Lankreis Günzburg: Ramona Horber und Anni Eschenbach

Zwei Frauen in einer Hängematte unter einem Regenschirm in Regenbogenfarben sitzend.

Foto: Landkreis Günzburg

Die beiden Gartenbotschafterinnen Ramona Horber und Anni Eschenbach eint die Liebe zur Natur und die Arbeit mit Kindern.

Ramona Horber ist Hobbyfotografin. Besonders haben es ihr die Schmetterlinge angetan. Sie begleitet in ihrem Naturarten jedes Jahr Falter des Schwalbenschwanzes von der Eiablage bis zum Abflug. Die Entwicklung hält sie in fantastischen Bildern fest und zeigt sie bei Vorträgen, in den sozialen Medien und in Schulen. Sie schreibt Artikel zu Natur- und Gartenthemen und hält Vorträge zu verschiedenen Naturthemen.
Anni Eschenbach ist Gästeführerin für Natur und Stadtführerin. Für den Gartenbauverein hat sie die erste Natur-Jugendgruppe des Landkreises aufgebaut. Zusammen mit motivierten Helfern hat sie die heimischen Naturthemen für die Kinder erlebbar gemacht. ISie ist freiberufliche Akteurin im „Netzwerk Umweltbildung“ des Landkreises Günzburg, das Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung vermittelt.

Frau Eschenbach, welche Rolle spielt der Garten in ihrem Leben?

Ohne Garten würde mir zweifellos ein wichtiger Teil in meinem Leben fehlen. Hier kann ich runterfahren, entschleunigen und abschalten. Die Zeit am Morgen oder nach Feierabend, wenn keine Tageshektik herrscht, mag ich besonders. Da kann man beim garteln einfach gut seinen Gedanken nachhängen und ruhig werden. Während der Corona-Zeit habe ich oft von Leuten gehört, wie wichtig und hilfreich ihnen ihr Garten war. Mir ging es genauso.

Kein Jahr sieht der Garten gleich aus. Der Garten wächst und verändert sich mit der Gärtnerin. Im Garten steckt auch immer ein Stück Seele der derjenigen, die ihn bearbeiten. Das alte Sprichwort: „Zeige mir deinen Garten und ich sage dir, wer du bist!“, trifft kurioserweise oft zu. Wer kein Pflänzchen, das aus der Reihe wächst mehr dulden kann, hat selten Toleranz Andersdenkenden gegenüber.

Ramona Horber:

Und noch besser ist der Spruch: „Traue keinem Garten, in dem kein Unkraut wächst“! (lacht) Vielfalt entsteht, wenn ich auch mal die Natur machen und mich überraschen lassen kann. Die schönsten Falter entwickeln sich oft auf Pflanzen, die viele verächtlich als „Unkraut“ bezeichnen.
Das Erleben von Wachsen, Reifen und Vergehen, von Aufbrechen und Verabschieden gefällt mir. Es hat viel mit dem Leben im eigentlichen Sinne zu tun. Da ist der Garten wie ein Spiegel, auch in seiner Unberechenbarkeit. Die Freude über den ersten Krokus kann ein später Wintereinbruch schnell wieder dämpfen. Man weiß aber auch, dass der Frühling trotzdem irgendwann kommt! Man darf da gelassen warten.

Frau Eschenbach, ist ihre Gartenliebe auch ein Stück weit Erbe aus der Kindheit?

Ich habe ganz selbstverständlich in unserem Garten Blumen gepflanzt, die ich als Kind im Garten meiner Eltern und meiner Oma positiv „erlebt“ habe. Auch bestimmte Kräuter und Gemüsesorten. Und unsere Kinder tun das auch schon und geben es damit wieder an ihre Kinder weiter.
Man verbindet bestimmte Eindrücke und Erinnerungen damit: Noch heute ruft der Duft bestimmter Pflanzen Emotionen wach. Jetzt im Moment z. B. die Lindenblüte. Was man mit seinen Sinnen erlebt hat, vergisst man nicht mehr. Das gilt ganz besonders für Düfte. So eine Prägung begleitet einen das ganze Leben im absolut positiven Sinne. Damit geht man aufmerksamer und wacher durch die Natur und das Leben.

Und für Sie Frau Horber?

Das Erleben von Wachsen und Vergehen ist eine segensreiche Erfahrung, die in vielen Bereichen des späteren Lebens eine gute Basis für Lebenstüchtigkeit darstellt. Auch aus Misserfolgen im Garten kann man lernen, z.B. wie man es andersmacht und auch, dass es immer irgendwie weitergeht. Als Kind wächst man da unbewusst rein. Man lernt mit allen Sinnen und vergisst das nie wieder. Man übernimmt für das eigene Leben vieles, was man als positiv erkannt hat. Garten ist auch Lebensschule. Aber eine spielerische.

Was bedeutet es für Sie, selbst Obst, Gemüse und Kräuter im Garten anzubauen, Frau Eschenbach?

In erster Linie: Genuss! Als Landkind kennt man es gar nicht anders: Was zur Versorgung der Familie gebraucht wurde wuchs im Garten und kam vom Hof. Meine Mutter bewundere ich heute noch, wie sie das alles für eine Großfamilie geschafft hat. Sie hatte zahlreiche Beerensträucher zur Saftgewinnung und viele Obstbäume. Gemüse, Salat und vieles mehr kam aus dem eigenen Anbau und wurde verarbeitet. Die Einmachgläser stapelten sich im Keller.
Auch wenn wir heute nicht mehr annähernd diese Mengen zur Selbstversorgung anbauen, freue ich mich doch über die Ernte aus eigenem Garten. Das schmeckt einfach ganz anders. Man freut sich daran, dass man selber was hingekriegt (und den Schnecken abgetrotzt) hat.

Ramona Horber:

Der wertschätzende Umgang mit Lebensmitteln hängt auch mit der Erfahrung zusammen, wieviel Arbeit, Mühe und Wunder darin steckt, bis aus dem Samenkorn eine Pflanze wird. Verschwenden oder wegwerfen von Lebensmitteln ist für mich auch heute noch ein absolutes „no go“!

Anni Eschenbach

Gartengenuss bedeutet für mich auch das gemeinsame Erleben. Unsere Enkelkinder haben alle ein eigenes Beet in dem sie selber ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Da gibt es schon auch mal Tränen, wenn die Schnecke die Erdbeeren gefressen hat. Aber auch Jubel, wenn die Erbsen höher als bei der Oma sind!
Wir ernten gemeinsam und kochen das Geerntete dann miteinander. Ich habe noch nicht erlebt, dass ihnen ihr eigenes Gemüse nicht geschmeckt hat.

Welche persönliche Verbindung haben Sie beide zum Kreislehrgarten Krumbach?

Oh, das ist fast wie eine zweite Heimat!

Anni Eschenbach:

Seit über dreißig Jahren komme ich hierher zu Gartenpflegerfortbildungen, zu Gartentagen und Kursen. Da wächst einem der Garten ans Herz. Im Laufe der Zeit habe ich ehrenamtliche Aufgaben übernommen: Das schöne Amt der Jugendbeauftragten oder auch selber Kurse und Vorträge hier abgehalten. Auf Menschen mit den gleichen Leidenschaften zu stoßen, ist ein großes Glück und ein Geschenk. Hier habe ich auch Ramona kennengelernt.

Ramona Horber:

Bei einem Schmetterlingsprogramm von Anni wurde ich infiziert! Seither lässt mich dieses Thema nicht mehr los. Das ist das Schöne: Es passieren nicht geplante Dinge, die dein Leben später bereichern.
Im Kreislehrgarten habe ich die ersten Fenchelpflanzen bekommen und zu Hause angepflanzt. Prompt stellten sich Schwalbenschwanzraupen als Gäste zum Futtern ein! Der Beginn einer großen Freundschaft! Seit über 10 Jahren beobachte und fotografiere ich sie. Und wenn Unwetter nahen, bringe ich sie schon auch mal schnell in Sicherheit. Dutzenden von ihnen sah ich mit Wehmut, aber auch Freude nach, wenn sie in die Freiheit flogen. Meine Erfahrungen trage ich in Vorträgen wieder zurück in den Kreislehrgarten.

Frau Horber, was sind Ihre persönlichen Lieblingspflanzen?

Natürlich Fenchel! Nicht für mich. Sondern für meine flatternden Kostgänger. Inzwischen lege ich beim Pflanzen schon mehr den Schwerpunkt auf Futter- und Nektarpflanzen für Insekten, als auf die Ernährung meiner eigenen Familie. Spaß beiseite. So schlimm ist es natürlich noch nicht. Aber ich möchte sagen, es herrscht hier Gleichberechtigung.

Und Ihre Frau Eschenbach?

Oh, das ist eine schwierige Frage! Aber Kletterpflanzen haben es mir schon sehr angetan. Klaus Körber von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim hat mich bei seinen Clematisvorträgen dermaßen angesteckt, dass ich vieles ausprobiert habe und selber viele Vorträge zu diesen tollen Pflanzen gehalten habe.

Auch Bäume in ihrer ganzen Vielfalt sind ein großes Thema für mich. Weil sie so langlebige und treue Begleiter sind. Kein Wunder, dass sie in der Mythologie als heilige Wesen betrachtet und verehrt wurden. Vor unserem Dorf steht eine 350 -jährige mächtige Linde. Dieser Baum hat Generationen begleitet und strahlt eine große Würde aus. Bei seinem Anblick denke ich oft, wir sollten wieder demütiger und respektvoller mit der Natur umgehen. Sie ist unsere Lebensgrundlage. Das vergessen wir leider zu oft.

Was möchten Sie beide am Ende des Interviews den lesern noch nahe legen?

Machen Sie einfach und probieren Sie aus! Es kommt gar nicht darauf an, wie groß der Garten ist, sondern dass man sich darin wiederfindet. Dass er beseelt und nicht leblos ist. Freuen Sie sich über jeden Edelstein der Natur: Das Lied der Amsel, die Farben der Blüten, die Düfte der Kräuter und den unvergleichlichen Geschmack von selber angebautem Gemüse. Beißen Sie in den Apfel von Ihrem eigenen Baum und wenn es der Platz nicht hergibt, wenigstens in die eigenen Tomaten.

Tragen Sie ihre Freude auch weiter!

Die besonderen Tipps der Gartenbotschafterinnen:

Der Kreislehrgarten Krumbach ist der gemeinsame Garten der Gartenbauvereine des Kreisverbandes Günzburg. 1986, nach fünfjähriger Diskussions- und Planungszeit, konnte er als einer der ersten in Bayern eröffnet werden. Initiiert und mit viel Herzblut vom damaligen Kreisfachberater Josef Stocker und vielen Helfern aufgebaut. Die Kreisfachberaterinnen und der Kreisverband haben ein kundiges Auge darauf, dass hier eine große Vielfalt an Themen geboten wird: Vom Nutzgarten über Staudenbeete, Streuobstwiese, Teich, Kinderbereich und Imkerstand ist hier alles geboten. Aktuelle Themen werden aufgegriffen und Lösungen aufgezeigt: Wie begegne ich im Garten dem Klimawandel, welche Grabbepflanzung ist sinnvoll und was kann ich pflanzen, wenn ich kein totes Schotterbeet vor dem Haus haben will?! Oft fehlt es den Gartenbesitzern, die sich an eine Neuanlage machen, noch an Wissen und Ideen. Um nicht einfach einem Trend folgen zu müssen, kann man sich hier viele Tipps holen, auch bei Vorträgen. Einmal in der Woche kann man dort die Gärtnerinnen und Gärtner persönlich antreffen und fachkundige Auskunft für Fragen und Problemen erhalten.

Die Lieblingsecke von Ramona Horber ist der Bereich um den Teich oder auch die große Obstwiese mit viel Potential für Naturfotos.

Anni Eschenbach findet den Komposthaufen gerade für ihre Arbeit mit Kindern perfekt. Hier kann man buddeln und das wuselige Leben zu untersuchen und dabei staunen!