Versuchsergebnisse aus der Praxis
Auswirkungen unterschiedlicher LED-Lichtstrategien auf die Weiterkultur von Pelargonien-Saatgutsorten

In einem weiterführenden Exaktversuch sollten diese ersten Ergebnisse überprüft werden, inwieweit tatsächlich mit Hilfe einer hohen Day Light Integral (DLI) während der Vermehrungsphase die Kulturzeit von Saatgut-Pelargonien verkürzt werden kann und die Sorten nahezu in einem gleichen Zeitfenster wie vegetativ vermehrte Pelargonien-Sorten produziert werden können. Ziel dieses Versuchsabschnitts ist es, einen möglichen Einfluss der unterschiedlichen Lichtstrategien in der Anzucht auf die weitere Kultur zu erfassen. Die Kulturzeit in 12-cm-Topf ab Topfen bis zur Vermarktungsreife war deutlich kürzer und die Pflanzen kamen Ende April zur Blüte.
Zum vorangegangenen Versuchsvariante können Sie unter folgenden Links finden.
Bisherige Versuche zeigen, dass rein hellrotes Licht (660 nm) das Streckungswachstum überwiegend hemmt, während blaues Licht (440 nm) das Streckungswachstum zu fördern scheint. Allerdings ist eine mögliche Reaktion von Pelargonien auf unterschiedliche Lichtspektren und hoher DLI kaum untersucht worden bzw. liegen keine Veröffentlichungen vor.
Ergebnisse 2025
Weiterkultur

ersten Blütenknospen
Kultur- und Versuchshinweise
Versuchsbeginn | KW 8 |
Versuchsdauer | 11 Wochen |
Versuchsumfang | • 12 Varianten • 2 Sorten - Pelargonium x interspecific (Sorte 1) - Pelargonium x hortorum (Sorte 2) • 16 Pflanzen pro Wiederholung • 2 Wiederholungen |
Datenerfassung | • Zwischenbonitur nach 4 Wochen • Endbonitur bei Erreichen der Verkaufsreife |
Temperatur | die ersten zwei Wochen 18/22 °C Heiz- und Lüftungstemperatur (dann 16/20 °C) |
Substrat | BLUE Topf grob + Perlite torfreduziert (Einheitserdewerk Patzer, Sinntal-Jossa) |
Stauchen | mit Stabilan (alle Pflanzen am 10.03.2025; Sorte 2 erneut am 07.04.2025) |
Die Endbonitur wurde dann durchgeführt, wenn die Pelargonien Verkaufsreife erlangt haben. Diese wurde erreicht, sobald das Laub der Pflanzen die Topfoberfläche vollständig bedeckt hat und mindestens 50 % der Pflanzen einer Versuchsvariante eine farbzeigende Knospe ausgebildet hatten. Bei der Sorte 1 wurde die Verkaufsreife in allen Varianten in Kalenderwoche 19 erreicht. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwischen den Pelargonien, die in der Anzucht unterschiedlich belichtet wurden, keinerlei statistisch signifikante Unterschiede mehr. Die Belichtung in der Anzuchtsphase wirkte sich somit nicht auf das weitere Wachstum dieser Pelargonien-Sorte aus.
Die Versuchsvarianten mit den Pflanzen der Sorte 2 erreichten die Verkaufsreife nicht alle zum selben Zeitpunkt. Während die Pelargonien in den meisten der Versuchsvarianten die Verkaufsreife in Kalenderwoche 16 erreichten, wurde in den die Varianten, die bei einer niedrigen Lichtintensität mit lilanem Licht im LED-Raum beziehungsweise rotem Licht im Gewächshaus angezogen wurden, die Verkaufsreife in Kalenderwoche 18 erreicht. Die Variante, die unter rotem Licht bei einer niedrigen Lichtintensität im LED-Raum kultiviert wurde, erreichte die Verkaufsreife in Kalenderwoche 19 und somit als letztes. Außerdem fingen die Pelargonien, die unter einer hohen Lichtintensität angezogen wurden, wesentlich früher an zu blühen. Die ersten Blüten in diesen Varianten öffneten sich bereits in Kalenderwoche 11 und 13. Da die Pflanzen jedoch durch die frühe Blüte weniger Laub ausgebildet hatten, dauerte es noch einige Wochen bis zum Erreichen der Verkaufsreife.
Zum Zeitpunkt der Verkaufsreife wiesen die Pflanzen der Sorte 2 deutliche Unterschiede in ihrer Größe und ihrem Habitus auf. Die Pflanzen, die unter der hohen Lichtintensität angezogen wurden, waren beim Erreichen der Verkaufsreife kleiner und haben sich früher verzweigt als die Pelargonien, die während der Anzucht eine niedrige Lichtintensität erhalten haben.
Zwischen Varianten der Pelargonien, die unter den hohen Lichtintensitäten angezogen wurden, gab es hinsichtlich der Höhe keine statistisch signifikanten Unterschiede, sie alle blieben in gleichem Maße kleiner. Außerdem unterschieden sich die Pelargonien, die unter der niedrigen Lichtintensität mit einem Tageslichtspektrum oder lilanem Licht im Gewächshaus herangezogen, in ihrer Höhe im Mittel nicht statistisch signifikant oder nur von einigen Varianten von den Pflanzen, die unter der hohen Lichtintensität kultiviert wurden. Am größten waren die Pelargonien, die unter der niedrigen Lichtintensität im LED-Raum mit rotem Licht angezogen wurden. Ebenfalls deutlich größer als die Pflanzen in den übrigen Varianten waren die Pelargonien, die unter einer niedrigen Lichtintensität mit lilanem Licht im LED-Raum und mit rotem Licht im Gewächshaus angezogen wurden.
Abbildung: mittlere Höhe der Pflanzen von Sorte 2 bei Erreichen der Verkaufsreife in Abhängigkeit zu dem während der Anzucht verwendeten Lichtspektrums (n = 30). Statistische Auswertung: Kruskal-Wallis-Test, paarweiser Wilcoxon-Test (α = 0,05), Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede zwischen den Versuchsvarianten.
Der mittlere Durchmesser der Pflanzen aus den unterschiedlichen Versuchsvarianten von Sorte 2 unterschied sich teilweise voneinander. Tendenziell hatten die Pelargonien unabhängig vom verwendeten Lichtspektrum unter der hohen Lichtintensität einen geringeren Durchmesser als die, die unter der niedrigeren Lichtintensität kultiviert wurden. Die Pelargonien, die unter dem roten Licht im LED-Raum angezogen wurden, hatten im Mittel den größten Durchmesser.
Abbildung: mittlerer Durchmesser der Pflanzen von Sorte 2 vier Wochen nach dem Topfen in Abhängigkeit zu dem während der Anzucht verwendeten Lichtspektrums (n = 30). Statistische Auswertung: ANOVA, paarweiser T-Test (α = 0,05), Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede zwischen den Versuchsvarianten.
Auch wenn sich die Messwerte zum Teil nicht signifikant voneinander unterscheiden, fielen bei genauerer Betrachtung der Pflanzen doch einige optische Unterschiede auf. So haben sich die Pflanzen, die unter einer hohen Lichtintensität kultiviert wurden wie bereits erwähnt deutlich früher verzweigt und hatten eine etwas weiter fortgeschrittene Blüte als die Pflanzen, die während der Anzucht eine niedrige Lichtintensität erhalten haben.
Abbildung: Beispielpflanzen der Sorte 2 aus jeder Versuchsvariante zum Zeitpunkt der Verkaufsreife