Versuchsergebnisse aus der Praxis
Zukunftsbaumsichtung - Ergebnisse im Extremsommer 2026

Luftbild von oben mit verschiedenen Bäumen auf der Plantage.

Seit 2010 stehen im Versuchsbetrieb Thüngersheim der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim verschiedene Gattungen bewährter und neuer Bäume als Hochstamm, die sich unter den trockenen und heißen Bedingungen beweisen sollen. Die Zukunftsbäume werden jährlich bonitiert. Neben phänologischen Daten gibt es Vitalitätsbonituren im Frühjahr, im Sommer und im Herbst, um den Zustand der Bäume auf einer Skala von 1 bis 9 einzuordnen. Zusätzlich werden nach mehr als drei Wochen mit hohen Temperaturen und ohne nennenswerten Niederschlag (weniger als 20 mm) Trockenstress-Bonituren durchgeführt. Im Zeitraum Anfang Mai bis Mitte August gab es am Standort 100 mm Niederschlag bei 36 Hitzetagen (mehr als 30 °C Maximaltemperatur), so dass Baumarten, die extrem unter Trockenheit und/ oder hoher Einstrahlung leiden, klar herausgestellt werden können. Die Sichtung deckt nicht alle Gattungen der Stadtbäume ab, der Fokus liegt auf Arten und Sorten von Acer (Ahorn), Fraxinus (Eschen), Quercus (Eichen), Tilia (Linden) und Ulmus (Ulmen).

Betrachtet wurden nur Bäume, die mindestens seit 2019 auf der Fläche wachsen und nicht mehr gegossen werden. Außerdem sind bereits in den letzten fünf Jahren einige Baumarten aus der Sichtung verschwunden, da sie den extremen Bedingungen bisher nicht standhalten konnten. Unsere Fläche ist daher in Teilen auch so zu verstehen, dass wird die Überlebenden der Jahre 2015, 2018 und 2022 weiter beobachten und hier versuchen, die Unterschiede herauszuarbeiten. Unsere Fläche umfasst auch nicht das komplette Sortiment innerhalb der Arten. Unsere Beobachtungen sollen daher die Empfehlungen ergänzen und Nuancen in der Resilienz gegenüber Trockenstress und hoher Einstrahlung herausstellen.

Acer

Auf der Zukunftsbaumfläche stehen aktuell 18 Acer (Ahorn)-Typen. Alle vier Sorten der Feld-Ahorne 'Lienco', 'Queen Elisabeth', 'Elsrjik' und 'Red Shine' zeigen leichte Trockenstress-Symptome, also mäßiger Laubfall aus dem Kroneninneren sowie leicht schlaff wirkende Blätter. Verbrennungen konnten nicht festgestellt werden. Auch Acer monspessulanum (Felsen-Ahorn) zeigt leichten Trockenstress, ist aber vital und scheint die lange Dürrephase gut zu überstehen. Bei den Sorten der Spitzahorne ist das Bild differenzierter. Alle Sorten sind frei von Echtem Mehltau und Teerfleckenkrankheit, aber nur die Sorten 'Green Pillar', 'Farlakes Green' und 'Fairview' können als „leicht gestresst durch Trockenheit“ beschrieben werden.

Die Sorten 'Allerhausen' und 'Grenoble' zeigen wesentlich deutlichere Welkeerscheinungen, 'Grenoble' weist zudem bei ca. 20 % der Blätter Verbrennungen auf. Die Arthybride Acer x truncatum (Chinesischer Spitz-Ahorn) 'Pacific Sunset' zeigt die gleiche Schädigung wie 'Grenoble'.

Die Sorten von Acer rubrum (Rot-Ahorn) sind deutlich stärker von Trockenstress betroffen als die Sorten der heimischen Arten. Insbesondere 'Somerset' und 'Brandywine' haben deutliche Blattnekrosen und schlaff hängende Blätter. Diese sind deutlich aufgehellt bzw. zeigen erste Symptome einer Laubfärbung. Nur die Sorte 'Redpointe' weist keine Strahlungsschäden auf. Sie dreht die silbrige Blattunterseite nach oben. Trockenstress ist aber nicht zu übersehen.

Am Ast hängen braune Blattränder und kräuseln sich.

'Grenoble'

Braune, vertrocknete Blattränder und Blattspitzen am Zweig unter blauem Himmel.

'Somerset'

Blattunterseite dreht sich nach oben bei starker Sonneneinstrahlung.

'Redpointe'

Tabelle 1: Acer - Ergebnisse der Stresssymptome

ArtSorteAnzahlTrockenstressStrahlungsschädenHerbstfärbung
Acer campestre'Elsrjik'2leichtkeinekeine
Acer campestre'Lienco'2leichtkeinekeine
Acer campestre'Queen Elisabeth'3leichtkeinekeine
Acer campestre'Red Shine'3leichtkeinekeine
Acer monspessulanum.2leichtkeinekeine
Acer platanoides'Allershausen'2mittelkeinekeine
Acer platanoides'Fairview'4leichtkeinekeine
Acer platanoides'Farlakes Green'4mittelkeinekeine
Acer platanoides'Green Pillar'2leichtkeinekeine
Acer platanoides'Grenoble'4mittelleichtkeine
Acer x truncatum'Pacific Sunset'4mittelmittel(leicht)
Acer rubrum'Brandywine'2mittelleicht(leicht)
Acer rubrum'Redpointe'4leichtkeinekeine
Acer rubrum'Somerset'3mittelleichtleicht

Fraxinus

Bei den Eschenarten zeigen sich deutliche Unterschiede. Alle Fraxinus ornus (Manna-Esche)-Sorten leiden etwas unter der Trockenheit, die hohe Einstrahlung scheint aber keinen Einfluss zu haben. Ebenso wie Fraxinus angustifolia (Schmalblättrige Esche) 'Raywood' sind die Blätter schlaff, gerollt und lassen eine beginnende Herbstfärbung vermuten. Die Kugelform 'Mecsek' wirkt dabei am vitalsten. Bei den nordamerikanischen Arten zeigen alle Sorten eine Reaktion auf den Wassermangel, vor allem durch gerollte Blätter in den Triebspitzen. Hitzeschäden durch Verbrennungen und vorzeitiger Laubfall betrifft vor allem Fraxinus americana (Weiß-Esche) 'Autumn Purple', die zu 80% verbrannt und bereits im Laubfall ist. Anzumerken ist, dass die nordamerikanischen Arten 'Autumn Purple', 'Cimmzam' und 'Summit' erst seit 2016 auf der Fläche gepflanzt wurden, [i]Fraxinus ornus (Manna-Esche) und Fraxinus angustifolia (Schmalblättrige Esche) in Sorten stehen seit 2010.

Braune, vertrocknete und eingerollte Blätter am Zweig unter blauem Himmel.

'Autumn Purple'

Verbrannte Blätter hängen schlaff und rollen sich ein.

'Skyline'

Am Ast hängen Blätter und rollen leicht nach innen zusammen.

Fraxinus ornus

Tabelle 2: Fraxinus - Ergebnisse der Stresssymptome

ArtSorteAnzahlTrockenstressStrahlungsschädenHerbstfärbung
Fraxinus angustifolia'Raywood'2leichtkeine(leicht)
Fraxinus ornus'Mecsek'3leichtkeine(leicht)
Fraxinus ornus'Lousia Lady'2leichtkeine(leicht)
Fraxinus ornus'Obelisk'2leichtkeine(leicht)
Fraxinus americana'Autumn Purple'2starkstarkverbrannt
Fraxinus americana'Skyline'2mittelleichtkeine
Fraxinus pennsylvanica'Cimmzam' ('Cimmaron')3leichtkeinekeine
Fraxinus pennsylvanica'Summit'3mittelkeinekeine

Quercus

Deutlich positiver ist bei Quercus (Eichen), wobei aufgrund des pH-Wertes von 7,3 am Standort nur kalktolerante Arten zu finden sind. Alle Arten zeigen leichten Trockenstress, wobei Quercus frainetto (Ungarische Eiche) und Quercus pubescens (Flaumeiche) immer noch sattgrün und ohne Laubfall punkten. Überraschend gut präsentiert sich auch Quercus bicolor (Zweifarbige Eiche). Bei den im Sortiment noch recht neuen amerikanischen Arten Quercus shumardii (Shumards-Eiche) und Quercus texana (Texas-Eiche) ist erstere am Standort deutlich vitaler. Die beiden Arten wurden in Veitshöchheim in einem Anzuchtversuch angezogen und sind seit 2019 Teil der Klimabaumsichtung. Die Säulen-Eiche (Quercus x warei) 'Regal Prince' ist wie alle anderen Eichen mehltaufrei und ohne ausgeprägte Stresssymptome. Nur Quercus macrocarpa (Bur-Eiche) zeigt deutliche Strahlungsschäden und befindet sich im Laubfall. Quercus castaneifolia (Kastanienblättrige Eiche) 'Greenspire' hat bereits etwas Laub verloren. Da die Arten und Sorten ansonsten durchweg überzeugen, wird auf eine tabellarische Darstellung verzichtet.

Tilia

Bei den Linden-Arten mit insgesamt 16 Sorten im Versuch zeigen sich deutlichere Unterschiede. Hier wird bei der Bonitur auch der Umfang des Fruchtansatzes berücksichtigt, da dieser sich meist zusätzlich negativ auf die Gesamt-Vitalität auswirkt. Verbrennungen bzw. Strahlungsschäden konnten nicht festgestellt werden. Besonders hervor sticht Tilia x americana (Amerikanische Linde) 'Redmond', die nur leichten Trockenstress zeigt. Alle anderen Linden zeigen zumindest im Kroneninneren erste Herbstfärbung bzw. haben bereits mit dem Abwurf von Blättern bzw. Blüten begonnen. Tilia platyphyllos (Sommerlinde) 'Örebro' und Tilia x europaea (Holländische Linde) 'Pallida' zeigen mäßige Symptome. Auffällig sind hierbei die Bäume, die für die Reisergewinnung (Unterlagenversuch) 2025 stark zurückgenommen wurden. Diese Bäume sind vital mit großen Blättern, haben aufgrund des Schnitts kaum Blüten und trotzen ohne Verbrennungen der Hitze und Trockenheit deutlich besser. Diese Beobachtung unterstreicht, wie wichtig es ist, bei Tilia (Linde) in der Entwicklungs- und Erhaltungspflege darauf zu achten, dass das vegetative Wachstum gefördert wird. Auch alle sechs Silberlinden-Sorten leiden unter der Trockenheit, sichtbar an schlaffen Blättern und beginnender Herbstfärbung. Bei den Winterlinden zeichnet sich ab, dass 'Rancho' und 'Erecta' noch vitaler sind als die Sorte 'Greenspire'. Tilia mongolica (Mongolische Linde) steht mit zwei Herkünften auf der Fläche. Beide Gruppen zeigen deutlichen Trockenstress, bei einer Gruppe sind außerdem bereits 25 % der Blätter gefärbt und im Laubfall.

Tabelle 3: Tilia - Ergebnisse der Stresssymptome

ArtSorteAnzahlTrockenstressFruchtansatzLaubfall (z.T. mit Herbstfärbung)
Tilia x americana'Redmond'2leichtsortentypischkeine
Tilia x europaea'Pallida'4mittelsortentypischleicht
Tilia cordata'Greenspire'4mittelsortentypischmittel
Tilia cordata'Erecta'4leichtsortentypischleicht
Tilia cordata'Rancho'4leichtExtrem hochleicht
Tilia mongolica.6mittelsortentypisch(leicht) 2 von 6
Tilia platyphyllos'Örebro'4mittelüberdurchschnittlichleicht
Tilia tomentosa'Brabant'4mittelsortentypischmittel
Tilia tomentosa'Globosum'4mittelsortentypischleicht
Tilia tomentosa'Szeleste'4mittelsortentypischmittel
Tilia tomentosa'Varsaviensis'4mittelsortentypischmittel

Ulmus und Celtis

Alle acht Ulmensorten und Ulmus laevis (Flatterulme) zeigen leichten Trockenstress, der sich zuerst durch sich rollende Blätter bei der Gattung äußert. Strahlungsschäden wurden bei keiner Sorte beobachtet. 'Rebona', 'New Horizon', 'Fiorente' und 'Columella' sind am wenigsten betroffen. 'Cathedral' und 'Lobel' reagieren bereits mit leichtem Laubfall, ebenso wie Ulmus laevis (Flatterulme). Auf eine Tabelle wird aufgrund der geringen Symptomatik verzichtet. Zwei Zürgelbaumarten (früher Ulmaceae, jetzt Cannabaceae) werden seit 2010 bzw. in einer zweiten Pflanzung ab 2019 beobachtet. Celtis autralis (Europäischer Zürgelbaum) zeigt deutliche Symptome durch fahl wirkendes, schlaff hängendes Laub und einem Laubverlust ohne Färbung von ca. 30 %. Celtis occidentalis (Amerikanischer Zürgelbaum) wirkt vitaler, im oberen Kronenbereich kommt es aber zu trockenen Blättern.

Weitere Gattungen

Neben den Haupt-Gattungen ist Carpinus betulus (Gemeine Hainbuche) hervorzuheben als besonders betroffene Baumart. Alle Arten zeigen starke Verbrennungen sowie Laubfall über 50 %. Auch Liquidambar (Amberbaum) – schon seit Jahren mit schwindender Vitalität vermutlich aufgrund des hohen pH-Wertes – färbt die Blätter gelb und befindet sich im Laubfall. Parrotia persica (Eisenholzbaum) 'Vanessa' zeigt starke Strahlungsschäden. Gesunde Blätter gehen in die Herbstfärbung über, wobei aber kein Laubfall festzustellen ist. Morus alba (Weiße Maulbeere) in verschiedenen Sorten zeigt kaum Trockenstress im Laub. Allerdings werden seit drei Jahren leicht chlorotische Blätter beobachtet, die im Sommer 2026 deutlich sichtbar sind.

Hinten braune, trockne Blätter und vorne mehr grüne Blätter

Carpinus vs. Acer

Am Zweig hängen die Blätter schlaff und rollen sich ein.

Celtis australis

Helle Flecken auf der Blattoberseite und Blattränder rollen innen ein.

'Vanessa'


Kultur- und Versuchshinweise

Standortvoraussetzungen

  • 180 m üNN, Bodenart lehmiger Sand, pH-Wert 7,3
  • Jahresdurchschnittstemperatur in den letzten 5 Jahren zwischen 9,9 und 11,6 °C
  • Durchschnittlicher Niederschlag in den letzten 5 Jahren zwischen 550 und 740 mm
Wetterdaten 2026

Tageswerte der Temperatur und des Niederschlags als Liniendiagramm dargestellt.

Abbildung: Witterung 01.05. bis 13.08.2026 am Versuchsbetrieb Thüngersheim (eigene Wetterstation); Quelle: Agrarmeteorologie Bayern

  • Niederschlag seit 01.01.2026: 296 mm
  • Niederschlag im Zeitraum 01.05. bis 13.08.2026: 100 mm
  • Anzahl Hitzetage (Tageswert mehr als 30 °C) seit 01.01.2026: 36 Tage


Kritische Anmerkungen

Unsere Sichtungsfläche umfasst 19 Gattungen mit insgesamt 38 reinen Arten. Dazu kommen über 70 Sorten der verschiedenen Taxa. Ein Teil ist in den letzten Jahren gepflanzt worden und wird noch gegossen (drei Jahre nach Plan, zwei weitere nach Bedarf). Diese Bäume werden hier nicht berücksichtigt. Wenn die Standdauer der Baumgruppen voneinander abweichen, ist dies gesondert im Text erwähnt. Einige Gattungen fehlen auf unserer Sichtungsfläche, z. B. Prunus (Prunus) und Sorbus (Mehlbeeren) (alle in den letzten Jahren abgestorben), Malus (Wildapfel) (als Zierapfel in der Hausbaumsichtung, frisch verpflanzt) und Platanus (Platanen). Damit hat die Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist auch keine Empfehlungsliste innerhalb des gesamten Stadtbaum-Sortiments. Jedoch bringt der direkte Vergleich bei einheitlichen Boden- und Klimaverhältnissen eine gute Aussagekraft für die Eignung im Weinbauklima bei langen Trockenperioden und hohem pH-Wert in gewachsenen Boden. Zukunftsbäume leiden alle unter der Hitze, eine noch vitale Belaubung verspricht aber ein gewisses Regenerationsvermögen nach langen Hitze- und Trockenperioden. Doch ohne fachgerechte Etablierungspflege werden auch aus den robustesten Arten und Sorten keine Bäume, die ihre Systemleistungen entfalten können.