Gartentipp
Die Mistel – geheimnisvoller Glücksbringer und botanische Besonderheit
18. Dezember 2017

Jetzt sieht man die grünen Zweige mit den weißen Beeren in vielen Dekorationen oder über den Eingangstüren hängen. „Kaum eine Pflanze ist so mystisch und so beliebt in der Weihnachtszeit wie die Mistel“, sagen die Experten der Bayerischen Gartenakademie.

Wer Spaziergänge durch die Landschaft macht, entdeckt die Misteln an den Naturstandorten, hoch oben in den Bäumen sitzend: grüne kugelige Gebilde in den sonst kahlen Gehölzen.

Mystik der Mistel

Durch ihren besonderen Wuchs und die im Dezember reifenden Beeren waren die Misteln schon vor vielen Jahrhunderten interessant. Sie trotzen dem Winter mit grünen Blättern. In der keltischen Mythologie heißt es, dass die Pflanzen mit goldenen Sicheln bei Mondschein gesammelt und in weißen Tüchern aufbewahrt wurden. Später hingen Misteln vor Ställen und Hauseingängen, um vor Hexen zu schützen. Die Mistel (Viscum album) ist eine Heilpflanze mit Zauberkräften, die Böses fernhalten, Feinde versöhnen und viele Kinder bescheren sollte. In England entstand der Brauch, sich unter einem aufgehängten Mistelstrauch zu küssen, was dem Paar Glück bringen soll. Mistelzweige, in der Weihnachtszeit am Hauseingang oder als Dekorationselement in unseren Wohnungen, symbolisieren den Wunsch des Weihnachtsfriedens für jedes Haus.

Botanische Besonderheit

Je nach Wirtsbaum gibt es bei uns drei Unterarten der Misteln: Tannenmistel, Kiefernmistel sowie die Laubholzmistel. Letztere besitzt rein weiße kugelige Früchte. Die Laubholzmistel sieht man am häufigsten, denn zu den Wirten gehören vor allem Apfelbäume, Linde, Pappel, Hainbuche und Erle.
Misteln sind Halbparasiten. Mit ihren grünen Blättern können sie selbstständig Fotosynthese betreiben und somit Kohlenhydrate selbst bilden. Durch holzige „Wurzelsenker“ zapfen Misteln außerdem aktiv das Wirtsgehölz an und entziehen ihm das aus den Baumwurzeln Richtung Blätter gepumpte Wasser mitsamt den darin gelösten Nährstoffen.
Es gibt weibliche und männliche Mistelpflanzen. Die unscheinbaren, gelben Blüten öffnen sich im März und April. Nach der Bestäubung, meist durch Fliegen, reifen bis zum Winter an den weiblichen Pflanzen die kugeligen und giftigen Beeren heran. Für die Verbreitung sorgen Vögel, die die Früchte gerne fressen. Die unverdauten Samen werden ausgeschieden und bleiben dank eines umhüllenden klebrigen Schleims an den Ästen hängen. Bis sich ein imposantes kugeliges „Drudennest“ im Baum entwickelt hat, vergehen viele Jahre.

Misteln selbst vermehren

Wer Misteln im Garten selbst vermehren möchte braucht Geduld. Zunächst drücken Sie jetzt im Winter die reifen Samen einfach in die Astgabeln oder an Äste von Apfelbäumen, Hainbuche oder Erle. Die Samen bilden zunächst Haftscheiben, bevor sie nach weiteren Monaten mit den ersten Senkwurzeln in das Holz des Wirtsbaumes dringt. So bleibt die Mistel das erste Jahr meist unbeachtet am und im Baum. Oft zeigt sich nur eine leichte Wölbung. Erst nach einem oder zwei weiteren Jahren bricht die Mistel dann mit ihrem ersten Trieb und Blatt nach außen. Und auch dann wächst die Mistel sehr langsam und bildet jedes Jahr nur eine Verzweigung mit einem Blattpaar. Bis zur ersten Ernte vergehen somit oft mehr als acht Jahre. Um immer wieder ernten zu können werden auch nicht alle Triebe weggepflückt, sondern immer nur wenige Verzweigungen.
In der Regel kommt ein gesunder und wüchsiger Baum gut mit dem Befall von einzelnen Misteln zurecht. Bei stärkerem Befall können die Äste brüchig werden. Ebenso kann die Wüchsigkeit der Bäume reduziert sein und der Ertrag bei Obstbäumen sinken. Probleme können dann vor allem auf ungepflegten Streuobstwiesen auftreten.