Weinbau und Gartenbau 4.0
Kleine Unterschrift mit großem Potenzial: Kooperationsvertrag mit Israel

Der Klimawandel mit den damit verbundenen Herausforderungen ist wohl das Megathema der Zukunft – und eine Generationenaufgabe. Denn ein schnellwirkendes Allheilmittel gibt es dafür nicht; fest steht nur, dass schon jetzt gehandelt werden muss: „Die Folgen des Klimawandels mit Dürreperioden und Trockenheit werden bei uns immer spürbarer. Die Zusammenarbeit soll dazu beitragen, unseren Landwirten möglichst schnell die passenden Antworten auf diese Herausforderung zu liefern“, so Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei ihrer Israelreise in Tel Aviv. Vom 10. bis 13. September besuchte sie mit einer Delegation von Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft, darunter LWG-Präsident Dr. Hermann Kolesch, auch das Volcani Center und unterzeichnete einen richtungsweisenden Kooperationsvertrag.

Silicon Valley des Westens

Tel Aviv, die lebendige und weltoffene Stadt in Israel, gilt schlecht hin als das „Silicon Valley“ des Westens. Alle bedeutenden IT-Firmen, Automobilhersteller und Maschinenbauunternehmen sind bereits vor Ort oder haben mit jungen Startups Kooperationen geschlossen bzw. diese aufgekauft. Keine Frage, dieses Land, multikulturell geprägt durch viele jüdische Einwanderer, geopolitisch in einem Dauerkonflikt mit seinen Nachbarn und zu 75 % aus Halbwüsten und Wüsten bestehend, ist erfolgreich durch seinen enormen „Spirit“ an geistiger Kreativität und den Mut sich furchtlos an außergewöhnlichen Herausforderungen zu messen.

KI revolutioniert Landwirtschaft

So war es nach dem Zweiten Weltkrieg, als jüdische Einwanderer das Land durch eine innovative Bewässerungstechnologie, die Tröpfchenbewässerung – 1965 im Kibbuz „Hatzerim“ entwickelt und am Rande der Negev Wüste gelegen – nutzbar und fruchtbar machten. So wird es jetzt wieder sein, wenn es um die großen Herausforderungen der Landwirtschaft wie die Wasserversorgung, die Ernährung der Weltbevölkerung, den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, die Lebensmittelsicherheit oder die menschliche Gesundheit geht. Die Digitalisierung, also die Nutzung der Informationstechnologie durch Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI), ist dieses Mal der entscheidende Treiber dieser Entwicklung.
"Wir wollen alle Möglichkeiten der Digitalisierung ausloten, um den Klimaschutz und die Umweltleistungen unserer Landwirtschaft nachhaltig weiter zu verbessern."

Michaela Kaniber, Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Landwirtschaft 4.0

Im Rahmen einer dreitägigen Delegationsreise mit der Bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber konnten sich die Vertreter des Ministeriums, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), der LWG, der Hochschule Weihenstephan/Triesdorf sowie Vertreter bayerischer Agrarunternehmen über gerade diesen einzigartigen „Spirit“ vor Ort informieren. Gebündelt in offen gestalteten Gebäudekomplexen und transparenten Büroanordnungen, die Bezeichnungen wie „Mind Space“, „The Kitchen“ oder „Food Tech Hub“ tragen, arbeiten kleine Teams an den Lösungen für morgen. Eine Reihe junger Startups stellten ihre Konzepte und Produkte im Bereich der Landwirtschaft 4.0 vor. Diese reichten von intelligenter Bodenfeuchtemessung und Nitratbestimmung im Wurzelraum der Pflanzen über smarte, echtzeitbestimmte Unkrautdichte im Keimblattstadium und deren punktgenaue Bekämpfung bis hin zum für Diabetiker ungefährlichen aber noch immer süßen Fruchtsaft und der Erzeugung von Rindfleisch aus bovinen Muskelzellen im Fermenter. Eine imposante Aufzählung, die sich noch weiter fortsetzen ließe.

Einmaliger Kooperationsvertrag

Daneben wurden auch die Forschungseinrichtungen der Hebräischen Universität wie das Volcani Center, einer dem israelischen Agrarministerium nachgelagerten Forschungseinrichtung im Agrarbereich, besichtigt. Besonders erfreut zeigte sich Dr. Hermann Kolesch, über den vom Volcani Center und der LfL sowie der LWG unterzeichneten Kooperationsvertrag. Die LWG arbeitet seit vielen Jahren im Bereich des Bewässerungsmanagements mit israelischen Partnern zusammen, entwickelt Forschungsprojekte oder organisiert Fachtagungen. Durch die Kooperation wird der Austausch enorm intensiviert und auf eine neue Ebene gehoben. So sollen junge Wissenschaftler ausgetauscht, in gemeinsamen Workshops praxisorientierte Projekte entwickelt und in die laufende Forschung implementiert werden. „Dies eröffnet für beide Seiten vollkommen neue und bisher ungeahnte Perspektiven“, freute sich Dr. Hermann Kolesch. So könne Israel im Bereich der Ökologisierung, der Biodiversität aber auch der Sensorik und des Qualitätsmanagements von Bayern lernen.