Gartencast
Exoten und Kuriositäten im Schaugarten
1. Juni 2026
Exoten und Kuriositäten! So lautet das diesjährige Motto des Schaugartens der Bayerischen Gartenakademie. Neben Tomatenpaprika, bunten Chilisorten, mexikanischer Minigurke und weißer Zucchini ziehen in diesem Jahr auch die Litschi-Tomate sowie eine lilafarbene Spaghettibohne ein
Exoten und Kuriositäten im Schaugarten
Exoten und Kuriositäten! Denn so lautet das diesjährige Motto unseres Schaugartens. Neben Tomatenpaprika, bunten Chilisorten, mexikanischer Minigurke und weißer Zucchini ziehen in diesem Jahr auch die Litschi-Tomate sowie eine lilafarbene Spaghettibohne in den Schaugarten ein.
Nicht Pasta, sondern Powerpflanze: Die `Red Noodle´ ist eine außergewöhnliche Sorte der Spaghettibohne und gehört zur Art Vigna unguiculata, die auch als Spargelbohne bekannt ist. Ihre beeindruckenden rotvioletten Hülsen werden bis zu 50 cm lang!
Ursprünglich stammt sie aus Afrika und hat sich als robuste, vielseitige Kulturpflanze in vielen tropischen und subtropischen Regionen etabliert. Kein Wunder: Die Kletterpflanze ist robust und kommt auch mit trockeneren Bedingungen und kargen Böden erstaunlich gut zurecht. Ihr tiefreichendes Wurzelsystem macht sie zur Überlebenskünstlerin im Gemüsebeet. Außerdem trägt sie durch ihre Fähigkeit zur Stickstoffbindung zur natürlichen Bodenverbesserung bei.
Die Pflanze kann Wuchshöhen bis zu 3 Metern erreichen und benötigt daher unbedingt eine stabile Rankhilfe – ideal sind Spaliere, Zäune oder Rankgerüste. Sie wächst schnell und kräftig und eignet sich hervorragend für sonnige bis halbschattige, möglichst geschützte Standorte.
Charakteristisch für die Sorte `Red Noodle´ sind ihre langen, schlanken, rot-violetten Hülsen, die eine Länge von bis zu 50 cm erreichen können. Spaghettibohnen sind fadenlos und werden im jungen Stadium geerntet, solange sie noch zart und ohne ausgereifte Samen sind. In diesem Zustand überzeugen sie durch ihre besonders feine, angenehme Konsistenz und ihren milden Geschmack.
Botanisch ist die `Red Noodle´ ebenfalls spannend: Während unsere klassischen Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris) ursprünglich aus der Neuen Welt stammen, gehören die Vigna-Arten zur altweltlichen Bohnenfamilie. Zu Vigna unguiculata zählen neben der Spargelbohne auch die Augenbohne und die Catjang-Bohne. Übrigens: Mit der Sorte `Costo Longo´ gibt es die Spaghettibohne auch in klassischem Grün.
Ja, die Litschi-Tomate mit dem botanischen Namen Solanum sisymbriifolium ist wirklich ein Exot. Wie die Tomate ist sie auch ein Nachtschattengewächs. Zwar ist die Pflanze mehrjährig, in unseren Breiten aber nicht winterhart. Ursprünglich stammt sie aus Mittel- und Südamerika, wo sie vielerorts wild wächst.
Die Pflanze erreicht eine Höhe von etwa 1,5 bis 2 Meter, wächst buschig und wirkt beinahe etwas wild. Besonders auffällig sind aber ihre zahlreichen Stacheln. Die befinden sich an den Fruchthüllen, den Stängeln sowie an den Blattunterseiten. Selbst die Samen haben meine Kollegin bereits bei der Aussaat mit ihren kleinen, scharfen Spitzen überrascht. Daher ist bei Pflege und Ernte etwas Vorsicht geboten. Gleichzeitig bieten die Stacheln der Pflanze einen natürlichen Schutz vor Schnecken und anderen Fraßfeinden.
Lulita, so wird die Litschi-Tomate noch genannt, wächst sowohl im Kübel als auch im Freiland. Sie bevorzugt aber einen warmen, sonnigen und windgeschützten Standort. Wie Tomaten sollte auch die Litschi-Tomate erst nach den letzten Frösten im Mai ausgepflanzt werden.
Die Litschi-Tomate hat die typische Blütenform der Nachtschattengewächse, wie man sie auch von der Kartoffel kennt. Die Blüten sind weiß bis blassviolett oder hellblau. Die Früchte reifen in einer sehr stacheligen Fruchthülle heran und hängen wie bei der Tomate in Rispen an der Pflanze. Sie sind in etwa so groß wie Kirsch- oder Cocktailtomaten. Mit zunehmender Reife öffnet sich die Hülle und trocknet ein, sodass die leuchtend roten Früchte zum Vorschein kommen. Geerntet werden kann sie meist ab Ende August. Bei günstiger Witterung ist sogar eine Ernte bis in den Oktober hinein möglich. Wird es draußen bereits zu kalt, können die Früchte – ähnlich wie Tomaten – im Haus nachreifen. Fallen die reifen Früchte auf die Erde und werden nicht aufgelesen, können die Samen durchaus im Boden überdauern und im nächsten Jahr keimen.
Wichtig ist, dass ausschließlich rote und vollreife Früchte verzehrt werden sollten. Grüne Pflanzenteile enthalten, wie bei anderen Nachtschattengewächsen auch, Alkaloide, die giftig sein können. Die Früchte können roh direkt von der Pflanze genascht werden. Ähnlich wie bei der Physalis enthalten sie viele kleine Samen, die problemlos mitgegessen werden können. Die kleinen, runden Früchte gelten als besonders aromatisch. Da Geschmäcker bekanntlich unterschiedlich sind, gibt es verschiedene Beschreibungen ihres Aromas. Häufig wird der Geschmack als süß-säuerlich beschrieben und vor allem mit Kirschen verglichen. Daneben werden auch Aromen von Melone, Tomate, Physalis und Litschi genannt. Vor allem finden sich zahlreiche Konfitüren-Rezepte, in denen der Geschmack häufig als Mischung aus Johannisbeere, Kirsche und Hagebutte beschrieben wird.
Neben Marmeladen eignet sich die Litschi-Tomate auch hervorragend für Chutneys oder süßes Gebäck.

