Gartentipp
Zeit für Stecklinge
3. August 2026

Steckling schneiden

Eigenen Pflanzennachwuchs ziehen? Bei vielen Sommerblumen oder Gemüsearten funktioniert es durch Samen. Doch jetzt im Sommer ist die Zeit verschiedene Pflanzen durch Stecklinge zu vermehren, raten die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie.

Das Nachziehen durch grüne Pflanzenteile, den Stecklingen, erfolgt dann, wenn die jungen Triebe fest, aber noch nicht verholzt sind. Diese Art der Vermehrung lohnt es sich bei alten, unbekannten und außergewöhnlichen Sorten oder dann, wenn man viele Pflanzen braucht oder verschenken will.

Junge Pflanzen durch Stecklinge

Über Stecklinge gelingt es einfach verschiedene Pflanzen mit identischen Eigenschaften zu vermehren. Dabei werden junge Triebe von der Mutterpflanze abgeschnitten, damit diese bewurzeln und so viele neue Pflanzen bilden. Diese Pflanzenstücke sind fest, aber noch nicht verholzt. Bei der Stecklingsvermehrung entfällt die Keimphase, so dass die jungen Pflanzen früher weiterwachsen können.

Die Methode der Stecklingsvermehrung können Sie beispielsweise bei einer Vielzahl von Beet- und Balkonblumen anwenden. Fuchsien, Pelargonien, Wandelröschen und anderer Kübelpflanzen sind bis Mitte des Sommers ausgereift und nicht mehr weich, aber auch noch nicht holzig. Ebenso können Sie mit vielen anderen verholzenden Gartenpflanzen verfahren. Beliebt bei uns und auch bei den Insekten sind duftende Kräuter wie Lavendel, Rosmarin, Zitronenverbene und Minzen. Die jungen Nachzuchten eignen sich in einem schönen Topf zudem als Geschenk für Gartenfreunde.

Auch aus Platzgründen ist die Stecklingsvermehrung sinnvoll. Gerade unsere klassischen Balkon- und Kübelpflanzen erreichen über den Sommer eine stattliche Größe. Diese sind aber frostempfindlich und benötigen einen Platz zum Überwintern. Doch der ist oft nicht vorhanden. Machen Sie jedoch Stecklinge von Ihren Lieblingspflanzen, sind die Zögling bis zum Herbst bewurzelt und lassen sich ohne großen Platzbedarf gut durch die kalte Jahreszeit bringen.

So geht Stecklingsvermehrung

Schneiden Sie nur Stecklinge von gesunden und kräftigen Mutterpflanzen. Wählen Sie möglichst blüten- und knospenfreie Triebe mit drei bis vier Blattpaaren aus, die Sie mit einem sehr scharfen Messer unterhalb eines Blattpaares schneiden. Kleine Blättchen an der Blattachsel kommen weg, damit diese nicht faulen. Balkonblumen und andere stehen jetzt in voller Blütenpracht, weshalb Sie kaum Triebe ohne Knospen und Blüten entdecken. Entfernen Sie vorsichtig die Blütenansätze, so dass der Stiel nicht verletzt wird. Mit einer kleinen Schere (Ausputzschere) gelingt das recht gut. Blüten und Knospen verbrauchen für den Steckling zu viel Energie und können zudem Faulen.

Aussaaterde, evtl. noch mit Sand gemischt, wird nun in saubere Töpfe und Gefäße gefüllt. Dann stecken Sie den vorbereiteten Steckling in die Mitte des Topfes und drücken Sie ihn an, so dass er Erdanschluss hat und nicht umfallen kann. Anschließend erfolgt das Angießen und leichtes Abdecken mit Folie, um vor dem Austrocknen zu schützen. So ein zarter Steckling sollte zwar hell stehen, aber grelle Sonne schadet ihm. Eine Schattierung mit einem Zwiebelnetz, einem dünnen Stoff oder einem dünnen Vlies ist deshalb sinnvoll. Ohne Schattierung funktioniert auch gut ein heller Fensterplatz an der Nordseite oder ein Standort draußen im Schatten. Die tägliche Kontrolle hilft Pilzerkrankungen durch zu hohe Luftfeuchte und Schwitzwasser zu vermeiden. Zudem kann man gleich kurz lüften und entstandene Schadstellen entfernen. Nach etwa zwei bis drei Wochen haben sich die ersten Wurzeln entwickelt.

Das Einstellen der Stecklinge in ein Glas mit Wasser funktioniert bei vielen Pflanzen ebenfalls gut. Außerdem können Sie dann gleich das Wurzelwachstum beobachten. Nach der Wurzelbildung kommen die Jungpflanzen dann in ein Gefäß mit Erde.

Steckhölzer nicht mit Stecklingen verwechseln

Stecklinge werden im Sommer von krautigen Pflanzen gewonnen. Die diesjährigen Neutriebe von Zier- und Beerenobststräuchern eignen sich für Steckhölzer. Diese Art der Vermehrung erfolgt meist erst im Herbst.