Gartentipp
Die Schmiede im Garten
19. November 2018

Immer wieder werden die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie gefragt, was da am Baum „wächst“. Doch es sind keine Schadpilze oder Gewächse aus der Pflanze, sondern es wurde von außen eingebracht. Vögel bedienen sich der Spalten und Astgabelungen im Baum als Halterung.

Verschiedene Tiere nutzen bestimmte „Werkzeuge“, um an Nahrung zu gelangen. Im Garten sieht es dann kurios aus.

Werkzeugnutzung der Vögel

Wo es mit dem einfachen Aufpicken nicht mehr reicht, um an Nahrung zu kommen, gebrauchen verschiedene Vogelarten auch Werkzeuge und Hilfsmittel. Es werden beispielsweise Spalten in Holzstämmen oder Mauern und Felsen genutzt, um das begehrte Futter einzuklemmen und somit besser bearbeiten zu können. Andere wiederum verwenden Steine, um an ihre Nahrung zu gelangen. Es entstehen Schmieden, wobei der Schnabel als Hammer dient und der Untergrund als Amboss.
Drosseln und andere Singvögel schlagen immer wieder Gehäuse-Schnecken auf einen Stein, um an die Schnecke zu gelangen und sie zu fressen. Die Vögel können das Häuschen mit dem Schnabel nicht aufpicken und zertrümmern es an einem geeigneten Stein. Deshalb findet man dort eine Ansammlung kaputter Schneckenhäuser. Dies ist die Drosselschmiede.

Zapfen im Stamm

Wenn jetzt die Bäume ihr Herbstlaub abgeworfen haben, sticht das Kuriosum besonders ins Auge. Beim schnellen Hinschauen erinnert es an Auswüchse des Baumes oder Baumpilze, die sich angesiedelt haben. Sieht man es sich näher an, so fällt auf, dass am Baum Risse und Spalten sind, die mit Zapfen oder hartschaligen Früchten wie Nüssen oder Eicheln gespickt sind. Auch hier waren Vögel am Werk. Meist sind es Spechte, vor allem Buntspechte, die diese Art der Futterbearbeitung nutzen. Ganz fest werden die Nahrungsquellen eingeklemmt, um dann mit Schnabelhieben bearbeitet zu werden. Es gibt sogar Spechte, die die Risse und natürlichen Spalten im Baum noch optimieren, um eine besonders feste Verankerung zu haben. Diese Spechtschmieden werden vor allem im Winter angelegt, wenn Koniferensamen und Nüsse die Hauptnahrung für Buntspechte sind, da sich Käfer und andere Tiere in ihr Winterversteck zurückgezogen haben.
Die Spechtschmieden sind ein Zeichen für einen naturnahen Garten. Gesundheitliche Schäden an den Bäumen treten in der Regel nicht auf.