Gartencast
Winterschnitt bei Obstgehölzen
1. Januar 2026

Der regelmäßige Schnitt von Obstgehölzen ist eine zentrale Pflegemaßnahme für gesunde und ertragreiche Bäume. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie geben Tipps.

Winterschnitt bei Obstgehölzen

Hallo und ein frohes neues Jahr! Und damit herzlich willkommen zum ersten Gartencast 2026! Ich bin Jeannine Steinkuhl und neben mir ist jetzt Benjamin Roos von der Bayerischen Gartenakademie. Wir beginnen das neue Jahr thematisch gesehen mit dem Winterschnitt bei Obstgehölzen. Herr Roos, warum ist der Winterschnitt wichtig?

Der regelmäßige Schnitt von Obstgehölzen ist eine zentrale Pflegemaßnahme für gesunde und ertragreiche Bäume. Ziel des Schnittes ist es, die Fruchtqualität zu verbessern und günstige Bedingungen für Licht und Luft in der Krone zu schaffen. Durch die bessere Belichtung reifen die Früchte gleichmäßiger aus, und eine gute Durchlüftung reduziert das Risiko von Pilzbefall.
Außerdem trägt der Schnitt zur Vitalität des Baumes bei, da er die Bildung junger Triebe anregt und das Gleichgewicht zwischen Wurzel und Krone erhält. So kann der Baum über viele Jahre hinweg kräftig wachsen und stabile Erträge bringen.

Das sollte also regelmäßig und von Anfang an passieren?

Ja, denn je nach Lebensphase des Baumes erfüllt der Schnitt unterschiedliche Aufgaben. In der Erziehungsphase geht es vor allem darum, eine stabile Krone aufzubauen. Eine gute Baumstatik ist die Grundlage für die spätere Tragfähigkeit und erleichtert die Ernte. In der Ertrags- und Altersphase dient der Schnitt dem Erhalt der Stabilität und fördert die kontinuierliche Neubildung von Fruchtholz. Junges Holz bringt qualitativ bessere Früchte und sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Trieb- und Fruchtbildung. Zudem schafft ein gut durchlüfteter und lichtdurchlässiger Kronenaufbau günstige Belichtungsverhältnisse, die für gleichmäßig ausgereifte und besonders hochwertige Früchte sorgen.

Wann ist denn der optimale Zeitpunkt für diese Arbeit?

Der beste Zeitpunkt für den Schnitt liegt grundsätzlich in der Vegetationsruhe, also im Winter. Dann ist der Energiehaushalt des Baumes weniger belastet, und die Schnittmaßnahmen fördern kräftiges Wachstum im Frühjahr. Besonders bei Jungbäumen sorgt der Winterschnitt für einen kräftigen Kronenaufbau. Bei älteren oder schwächeren Bäumen helfen Schnitte während der Ruhezeit, die Vitalität zu schonen. Bei sehr stark wachsenden Bäumen kann auch ein Sommerschnitt sinnvoll sein – er zügelt das Wachstum und hält die Krone kompakt. Dabei ist aber darauf zu achten, dass genügend Beschattung bestehen bleibt, um Sonnenbrand an der Rinde zu vermeiden.

Wie viel muss dann ab, so generell betrachtet?

Der Schnitt sollte grundsätzlich jährlich erfolgen, auch bei größeren Bäumen. Regelmäßige, maßvolle Eingriffe halten das Wachstum im Gleichgewicht und verhindern starke Rückschnitte, die zu übermäßigem Neuaustrieb führen. Wird zu stark geschnitten, reagiert der Baum mit ebenso starkem Wachstum und bildet viele lange Neutriebe – das bedeutet im Folgejahr wieder mehr Arbeit beim Korrigieren. Ein behutsamer, gezielter Schnitt regt den Wuchs dagegen nur moderat an und sorgt für eine ausgeglichene Entwicklung. Durch den regelmäßigen, jährlichen Schnitt entstehen zudem nur kleine Wunden, die rasch und sauber überwallen. So lässt sich das Risiko von Fäulnis und Krankheiten deutlich verringern. Größere Schnittstellen – etwa mit einem Durchmesser über dem des Unterarms – sollten möglichst vermieden werden, um die Baumgesundheit langfristig zu erhalten. Besonders in der Jugendphase des Baumes ist der richtige Schnitt entscheidend – hier werden die Grundlagen für Form, Stabilität und langfristige Fruchtbarkeit gelegt. Fehler in dieser Phase lassen sich später kaum noch ausgleichen – ganz nach dem Sprichwort: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“

Wo fange ich am besten an und worauf sollte ich dabei achten?

Am stärksten treiben jene Knospen aus, die am höchsten oder steilsten stehen. Um eine ausgeglichene Krone und mehr Fruchtholz zu fördern, werden Triebe daher oft flach gestellt – so bilden sich viele kurze, fruchtbare Spieße. Das Flachstellen kann auf verschiedene Weise erfolgen, zum Beispiel durch Anbringen kleiner Gewichte, durch behutsames Herunterbinden der Triebe, mit Holzstäben, die die Äste von der Kronenmitte leicht abspreizen, oder ganz einfach mit Wäscheklammern, die junge Triebe in die gewünschte Position bringen. Ein umsichtig durchgeführter Winterschnitt ist somit die Grundlage für gesunde Bäume, reiche Ernten und eine stabile, langlebige Struktur im Obstgarten.

Kann man einfach loslegen oder sollte man evtl. einen Kurs vorab besuchen?

Einfach draufloszuschneiden ist nicht empfehlenswert. Ein fachgerechter Schnitt erfordert Wissen über Wuchsverhalten, Baumaufbau und die richtige Schnitttechnik. Deshalb ist es sinnvoll, sich das notwendige Können anzueignen – etwa durch einen Schnittkurs oder eine Schulung in Obst- und Gartenbauvereinen oder bei den Kreisfachberatern der Landratsämter. Zusätzlich bieten spezialisierte Plattformen wie „Baumwart in Bayern“ eine gute Möglichkeit, Ausbildungen, Schnittkurse und qualifizierte Obstbaumwarte in der Region zu finden.

Baumwart in Bayern Externer Link

Dankeschön, Hr. Roos! Und auch bei Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, möchten wir uns natürlich bedanken! Seien Sie auch gern beim nächsten Gartencast wieder mit dabei – wir freuen uns auf Sie!

Infoschrift - Winterschnitt bei Apfelbäumen