Gemüseblog
Raunächte
28. Dezember 2020

In alter Zeit freuten sich die Menschen zwar, nach dem Sonnentiefstand kurz vor Weihnachten, über die so ganz langsam wieder länger werdenden Tage und auf die von Tag zu Tag zaghaft immer etwas höher steigende Sonne. Zugleich wussten sie aber auch, dass die strengsten Winterwochen erst noch bevorstanden.

Heute haben wir im Klimawandel in annähernd allen Jahren eine fast sichere Aussicht auf grüne Weihnachten, weitere milde Wochen und nur wenige „echte“ Winterwochen ab Februar. Jedenfalls war das so in den letzten Jahren. Die kälteste Nacht im letzten Winter war vielerorts in Bayern erst am 1. April – kein Scherz!

Erstaunlich finden wir dagegen den alten Spruch, der früher wohl nur für Ausnahmejahre stand, aber genau den Winterverlauf der letzten Jahre beschrieb: „Kam bis Dreikönig der Winter nicht, kommt er auch bis Ostern nicht.“ Leider schützt auch diese Weisheit nicht vor Spätfrösten, die auch weiterhin bis in den Mai hinein drohen, im Vorjahr war das am 11. Mai mit unter -5 Grad Frost! Schwere Schäden vor allem beim Obst, auch bei den Erdbeeren in unserem Gemüsegarten, waren die Folge. In Unterfranken gab es so gut wie keine Pfirsiche und Aprikosen.

Übrigens galt die Zeit der Raunächte (24. Dezember bis 6. Januar) ohnehin als Ruhezeit. Ältere Leute im Schwäbischen warnten, in diesen unheimlichen Nächten dürfe keine Wäsche draußen hängen, weil „Wuades Heer“ (Wotans Heer) durch die Lüfte ziehe. Noch heute gehen in manchen Gegenden Bayerns sogar junge Leute ungern aus in dieser Zeit. Tatsächlich herrscht um den Jahreswechsel gar nicht selten recht stürmische Witterung.

Gemüsefreunde nutzen die Zeit im Haus zum Vorplanen des neuen Anbaujahres, sie schmökern in den neuen Saatgutkatalogen oder gleich im Internet.