Fachtagung Baumschule 2026
Starke Sortimente beim Baumschultag präsentiert

Großes Interesse an der Fachtagung Baumschule der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter von Baumschulen und Kommunen informierten sich beim Baumschultag im LWG-Versuchsbetrieb für Obstbau und Baumschule in Thüngersheim Ende Januar über aktuelle Themen zur Sortimentsentwicklung. Im Fokus standen vor allem Bäume unter den Bedingungen des Klimawandels und robuste Sorten bei Sträuchern und Obstgehölzen.
Zukunftsgehölze am Standort Veitshöchheim
Die Bonituren des Jahres 2025 sind abgeschlossen. Viele Baumarten konnten ihren Wert als Zukunftsgehölze bestätigen. Claudia Taeger, Leiterin des Arbeitsbereichs Pflanzenproduktion und Pflanzengesundheit am Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau der LWG erklärte, dass einige Arten nicht weiter begutachtet würden. Der Grund ist, dass ihr Wert als Zukunftsgehölz bereits bundesweit erwiesen sei. Dazu gehörten z. B. Arten der Platane, die den Folgen des Klimawandels trotze. Probleme und Einschränkungen bestehen hier eher im Befall mit Massaria, einer Krankheit, die Äste schwächt und so die Verkehrssicherheit beeinflusst. Ähnlich verhält es sich mit der Späth´schen Erle (Alnus x spaethii). Hier ist der begrenzende Faktor aktuell auch nicht der Klimawandel, sondern die besonders frühe Blüte, die für Allergiker problematisch werden könne. Insgesamt zeigt sich, dass auch die Sichtungen an der LWG die 2024 erschienen Empfehlungen der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) und dem Bund deutscher Bauschulen (BdB) untermauern. Dabei seien am Versuchsstandort auch alternative Sorten gepflanzt und sehr positiv bewertet worden.
Zukunftsbäume finden Sie auch in der gemeinsamen Veröffentlichung von Bund deutscher Baumschulen (BdB) und der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK).
Vielfalt ist der Schlüssel
Claudia Taeger mahnte, dass Empfehlungslisten zwar zur Orientierung beitrügen, aber das Sortiment zu sehr beschränkten. Baumschulen dürften getrost auf Sorten verweisen, die nach 10-jähriger Bonitur im Versuchswesen an der LWG gut abschneiden, aber es nicht in die einschlägigen Listen geschafft hätten. "Am Ende gibt es keinen unverwundbaren "Siegfrieds-Baum", erst die Vielfalt schafft Verlässlichkeit", so Taeger. Im Bereich Obstgehölze für den Endverkauf zeigten Roman Döppler und die Auszubildenden Konstantin Pintschovius und Nico Marques Gistel auf, wohin sich die Sortimente bewegen. Wildobst und Exoten wie Feigen und Kaki, aber vor allem direkt von Baum und Strauch verzehrbares Obst sind wichtige Impulse im Baumschulsortiment. Der neue Obstschaugarten, der von den Auszubildenden entwickelt wird, verbindet neue Sortimente mit den klassischen Elementen des Hausgartens wie Terrasse und Kübelpflanzung, Hochbeet und Pergola.
Sortimente weiter denken
Diana Ganzert gab einen Überblick über die Ergebnisse zum Thema Stammanstrich an der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) in Sachsen-Anhalt. Kein Stammanstrich ist immer noch die schlechteste Variante. Im Bereich Kommunen und Dienstleistungsgartenbau sind perfekt abgestimmte Produkte vorhanden. Bio-Anstriche können, so Ganzert, nur dann ähnlich positive Effekte auf die Temperatur am Stamm aufweisen, wenn sie regelmäßig (meist alle sechs Monate) erneuert würden. Im Hausgarten seien diese Produkte daher durchaus zu empfehlen, im öffentlichen Grün fehlen laut Einschätzung von Frau Diana Ganzert aber die personellen Ressourcen.
Dr. Andres Wrede, Landwirtschaftskammer (LWK) Schleswig-Holstein, ist Koordinator der Bundesgehölzsichtung im BdB. Jährlich werden an vielen Standorten in Deutschland über mindestens drei Jahre und länger Sortimente einzelner Gattungen wie Blauregen, Flieder, Kirschlorbeer, Bartblume oder Fingerstrauch gesichtet. Am Ende erhalten außerordentlich gut für den Hausgarten geeignete Sorten das Prädikat "Premiumgehölz". Wrede ermutigte die Baumschulen, die Ergebnisse der Sichtung schnell zu adaptieren und in der Beratung umzusetzen.
Allen Referentinnen und Referenten gemein war, dass Baumschulen genau dann einen Schritt voraus sind, wenn sie in enger Abstimmung mit den aktuellen Sichtungen und Versuchen der Forschungseinrichtungen sind und die Ergebnisse schnell im Sortiment umsetzen. Regionale Besonderheiten sind dabei immer ein Alleinstellungsmerkmal über die empfohlenen Sorten und Neuheiten hinaus.
Risiko Japankäfer
Dr. Dorothee Kaemmerer von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gab einen Überblick zur Bedrohung durch den Japankäfer im Freistaat. Aktuell gäbe es noch keine Befallsregionen in Bayern, die dann entsprechende Einschränkungen zur Folge hätten. Aber die Regionen um Lindau und Kiefersfelden gelten beide als risikoreich. Das Monitoring bleibt sowohl an der schweizerischen als auch an der österreichischen Grenze ein wichtiger Teil der präventiven Maßnahmen. Dr. Jörg Hirsche, Leiter der LWG, und Philip Schwab, Vorstand im BdB Bayern, betonten beide, dass die enge Vernetzung zwischen Praxis und Forschung wichtig sei.
Baumschulversuche brauchen Zeit und Fläche, denn Ergebnisse sind oft erst nach Jahren und Jahrzehnten zu erwarten. Diese Verlässlichkeit strahlt die LWG für die Betriebe in Bayern aus.

Für starke Sortimente unterwegs: Referentinnen und Referenten sowie Ehrengäste der Fachtagung Baumschule (v.l.n.r.): Roman Döppler, Konstantin Pintschovius, Alexander Zimmermann, Nico Marques Gistel (alle LWG), Philipp Schwab (BdB Bayern), Dr. Andreas Wrede (LWK Schleswig-Holstein), Claudia Taeger (LWG), Dr. Jörg Hirsche (LWG-Leiter), Diana Ganzert (LLG Sachsen-Anhalt).
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) ist das Grüne Kompetenzzentrum für die Gärtner, Imker und Winzer in Bayern. Mit einer praxisorientierten Forschung und zielgruppengerechten Beratung erarbeiten wir umsetzbare Lösungen für die Megathemen unserer Zeit. Unser Ziel: Das Leben im Einklang mit der Natur! Davon profitieren alle Bürgerinnen und Bürger in Bayern und auch über die Landesgrenzen hinaus. Die LWG ist eine eigenständige Behörde im Geschäftsbereich des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF), zu der auch die Staatliche Meister- und Technikerschule für Weinbau und Gartenbau gehört

