Pressemitteilung - 02. Juli 2026
Anpassung an den Klimawandel: Nutzwasser statt Trinkwasser fürs Gießen des städtischen Grüns

Hohe Temperaturen, längere Trockenheit und weniger Regen: Wasser möglichst effizient zu nutzen, wird immer wichtiger. Das Forschungsprojekt „Nutzwasser für städtisches Grün" an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim widmet sich genau diesem Thema. Ziel ist, das sogenannte Nutzwasser im urbanen Bereich zum Einsatz zu bringen. Eine Testanlage auf dem Gelände der LWG ist auch am Tag der offenen Tür zu besichtigen. Er findet am Sonntag, den 5.7.2026, von 9 bis 16 Uhr statt.

Von 2021 bis 2023 lief das Projekt „Nutzwasser als alternative Wasserressource", das die Technische Universität München mit verschiedenen Partnern aus der Forschung, Praxis und Verwaltung durchgeführt hat. Ziel war die Entwicklung praxisnaher Strategien zur Wiederverwendung von Wasser für urbane und landwirtschaftliche Bewässerung, inklusive rechtlicher, qualitativer und technischer Aspekte. Es wurde zum Beispiel auf Sportplätzen in Schweinfurt gezeigt, wie das aufbereitete Wasser genutzt werden kann. Außerdem wurde eine Bewässerungs-App um urbane Anwendungen erweitert, um den Wasserverbrauch besser vorherzusagen und letztendlich Wasser effizienter zu nutzen.

Nutzwassereinsatz in Schweinfurt
Am Nachfolgerprojekt sind aktuell mehrere Partner beteiligt: Die Technische Universität München (TUM), das Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe (TZW), die Stadtentwässerung Schweinfurt, das Unternehmen Xylem, das Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie die LWG. Die Aufbereitung des Wassers, das nach der letzten Klärstufe entnommen wird, durchläuft vier weitergehende Reinigungsprozesse: Vorfiltration, Ozonierung, biologische Aktivkohlefiltration und UV-Desinfektion. Der Durchsatz der Anlage beträgt bis zu 10 Kubikmeter pro Stunde. Das ist nur ein Bruchteil des gesamten geklärten Abwassers der Kläranlage. Der Rest fließt in den Main. Das Nutzwasser kommt nach der Aufbereitung in ein nahegelegenes Speicherbauwerk. Aktuell wird das Nutzwasser regelmäßig zu Demonstrationszwecken auf dem Nebenplatz des TV Oberndorf und auf Flächen der Stadtentwässerung der Stadt Schweinfurt verwendet.

Ziel des Projekts
Um das städtische Grün zu bewässern, soll eine trockenheitsunabhängige und zuverlässige Wasserressource hergestellt werden, um sowohl Trinkwasserbedarfe als auch das Grundwasser nachhaltig zu entlasten. Gleichzeitig wird geprüft, ob während der Speicherung des Wassers eine mikrobielle Belastung auftreten kann, um die Qualität und Sicherheit des Wassers sicherzustellen. Im Fokus steht also die praktische Umsetzung der Aufbereitung über die Zwischenspeicherung, Verteilung und die kontrollierte Ausbringung auf öffentlichen Grünflächen der Stadt Schweinfurt.

Lysimeteranlage
Parallel zur Ausbringung des Wassers in der Stadt Schweinfurt läuft am Institut Stadtgrün und Landschaftsbau der LWG ein Versuch im "Living Lab". Über die Laufzeit des Projekts werden sechs Lysimeter, die einen identischen Aufbau haben, mit unterschiedlichen Wasserqualitäten bewässert. Ein Lysimeter ist ein Gerät zur Ermittlung von Kennziffern des Wasserhaushalts im Boden. Auf den Versuchsflächen werden vier verschiedene Wasserqualitäten verwendet:

1. Mainwasser, das direkt aus dem Main in unmittelbarer Nähe der Landesanstalt kommt
2. Trinkwasser
3. EU-Premium: Ebenfalls ein Produkt der Aufbereitungsanlage in Schweinfurt, das über die EU-Mindestanforderungen hinaus um eine Ultrafiltration sowie UV-Desinfektion erweitert wurde.
4. Nutzwasser der Kläranlage Schweinfurt

Alle Wasserqualitäten werden in Containern dunkel und kühl gelagert. Während der Vegetationsperiode werden die Flächen wöchentlich mit bis zu 30 Litern pro Quadratmeter bewässert, jeweils mit der ihnen zugeordneten Wasserqualität. Mit Saugkerzen wird Sickerwasser aus verschiedenen Tiefen aufgefangen, zusätzlich werden zu Beginn und Ende des Versuchs Bodenproben entnommen und ausgewertet. Somit kann in den Lysimetern nachverfolgt werden, wie sich Wasser und darin gelöste Stoffe im Boden bewegen. Im Versuch wurde der Bodenaufbau mit Aufbaustärken und verwendeten Materialien angelehnt an die Bedingungen des Sachs-Stadions Schweinfurt nachgebildet, da hier künftig eine Bewässerung mit Nutzwasser erfolgen soll. Untersucht wird, wie Rückstände und gelöste Stoffe aus unterschiedlichen Wasserqualitäten im Boden zurückgehalten werden. Dadurch sollen mögliche Umweltbelastungen und Risiken für Boden und Grundwasser realistisch dargestellt und bewertet werden.

Fazit
Mit Blick auf die künftig weiter zunehmenden Trockenphasen bietet Nutzwasser eine Alternative zu Trink- und Grundwasser, vor allem in urbanen Bereichen. Durch die aktuelle Erweiterung des Schweinfurter Klärwerks beziehungsweise anderer Kläranlagen um eine vierte Reinigungsstufe hat das künftig aufbereitete Klarwasser nahezu „Nutzwasserqualität“.

Zwei Menschen sind auf einer Wiese mit einer Lysimeteranlage, also großen Röhren im Boden

Nikolai Kendzia
© LWG Veitshöchheim

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Eine Lysimeteranlage auf dem LWG-Gelände, also Messanlagen im Boden

Patrick Bruns
© LWG Veitshöchheim

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