Gartentipp
Die Artischocke – Distel mit Mehrwert
3. August 2020

Bei einer Fahrt über Land, entdeckt man gelegentlich ganze Felder mit großen lila Blüten auf hohen kräftigen Stängeln. „Es sind blühende Artischocken“, wissen die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie. Die Knospen als Gemüse geschätzt, dienen die Blüten zur Dekoration, aber auch als wichtige Nahrungsquelle.

Da wo es jetzt blüht werden die großen Blumen für Floristen oder für den Verkauf auf dem „Grünen Markt“ geschnitten. Vorher wurden schon die großen Knospen für den Verzehr geerntet.

Große Distelblüten

Unverkennbar ist beim Erblühen der Artischocke die Verwandtschaft mit der Distel. Zunächst liegen die Knospenschuppen fast wie bei einem „Tannen-Zapfen“ dicht zusammen bevor sie sich öffnen und nach und nach eine Vielzahl violett-blaue Röhrenblüten herausschieben. Schließlich erreicht die Korbblüte mit durchschnittlich 15 Zentimetern eine imposante Größe. Die schweren Blüten sitzen auf sehr dicken, fleischigen und starren Stängeln. Die Blüten sind wahre Hingucker: bedingt durch die auffallende Größe, aber auch, weil sie wie ein Magnet eine Vielzahl von Insekten anlocken. Diese graben sich regelrecht durch die Röhren-Blüte. Zeitweise kann man bis zu zehn Hummeln und Bienen in einer Blüte finden, die sich am Pollen und Nektar laben.
Blütezeit ist meist ab August. Je nach Witterung und bei überwinterten Pflanzen erscheinen die lila Blüten auch schon einige Wochen früher. Schneidet man die Blüten ab, halten sie sehr lange. In einer Vase ohne Wasser trocknen sie ein und bleiben so mehrere Monate attraktiv.

Stattliche Größe

Die Artischockenpflanze benötigt ausreichend Platz, damit sie sich zu ihrer vollständigen Größe entfalten kann. Die aufrecht wachsende Staude verzweigt sich und erreicht eine Höhe von 1,50 Metern und benötigt etwa einen Quadratmeter Platz. Bis 80 Zentimeter lange, stachelige und graugrüne Blätter treiben aus der Erde. Im Gemüsegarten überragt sie viele Gemüsearten im Beet. Selbst in einem Ziergarten fällt die Pflanze mit ihrer stattlichen Größe auf. Ein naturnaher, biodiverser Garten kann mit der Artischocke Gemüse und Zierwert auf einfache Weise verbinden.

Gewinner des Klimawandels

Als Staude friert die Pflanze jedes Jahr zurück. Doch infolge der Klimaveränderung gelingt vor allem in milden Gebieten die Überwinterung. Da sie nicht zuverlässig im nächsten Jahr wieder austreibt, benötigt die Artischocke auf alle Fälle einen Winterschutz. Dies kann eine dicke Schicht Herbstlaub oder Stroh sein. Wird es ganz kalt, schützt zusätzlich ein Vlies. Nasse und kalte Böden mag die Artischocke gar nicht. Es besteht die Gefahr, dass die Wurzeln faulen.
Nach einer erfolgreichen Überwinterung bringt sie in den nächsten Jahren mehr große Knospen und Blüten hervor. Mit einer früheren Ernte ist dann zu rechnen.

Artischocke als Gemüse nutzen

Möchte man Artischocken aus dem Garten als Gemüse ernten, so muss rechtzeitig gehandelt werden und die Pflanze darf nicht zum Blühen kommen. Man nutzt nur gut geschlossene Knospen. Damit diese aber möglichst groß werden, entfernt man die Nebenknospen am Trieb. Verwendet werden nur die inneren und unteren Teile der Knospenschuppen sowie der Blütenboden.
Artischockengemüse ist beim richtigen Erntezeitpunkt eine wunderbare Delikatesse: die Knospenschuppen liegen noch dicht und die Knospe fühlt sich prall und fest an. Verfärben sich die Schuppen oder spreizen sich schon ab, so wird es im Inneren zäh. Dann lassen Sie die Artischocke lieber aufblühen. Dies erfreut die Insekten.

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