Nachbericht zur Veranstaltung am 07.07.2026
Öko-Gemüsebautag 2026
Am 7. Juli 2026 lud der Gemüsebauversuchsbetrieb der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) interessierte Gärtnerinnen, Gärtner, Beraterinnen, Berater und anderes Fachpublikum erneut zum Öko-Gemüsebautag auf das Versuchsgelände in Bamberg ein. Rund 90 Teilnehmende aus Beratung und Praxis folgten der Einladung, um sich über die aktuell laufenden Versuche und die neuesten Projekte und Forschungsergebnisse zu informieren.
Begrüßung im Mustergarten
Den offiziellen Auftakt der Veranstaltung gestalteten Dr. Jörg Hirsche (Leiter LWG), Maria Lena Hohenester (Geschäftsführung LVÖ Bayern) und Andreas Schmitt (Arbeitsbereichsleiter Umweltgerechte Erzeugung, LWG), die die Teilnehmenden im Mustergarten des Versuchsbetriebs willkommen hießen. In ihren Ansprachen machten sie deutlich, dass der ökologische Landbau eine entscheidende Rolle für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Landwirtschaft spielt. Dabei verwiesen sie auf die große Bedeutung der langjährigen Versuchsarbeit im ökologischen Gemüsebau, deren Ergebnisse wichtige Impulse für die landwirtschaftliche Praxis liefern. Gleichzeitig betonten sie, wie wichtig der enge Austausch zwischen Forschung, Beratung und Praxis ist, um neue Erkenntnisse effektiv weiterzugeben und gemeinsam innovative Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln. Im Anschluss stellte Anja Scheurich (Beratung für Naturland) das Projekt „BIOGREENET“ vor. Das europaweite Netzwerk bündelt und teilt Wissen sowie innovative Lösungen für den ökologischen Gewächshausanbau. Ziel ist es, den Austausch zwischen Praxis, Beratung und Forschung zu fördern und nachhaltige Anbaumethoden voranzubringen.
Auch in diesem Jahr war für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Ein Foodtruck versorgte die Teilnehmenden während der Mittagspause mit frisch zubereiteten vegetarischen Speisen und bot damit eine passende kulinarische Ergänzung zu einer Veranstaltung, die ganz im Zeichen des Gemüsebaus stand.
Speed-Dating im Rotationsprinzip
Die Besucher wurden in Gruppen zu etwa 25 Personen aufgeteilt: An fünf Stationen wurde ihnen in Form eines Speed-Datings die verschiedenen Versuche vor Ort erläutert.
Station 1: konventionell-integrierte Versuche
Martin Schulz und Bernhard Weber gaben den Teilnehmenden Einblicke in eine ressourcenschonende und rückstandsfreie Fruchtgemüseproduktion. Zu Beginn wurde der Biofilter vorgestellt, mit dessen Hilfe das bei der Reinigung der Pflanzenschutzspritze anfallende, mit Pflanzenschutzmitteln belastete Wasser aufbereitet wird. Dieses Wasser gilt rechtlich als Pflanzenschutzmittel und muss daher sowohl im ökologischen als auch im konventionellen Betriebsteil entsprechend behandelt und entsorgt werden. Der in Eigenbau entwickelte Biofilter stellt hierfür einen praxisnahen Lösungsansatz dar.
Anschließend wurde ein Tomaten-Sortenversuch mit Rispentomaten (100 bis 150 g Fruchtgewicht) vorgestellt. Das Tomato brown rugose fruit virus (ToBRFV), auch als Jordanvirus bekannt, ist ein hochansteckender Erreger im Tomatenanbau und zählt zu den meldepflichtigen Quarantäneschadorganismen. Inzwischen bringen verschiedene Züchtungsunternehmen Tomatensorten auf den Markt, die eine Resistenz gegenüber ToBRFV aufweisen. Im vorgestellten Versuch werden sechs resistente Tomatensorten mit der ehemaligen Standardsorte 'Mecano' verglichen. Erfasst und ausgewertet werden der Ertrag, Fruchtmängel sowie sensorische Eigenschaften. Die sensorische Bewertung erfolgt mit Hilfe von Konsumenten- und wissenschaftliche Verkostungen.
Im zweiten Produktionshaus wurde im zweiten Satzanbau ein Sortenversuch mit Minigurken angelegt. Der erste Satz wurde am 29.04. ausgesät. Die Ernte begann am 15.05. und erfolgt an drei Tagen pro Woche. Der Versuch ermöglicht Aussagen zum Ertrag sowie zur frühen bzw. späten Ertragsbildung in Abhängigkeit von der Sorte. Abschließend wurde der fortgeführte Versuch zum Anbau von Ingwer im hydroponischen System vorgestellt. Der Versuch wird diesmal in einem ungeheizten Folienhaus durchgeführt. Untersucht wird erneut die Zweitnutzung von Holzfaser- und Kokossubstraten als Kultursubstrate.
Station 2: Vertical Indoor Farm und Heidelbeeranbau
Weiter führte die Besichtigung zur Vertical Indoor Farm. Sie wurde im März dieses Jahres als umgebauter Schiffscontainer der italienischen Firma Greatit nach Bamberg geliefert und in Betrieb genommen. Zu sehen war ein Basilikum-Sortenversuch mit fünf verschiedenen Sorten. Dabei werden neben Ertrag und Wuchsform auch Wasser- und Energieverbrauch sowie der Arbeitsaufwand erfasst. Zusätzlich wird die Leistungsfähigkeit des Containers unter Vollauslastung mit 160 Trays und insgesamt 12.320 Pflanzen überprüft. Im Fokus stehen dabei die Gleichmäßigkeit der Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsverteilung sowie die Eignung der Sorten für den vertikalen Anbau.
Als zweiten Programmpunkt dieser Station stellte Nicolas Müller den Heidelbeeranbauversuch für ursprünglich als ungeeignet geltende Standorte vor. Der Versuch befindet sich im vierten Standjahr und wird in einer Grabendammkultur durchgeführt. Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit Heidelbeeren durch gezielte Kulturmaßnahmen auch auf weniger geeigneten Standorten in Bioqualität angebaut werden können. Zur Bodenvorbereitung wurden Gräben mit saurem Biosubstrat verfüllt, während aus dem Aushub Dämme geformt wurden. Dabei bleibt der Kontakt der Pflanzen zum gewachsenen Boden erhalten – ein entscheidender Aspekt für den ökologischen Anbau. Verglichen werden zwei Anbausysteme: Überdachung und Freiland. Zusätzlich wurde bei der Hälfte der Varianten Moorbeet-Mykorrhiza ins Pflanzloch eingebracht, um mögliche positive Effekte auf das Pflanzenwachstum zu beobachten.
Station 3: Öko-Versuche unter Glas und Folie
Als erstes startete Wolfgang Hollmach mit dem Auberginensortenversuch im Folientunnel. In diesem Versuch werden vier Auberginensorten auf ihre Eignung für den Anbau im Folientunnel geprüft. Die auf die Tomatenunterlage Kaiser F1 veredelten Pflanzen werden zweitriebig an Schnüren kultiviert. Ziel ist es, Erkenntnisse über Wuchs, Ertrag und Anbaueignung der verschiedenen Sorten unter den Bedingungen des geschützten Anbaus zu gewinnen.
Anschließend erläuterte Josef Eichhorn den Spitzpaprikasortenversuch im ungeheizten Folientunnel, bei dem vier rote Spitzpaprikasorten miteinander verglichen werden. Neben etablierten Sorten werden auch Sorten aus dem intensiven Hochglasanbau auf ihre Eignung für den Anbau im ungeheizten Folientunnel untersucht. Im Fokus stehen dabei Ertrag, Fruchtqualität und die Anbaueigenschaften der einzelnen Sorten. Als nächstes stellte Thomas Mück einen Versuch mit Jordanvirus-resistenten Cocktailtomaten vor. Das Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV), auch Jordanvirus genannt, stellt den Tomatenanbau zunehmend vor große Herausforderungen und kann erhebliche Ertragseinbußen verursachen (siehe auch Station 1). Um geeignete Alternativen für den Anbau zu finden, werden acht neue resistente Cocktailtomatensorten im kaltgeführten Gewächshaus miteinander verglichen. Neben Wuchs und Ertrag spielt auch der Geschmack eine wichtige Rolle. Mehrere Verkostungen sollen zeigen, wie sich die neuen Sorten im Vergleich zu herkömmlichen Aromasorten bewähren.
Zum Abschluss stellte Herr Mück noch zwei Freilandversuche vor. Im Buschtomatenversuch werden drei für den Freilandanbau geeignete Verarbeitungssorten getestet. Im Mittelpunkt steht dabei der Vergleich zweier Ernteverfahren: a) wöchentliche Ernte ab Reifebeginn und b) Einmalernte zum Reifehöhepunkt. Ziel des Versuchs ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welches Verfahren unter Praxisbedingungen die besseren Ergebnisse hinsichtlich Ertrag und Fruchtqualität liefert. Im anschließenden Stabtomatenversuch stehen neue Züchtungen im Mittelpunkt, die einen Freilandanbau ohne Regenschutz ermöglichen sollen. Diese werden mit bewährten robusten Sorten verglichen, um ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Kraut- und Braunfäule sowie ihre Anbaueignung zu bewerten. Erfasst werden unter anderem die Laub- und Fruchtgesundheit, der Ertrag sowie der Geschmack der verschiedenen Sorten.
Station 4: Öko-Versuche im Freiland Teil I
Zu Beginn dieser Station stellte Christine Lenhardt den Buschbohnenversuch vor. Hierbei werden zwei Erntesysteme miteinander verglichen: a: eine Sorte zur Mehrfachernte mit mehreren Pflückgängen und b: eine Sorte zur Einmalernte mit einer Ernte. Während des gesamten Kulturverlaufes werden sämtliche Arbeitszeiten beider Systeme erfasst und anschließend arbeitswirtschaftlich ausgewertet. Die neuesten Erkenntnisse des Langzeitversuchs zur Minimalbodenbearbeitung mit dem Geohobel wurden von Andrea Spirkaneder vorgestellt. Erprobt wird dabei, inwiefern eine schonende und flache Bearbeitung des Bodens im Gemüsebau umsetzbar ist und welche Unterschiede sich für Kultur und Boden im Vergleich zu einer herkömmlichen und intensiveren Bearbeitung ergeben. Bisher konnten überwiegend positive Erfahrungen mit dem Publikum geteilt werden. Auf reges Interesse stieß hier der noch wenig bekannte Geohobel, der von Stefan Banner vorgestellt wurde.
Anschließend präsentierte Leonie Seehafer die Ergebnisse des Langzeitdüngeversuchs, welcher seit dem Jahr 2018 auf dem Versuchsgelände in Bamberg durchgeführt wird. Verglichen werden die vier Bodenuntersuchungsmethoden nach VDLUFA, EUF, Unterfrauner und Albrecht-Kinsey hinsichtlich ihres Effektes auf den Ertrag. Abschließend stellte Ruben Pires Heise den Erdbeersortenversuch vor und präsentierte eine innovative Methode zur Bewässerungsoptimierung bei Erdbeeren mithilfe spezieller Untersaaten. Dabei sollen tiefwurzelnde Pflanzen wie Kümmel und Gewürzfenchel Wasser aus tieferen Erdschichten holen und es den Erdbeerpflanzen in den oberen Erdschichten zur Verfügung stellen.
Station 5: Öko-Versuche im Freiland Teil II
Zu Beginn der letzten Station stellte Lena Lips den Landessortenversuch Frühkartoffeln, der seit 2019 am Gemüsebauversuchsbetrieb Bamberg läuft, vor. Dabei werden elf frühe bis sehr frühe Kartoffelsorten zur Beurteilung von Resistenz, Anbaueigenschaft, Speisequalität und Ertrag unter typischen Anbaubedingungen des ökologischen Landbaus getestet. Im Melonenbestandesdichtenversuch wird die optimale Pflanzdichte von Wassermelonen ermittelt und weitere den Ertrag beeinflussende Maßnahmen erfasst. Dazu werden verschiedene Pflanzabstände von 0,7m² bis 1,25m² pro Pflanze getestet und veredelte mit unveredelten Pflanzen verglichen. Zusätzlich wird geprüft, ob gezielte Schnittmaßnahmen den Ertrag steigern können. Ein Langzeitversuch mit verschiedenen Bodenbearbeitungsverfahren wurde von Dr. Alexander Dümig vorgestellt. Der Versuch startete in diesem Jahr, daher konnten noch keine Ergebnisse gezeigt werden. Den Teilnehmenden wurden die Hintergründe des Versuchs und Zusammenhänge zwischen Bodenstruktur, Fruchtbarkeit von Böden und deren Beeinflussung durch die Art der Bodenbearbeitung erläutert. Letztere wirkt sich auf viele Bodeneigenschaften aus wie z. B. Wasserspeicher- und Infiltrationskapazität, Humuserhalt/-aufbau, Abundanz und Aktivität von Regenwürmern und Bodenorganismen, Erosionsanfälligkeit und schließlich Ertragssicherheit und Resilienz der Anbausysteme.
Im Versuch werden daher eine schonende bzw. reduzierte Bodenbearbeitung (Geohobel) mit üblichen Verfahren (Pflug, Grubber, Beetfräse) verglichen jeweils mit und ohne einer Tiefenlockerung (Parapflug). Zusätzlich werden zwei verschiedene Zwischenfruchtmischungen (ZF-A mit Wirkung Tiefenlockerung vs. ZF-B „normal“) nach der Gemüsekultur getestet. Muhammad Hafeez Ul Barkat stellte den aktuellen Bewässerungsversuch zur Unterflur-Tropfbewässerung im ökologischen Gemüsebau vor. Verschiedene Verlegetiefen der Tropfschläuche (10 bis 30 cm) werden im Vergleich zu einer oberflächennahen Tropfbewässerung und der Überkopfbewässerung getestet. Als Versuchskulturen dienen in diesem Jahr Knollensellerie sowie verschiedene Kürbisgewächse, darunter Wassermelone, Melone und Kürbis. Den Besuchenden wurden der Versuchsaufbau sowie die eingesetzte Bewässerungs- und Sensortechnik präsentiert. Zur kontinuierlichen Überwachung der Bodenfeuchte kommen kapazitive Bodenfeuchtesensoren und Tensiometer zum Einsatz. Darüber hinaus werden Drohnenaufnahmen (RGB, Multispektral und Thermografie) genutzt, um den Pflanzenbestand zu beurteilen und Trockenstress sichtbar zu machen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Wassernutzungseffizienz, die Auswirkungen der verschiedenen Bewässerungsverfahren auf Pflanzenentwicklung und Ertrag sowie die Möglichkeiten einer automatisierten Bewässerungssteuerung im ökologischen Gemüsebau.
Insgesamt war es ein sehr gelungener Tag für die Mitarbeitenden ebenso wie für die Teilnehmenden des Öko-Gemüsebautages. Wir freuen uns, Sie alle im nächsten Jahr am 6. Juli 2027 in Bamberg wiederzusehen.