Forschungsprojekt Bee Warned: Aethina tumida & Vespa velutina
Frühwarnsystem für exotische Bienenschädlinge in Bayern, den Kleinen Beutenkäfer (Aethina tumida) und die Asiatische Hornisse (Vespa velutina)

Beutenkäfer Larve
Seit 40 Jahren ist unsere Honigbiene (Apis mellifera) durch die Varroamilbe (Varroa destructor) erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Nun wird seit einigen Jahren die Ausbreitung des Kleinen Beutenkäfers (Aethina tumida) und der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) in Europa beobachtet. Diese Bienenparasiten können ebenfalls enorme Schäden bei Honigbienen verursachen. Zum 01. Mai 2017 startete deshalb ein Forschungsprojekt, um ein bayernweites Frühwarnsystem für beide Schädlinge zu etablieren.
Darüber hinaus werden im Rahmen dieses Forschungsprojektes Verhaltensrichtlinien für den Fall des Auftretens der genannten Schädlinge erarbeitet und entsprechende Schulungen der bayerischen Bienenfachwarte, Bienensachverständigen und Veterinäre vorgenommen.

Hintergrund

Kleiner Beutenkäfer (Aethina tumida)

Der Kleine Beutenkäfer stammt ursprünglich aus dem südlichen Afrika. Durch Verbringungen von Bienen hat er sich mittlerweile über weite Teile der Welt ausgebreitet. Heute kommt er auf dem amerikanischen Kontinent, Australien und Nord-Afrika vor. In Europa ist er im September 2014 in Süditalien (Provinzen Syrakus und Kalabrien) gefunden worden. Im Juli 2016 hat sich sein Verbreitungsgebiet in die Provinz Cosenza, also 100 km nördlich der bisherigen Sperrzone ausgeweitet. Die Verbreitung dieses Schädlings erfolgt somit sehr rasch und ist schwer erkennbar. Seit dem Auftreten des Kleinen Beutenkäfers in Europa besteht eine erhöhte Gefahr, dass er durch Bienentransporte auch in andere europäische Länder eingeschleppt wird.
Bei günstigen Bedingungen vermehrt sich der Kleine Beutenkäfer sehr schnell. Es genügen einige wenige Käfer, um einem Bienenvolk auf verschiedenen Ebenen großen Schaden zuzufügen. Sowohl der ausgewachsene Käfer, als auch seine Larven ernähren sich von Honig und Pollen aber bevorzugt von Bienenbrut. Er schwächt das Volk und macht eine hygienische Honigernte praktisch unmöglich. Haben die Käfer einen Bienenstock befallen, so ist es meist nicht mehr möglich, sie zu beseitigen.

Asiatische Hornisse (Vespa velutina)

Die ursprünglich aus Südostasien stammende Vespa velutina wurde erstmals 2004 in der Nähe von Bordeaux nachgewiesen. Während in den ursprünglichen asiatischen Verbreitungsgebieten sieben Unterarten mit sechs Varietäten vorkommen, tritt in Frankreich ausschließlich die Vespa velutina var. nigrithorax auf.
2014 wurde diese Art zum ersten Mal in Deutschland entdeckt. Ein mittlerweile bestätigtes Nest in Rheinland-Pfalz und eine Sichtung einer Hornissenarbeiterin in Baden-Württemberg (ca. 100 km entfernt) lassen den Schluss zu, dass sich diese Tierart bereits seit einiger Zeit in Deutschland befindet.
Bevorzugte Neststandorte sind Stadtrandbereiche, Gehölzränder oder ländliche Siedlungsbereiche vor allem in Flusstälern.
Für die Ernährung der Brut kann Vespa velutina grundsätzlich als Allesfresser eingeordnet werden, wobei Honigbienen bis zu 85% der Beute ausmachen. Hierdurch sind Bienenvölker in ihrem Überleben bedroht.

Ziel des Projektes

Aufbau eines bayernweiten Monitoringsystems zur frühzeitigen Feststellung eines Erstbefalls der beiden exotischen Parasiten in Bayern, sowie die Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs bei Verdachtsfällen und bestätigtem Befall.

Methoden des Projektes

Monitoring

Zum Aufbau eines flächendeckenden Monitorings werden sogenannte Sentinel-Imkereien etabliert. Durch regelmäßige Kontrollen in die Bienenvölker eingelegter Fallen und durch gezielte Beobachtungen am Bienenstand sollen die Sentinel-Imkereien das Auftreten dieser exotischen Bienenschädlinge in einem frühen Stadium erkennen. Diese Daten werden von den Sentinel-Imkereien regelmäßig im Internet aktualisiert. Bei Auftreten eines der beiden exotischen Schädlinge greift ein mit den Veterinärbehörden abgestimmter Massnahmenkatalog.

Schulungen für BSV und Imker

Das bereits bestehende bayernweit flächendeckende System von ehrenamtlichen Imkern, die als Bienensachverständige (BSV) speziell im Erkennen und Umgang mit Bienenkrankheiten und Parasiten geschult sind, werden gezielt auf die Erkennung, Probennahme und die Ergreifung der notwendigen Maßnahmen zur Meldung von Vorkommen von Aethina tumida oder Vespa velutina vorbereitet.
Neue Parasiten bedeuten für die Imker auch neue Vorgehensweisen, um entsprechende Gegenmaßnahmen zielgerichtet durchführen zu können. Dazu werden Informations- und Schulungsmaterialien erstellt und Imker für die Beobachtung an den eigenen Bienenständen zur Ergänzung des Monitorings geschult.

Schulungen für Veterinäre

Der kleine Beutenkäfer ist innerhalb der EU meldepflichtig. Das bedeutet, bei Verdachtsfällen oder auch bei bestätigtem Befall mit diesem Käfer ist der Imker verpflichtet die für ihn zuständige Veterinärbehörde darüber zu informieren. Der dort ansässige Amtsveterinär entscheidet dann über die notwendigen Schritte.
Um auch die Veterinäre zu unterstützen werden entsprechende Informationsmaterialien und Verhaltensrichtlinien erstellt und dementsprechend geschult.
Die frühzeitige Erarbeitung der Verhaltensrichtlinien bei Verdachtsfällen und bestätigtem Befall – in Zusammenarbeit mit den relevanten Behörden und unter Beachtung der gesetzlichen Rahmenbedingungen – (und die Kommunikation der Richtlinien) soll den bayerischen Imkern die Sicherheit geben, was im Falle der Einschleppung der beiden exotischen Bienenparasiten passieren wird.

Projektinformation

Projektleitung: Dr. Stefan Berg
Projektbearbeiter: Dr. Nicole Höcherl
Laufzeit: 01.05.2019 – 31.12.2019
Finanzierung: Projekt des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF)
Förderkennzeichen, Fördernummer: A/17/19