach ersten stärkeren Frösten werden die befallenen, unausgereiften Triebe schwarz, was zur Namensgebung geführt hat: S C H W A R Z H O L Z Krankheit
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Erreger der Schwarzholzkrankheit
Phytoplasmen und ihre Wirkungsweise
Phytoplasmen, die Erreger der Vergilbungskrankheiten, sind spezialisierte Bakterien ohne feste Zellwand. Sie benötigen für ihre parasitische Lebensweise eine lebende Wirtszelle. Damit können sie auch nur mittels Vektoren (Überträger) verbreitet werden und nicht durch Schnitt- oder andere Bearbeitungsmaßnahmen. Durch Kallosebildung in den Leitungsbahnen mit daraus resultierender Störung des Stofftransportes und durch die Bildung hormonartiger Substanzen kommt es zu den verschiedenen Krankheitssymptomen. Die Phytoplasmen der europaweit zu findenden Schwarzholzkrankheit gehören zur sogenannten Stolbur-Gruppe. In starken Befallslagen kann es zu hohen Ertragsverlusten kommen, die Vitalität der Stöcke ist gestört und je nach Erregertyp (s.u.) können die Rebstöcke auch vollkommen absterben.
Wirtspflanzen
Wirtspflanzen sind hauptsächlich Ackerwinde und Große Brennnessel. Die infizierten Winden sind an ihrem aufrechten, starren Wuchs zu erkennen, die Triebe sind gestaucht und die Blätter sehr klein (Verwechslungsgefahr mit Herbizidschaden). Die infizierte Brennnessel zeigt dagegen keine auffälligen Symptome. Die Weinrebe ist nur Zufalls-Wirtspflanze.
Erregertypen
Die Erregertypen, die in Ackerwinde bzw. Großer Brennnessel zu finden sind, unterscheiden sich in ihrer Aggressivität. So führen die Phytoplasmen des Ackerwindentyps zu Symptomen an einzelnen Trieben; in manchen Jahren scheint es sogar zu einer "Genesung" zu kommen, da die Stöcke keine oder nur schwache Symptome zeigen. Der Brennesseltyp ist dagegen sehr aggressiv und kann zum Absterben der Rebe führen. In Franken sind derzeit vor allem Befälle mit dem Ackerwindentyp bekannt.
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Überträger (Vektor) der Schwarzholzkrankheit - die Winden-Glasflügelzikade 'Hyalesthes obsoletus'
Die ca. 0,5 cm große Zikade 'Hyalesthes obsoletus' liebt warme Standorte. Sie lebt dort an den Wurzeln von Wildkräutern, bevorzugt an Ackerwinde und Großer Brennnessel. Hier durchlebt sie ihre Entwicklung vom Ei bis zum geschlechtsreifen Tier. Ist die Ackerwinde bzw. Brennnessel mit Phytoplasmen infiziert, nimmt bereits die Larve bei ihrer Saugtätigkeit den Erreger der Schwarzholzkrankheit auf. Das geflügelte Tier verlässt also bereits infiziert den Boden und kann durch Probestichen bei der Futteruche auch "versehentlich" die Rebe infizieren.
Die Anzahl der infizierten Zikaden ist umso höher je mehr Ackerwinden in der Rebanlagen oder in deren Umfeld mit Phytoplasmen befallen sind.
Die Grüne Rebzikade 'Empoasca vitis' spielt im Zusammenhang mit der Schwarzholzkrankheit keine Rolle!
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Bekämpfung der Schwarzholzkrankheit
Direkte Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Phytoplasmen gibt es nicht! Eine effektive Bekämpfung der Schwarzholzkrankheit ist nur möglich, wenn die Übertragung der Phytoplasmen durch die Winden-Glasflügelzikade (WGZ) unterbunden wird.
Direkte Bekämpfung der Winden-Glasflügelzikade
Da die Zikade 'Hyalesthes obsoletus' fast das ganze Jahr an ihren Wirtspflanzen im Boden lebt und zudem auch außerhalb der Weinberge vorkommt, ist ihre direkte Bekämpfung an der Rebe mit Insektiziden n i c h t möglich.
Indirekte Bekämpfung der Winden-Glasflügelzikade
Wichtig ist deshalb, die Wirtspflanzen der Glasflügelzikade wie Ackerwinden und Brennnesseln konsequent aus verdächtigen Rebanlagen zu entfernen. Auch Unkrauthorste in unmittelbarer Nachbarschaft an Wärme begünstigten Standorten müssen bekämpft werden (außerhalb der Weinbergsflächen Genehmigung einholen!). Dadurch werden die an den Wurzeln lebenden Zikadenlarven durch Nahrungsentzug abgetötet. Eine Herbizidbehandlung darf jedoch auf keinen Fall während des Fluges der adulten Zikaden im Juni und Juli durchgeführt werden, um Suchflüge nach neuen Wirtspflanzen zu vermeiden, die dann zwangsläufig in der Laubwand der Reben enden. Erst nach dem Ende der Flugzeit ab August sind Begrünungspflege und Herbizidanwendungen wieder möglich. Der beste Zeitpunkt für einen Herbizideinsatz ist im Herbst nach der Lese bei noch gemäßigten Temperaturen. Durch das Abtöten der Wurzeln vor der Winterruhe ist eine nachhaltige Wirkung gegeben. Zeitige Bekämpfungsmaßnahmen im Frühjahr (bis spätestens Mitte Mai) sind auch möglich, jedoch durch die geringe Blattmasse der Wirtspflanzen zu diesem Zeitpunkt nicht so effektiv.
!!!!!! Während des Fluges der Zikaden im Juni und Juli darf keine Bekämpfung der Wirtspflanzen durchgeführt werden, um Suchflüge der adulten Zikaden auf die Rebe zu vermeiden!!!!!!!
Ausbreitung in der Rebe verhindern
Um eine Ausbreitung der Phytoplasmen in erkrankten Stöcken zu verhindern, sind Symptom tragende Triebe sofort zu entfernen (Sommerschnitt) und nicht als Zielholz (Winterschnitt) zu verwenden.
Bei Befall mit Phytoplasmen des Ackerwindentyps kann es so zu einer "Genesung" kommen. Bei einem Befall mit dem Brennesseltyp (kompletter Stock zeigt Symptome und kollabiert)ist ein Stammschnitt auf 20 cm bereits im Sommer möglich.
Übertragung von Rebe zu Rebe
Da von schwarzholzkranken Reben selbst k e i n e Infektionsgefahr ausgeht, sind Maßnahmen, die zur Bekämpfung anderer Holzkrankheiten ergriffen werden, wie das Roden befallener Anlagen und das Entfernen kranker Stöcke nicht notwendig.
Trauben an Symptom tragenden Trieben
Auf jeden Fall dürfen Trauben von symptomtragenden Trieben nicht ins Lesegut gelangen, um Qualitätsverluste durch bitter-saure Beeren zu vermeiden.
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Unsere Veröffentlichungen zu Schwarzholzkrankheit und Phytoplasmen
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Weitere Informationen:
BBA-Faltblatt zur Schwarzholzkrankheit
- pdf, 3 MB !
Übertragungseffizienz der Vektoren von Rebphytoplasmosen
- pdf, 0,9 MB
Allgemeine Informationen zu Phytoplasmen
- pdf
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Text: P. Hönig Bilder: SG Rebschutz und -physiologie und J. V. Herrmann, LWG
Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Rebschutz und -physiologie; Tel.: 0931/9801-572
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