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Fachartikel
Mehr als ein Lesesteinhaufen - Trockenmauern fachgerecht bauen

Trockenmauer Titelseite

Der Bau von Trockenmauern ist eine traditionelle Technik, die seit einiger Zeit mit der vermehrten Verwendung von Natursteinen bei der Gartengestaltung wieder an Bedeutung gewonnen hat. Unsicherheit herrscht jedoch oft über die fachgerechte Bauweise, zumal die für den Mauerbau gültige Fachnorm Trockenmauern nur als Bruchsteinmauerwerk kennt.

2010, 10 Seiten

Im Garten- und Landschaftsbau findet man aber trocken aufgesetzte Mauern aus nahezu jedem Steinformat. Um die Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit dieser Mauern zu gewährleisten, gibt es neben den in der Norm genannten Anforderungen eine Fülle von weiteren Regeln und Hinweisen, die zu beachten sind. Außerdem ist vor allem im Hausgartenbereich nicht nur die technisch korrekte Ausführung von Bedeutung, ein wesentlicher Aspekt ist das Erscheinungsbild der Mauer. Geprägt durch Gesteinsart, Gesteinsformat und Art des Mauerwerks muss es auf Haus und Gesamtgestaltung des Gartens abgestimmt sein.

Zeichnung mit Vermaßung der Anforderungen an Mauersteine.

Anforderungen an Mauersteine

Zeichnung des Verhältnisses von Bindern und Läufern beim Aufmauern.

Binder und Läufer

An Mauerecken finden große Steine Verwendung, die abwechselnd in die Mauerflügel eingebunden sind.

Mauerecken

Normative Festsetzungen

In DIN 1053 Teil 1 ist Trockenmauerwerk zwar ausschließlich als aus Bruchsteinen errichtetes Mauerwerk definiert, die dort für die anderen - vermörtelten - Mauerwerksarten festgeschriebenen Verbandsregeln können jedoch größtenteils auch für trocken aufgesetzte Mauern in den beschriebenen Verbänden herangezogen werden. Ohnehin gelten einige der in der Norm festgehaltenen Regeln unabhängig von der Art des Mauerwerks beziehungsweise Verbands. Dies betrifft nicht nur die Qualität des verwendeten Steinmaterials sondern auch einige Verbandsregeln.

Material

Die in der Mauer verbauten Steine müssen aus „gesundem“ Gestein stammen. Das bedeutet, dass das Material nicht verwittert sein darf und keine Risse, Klüfte oder sonstigen Hohlräume aufweist. Außerdem muss es ausreichend widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse, insbesondere Frost, sein. Anforderungen an die Druckfestigkeit nennt die Norm nur, wenn das Gestein für tragende Bauteile Verwendung finden soll. In diesem Fall beträgt die Druckfestigkeit mindestens 20 MN/m². Dies wird in der Regel von den gebräuchlichen Gesteinen erreicht (siehe Tab. 1). Unabhängig von der Steingröße sollte die Steinlänge nach Norm nicht mehr als das vier- bis fünffache der Steinhöhe betragen. Andererseits dürfen die Steine nicht kürzer als hoch sein.

Verband

Da die Norm Trockenmauern nur als Bruchsteinmauerwerk kennt, wird dort außerdem gefordert, dass die Steine so aneinandergefügt werden, dass in der gesamten Mauer möglichst enge Fugen entstehen und nur kleine Hohlräume verbleiben. Hohlräume zwischen den Steinen müssen durch kleine Steine ausgekeilt werden, damit Spannung zwischen den Mauersteinen entsteht. Falls notwendig bedürfen auch beim Bruchsteinmauerwerk die zu verwendenden Steine einer geringen Bearbeitung.
Trockenmauerwerk darf nur für Schwergewichtsmauern verwendet werden, d. h. die Standfestigkeit der Mauer bzw. die Aufnahme des Erddrucks einer eventuell anschließenden Böschung muss durch das große Eigengewicht der Mauer sichergestellt sein. Unabhängig davon muss der Verband über die gesamte Mauerlänge, Mauerhöhe und Mauertiefe „handwerksgerecht“ sein. Diese Forderung der Norm wird durch folgende Regeln erfüllt, von denen zumindest die erste allgemein bekannt ist und auch weitgehend befolgt wird, die anderen aber anscheinend vielen unbekannt sind oder vernachlässigbar erscheinen.
  • keine Kreuzfugen, weder an der Vorder- noch an der Rückseite der Mauer
  • keine Stoßfugen über mehr als zwei Steinschichten
  • die Überbindung der Stoßfugen bei Schichtenmauerwerk muss mindestens 10 cm, bei Quadermauerwerk mindestens 15 cm betragen
  • mindestens ein Binderstein auf zwei Läufersteine oder abwechselnd Schichten aus Binder- und Läufersteinen
  • die Tiefe der Bindersteine muss etwa das Eineinhalbfache der Steinhöhe, mindestens aber 30 cm betragen
  • Läufersteine müssen mindestens so tief wie hoch sein
  • an Mauerecken, -anfängen und –enden sind die größten Steine einzubauen, gegebenenfalls in Höhe von zwei Schichten.
Die Missachtung der Grundprinzipien beeinträchtigt Standfestigkeit und Erscheinungsbild.

Häufige Fehler

Fundament

Da es sich bei Trockenmauern durch die fehlende Vermörtelung um eine flexible Bauweise handelt, ist auch kein starres, bis in frostfreie Tiefe reichendes Fundament erforderlich. Wenn die Mauer auf gewachsenem Boden gegründet wird, ist eine Tragschichtdicke von etwa einem Drittel der Mauerhöhe, mindestens jedoch 30 cm, ausreichend. Ist die Gründung auf gewachsenem Boden unmöglich muss die Gründungssohle standfest verdichtet, das Fundament eventuell tiefer ausgebildet und / oder der Baugrund stabilisiert werden. Als Material für das Fundament kann Kiessand oder Schotter in den Körnungen 0/32, 0/45 oder 0/56 verwendet werden. Um genügend Auflagefläche für die unterste Steinreihe zu bieten, sollte die Fundamentbreite etwa 10 cm über die geplante Mauerdicke hinausgehen.

Mauer

Die Dicke der Mauer am Mauerfuß muss etwa ein Drittel der Mauerhöhe betragen. Diese Faustformel entstammt Erfahrungswerten und stimmt in etwa im Großen und Ganzen mit Empfehlungen aus anderen europäischen Ländern mit langer Tradition im Bau von Trockenmauern überein. Dort geht man ebenfalls von Mauerdicken am Mauerfuß von etwa einem Drittel bis zur Hälfte der Mauerhöhe aus. Durch diese Regel wird die Mauerhöhe sinnvollerweise auf 1,20-1,50 m begrenzt. Dies bedeutet eine Mauerdicke von 40 – 50 cm. Höhere Mauern werden, mit Ausnahme von Blocksätzen, kaum noch trocken aufgesetzt, da sie wegen der erforderlichen Mauerdicken unwirtschaftlich sind. Außerdem ist für höhere Mauern in der Regel ein Standsicherheitsnachweis erforderlich.

Werden unterschiedliche Steinformate verwendet, befinden sich die größten Steine am Mauerfuß, an den Mauerecken und – enden. Große Ecksteine können beim Wechselmauerwerk über zwei Schichten reichen, sie müssen abwechselnd in die beiden Mauerfluchten eingebunden sein. Wenn der erforderliche Anlauf durch Schrägstellen der Steine erzielt wird, ist bei der Eckausbildung eine Bearbeitung der Steine erforderlich, damit einerseits auch beim abknickenden Mauerflügel die Lagerfugen waagrecht verlaufen andererseits der Anlauf um die Ecke weitergeführt werden kann. Um den Bearbeitungsaufwand zu vermeiden, wird oft der Anlauf durch Zurücksetzen der jeweils nächsthöheren Steinreihe um 2–3 cm erzielt.

Mauerkrone

Die Mauerkrone soll die Mauer vor mechanischer Beschädigung schützen und Zerstörungen durch eindringendes Wasser verhindern. Dies bedeutet, die Maueroberseite muss stabil sein und möglichst wenig Fugen aufweisen. Bei Trockenmauern wird sie deshalb oft als „starke letzte Schicht“ ausgebildet. Die Mauerkrone ist dabei optisch und konstruktiv Bestandteil der Mauer; diese besitzt keine gesonderte Abdeckung aus Platten.

Die oberste Schicht besteht in der Regel aus dickeren Mauersteinen, welche die gesamte Mauertiefe abdecken müssen und so lang sein können, dass eventuell sogar mehrere Stoßfugen überbunden werden. Durch ihr Gewicht verleihen sie der Maueroberseite Halt und Stabilität. Einen Sonderfall bilden freistehende Mauern zur Einfriedung oder Schutz von Grundstücken. Hier wird als oberer Mauerabschluss oftmals plattiges Steinmaterial als Rollschicht senkrecht gestellt, um eine möglichst unebene, gezackte Maueroberkante zu erhalten und damit ein Übersteigen zu erschweren. Der oben erwähnte Schutz für die Mauerkonstruktion wird hier meist von der letzten Steinschicht unterhalb der Platten übernommen. Außerdem werden die senkrechten Platten so dicht gestellt, dass sie ineinander verkeilt einen nahezu homogenen Körper ergeben.

Hinterfüllung

Um zu verhindern, dass sich Wasser aus dem angrenzenden Gelände hinter einer trocken errichteten Stützmauer anstaut, Druck auf die Mauer ausübt oder durch die unvermörtelten Fugen an der Mauervorderseite austritt und die Stabilität der Mauer gefährdet, muss die Hinterfüllung der Mauer mit durchlässigem Material erfolgen. Geeignet sind Kies, Schotter, Steinreste aus der Bearbeitung der Mauersteine, unter Umständen auch der anstehende Boden, falls dieser eine ausreichende Durchlässigkeit aufweist. Dabei sind die Filterregeln zu beachten, eventuell ist die Verwendung eines Filtervlieses erforderlich. Außerdem muss gewährleistet sein, dass im Bereich des Mauerfußes und Fundaments keine Staunässe entsteht und dort auftretendes Wasser schnell abgeleitet wird. Gegebenenfalls ist hier ein Dränrohr einzubauen.
Hinterfüllung mit bindigen Böden kann die Standfestigkeit gefährden.

Hinterfüllung

Eine gewagte Kombination aus Natursteinblöcken, Sichtbeton, verputztem Mauerwerk und Betonfertigteilen - alles andere als harmonisch.

Gewagte Kombination