"Indianerbanane" - mehr als ein Exot

Die Abbildung zeigt die Sorte Asimina triloba 'Davis' mit Erstlingsfrüchten im 5. Standjahr

Asimina triloba – in Amerika als Pawpaw bezeichnet – ist im östlichen bis mittleren Nordamerika beheimatet. Als einzige Gattung aus der Familie der Annonaceae kann sie auch in Mitteleuropa, insbesondere in Weinbaugebieten kultiviert werden. Mit der weiteren Klimaerwärmung sind auch andere obstbaulich genutzte Standorte möglich.

Als interessantes, exotisch anmutendes Gewächs könnte und sollte Asimina triloba aufgrund vieler positiver Eigenschaften verstärkt in besondere Baumschulsortimente wie "Naschgarten", "Exotengarten", "Neuheiten" Einzug finden.
Die Abbildung zeigt Blüten von Asimina triloba 'Profilic'Zoombild vorhanden

Asimina triloba 'Profilic'; Blüte

Bereits die Ureinwohner Nordamerikas haben die Früchte genutzt. Inzwischen sind zahlreiche Sorten in den USA vorhanden, wo Pawpaw als eintriebiger Kleinbaum kultiviert wird. Ohne Eingriffe kann er 5 bis 10 m erreichen, v.a. wenn er solitär – wie in einigen botanischen Gärten Europas – steht. Für die obstbauliche Nutzung kommt z.B. eine Spindelerziehung mit niedrigeren Baumhöhen (3 bis 4 m) in Frage.
Auf der Suche nach Neuheiten im Gehölzbereich kann eine zunehmende Nachfrage nach Asimina triloba zunächst im Hobbybereich verzeichnet werden. Gründe dafür sind u. a. der schwache und langsame Wuchs, so dass der frostharte und auch bezüglich Krankheiten robuste Laubbaum klein bleibt bzw. klein gehalten werden kann. Der Zierwert äußert sich in glöckchenförmigen purpur-violettfarbenen Blüten und der Herbstfärbung mit gelbem Laub. Und nicht zuletzt die essbaren Früchte, die Ende September bis Anfang/Mitte Oktober reifen. Laut amerikanischen Angaben besitzen sie einen hohen Nährwert mit antikanzerogenen Eigenschaften.
Unter den zahlreichen Bezeichnungen für die Frucht scheint der Begriff "Indianerbanane" am besten geeignet – auch werbewirksam hinsichtlich einer Markteinführung dieser für uns neuen Obstart. Eigentlich ist es unfassbar, dass Pawpaw bei uns bislang weitgehend unbekannt ist. Über den Suchbegriff "Pawpaw" erscheinen bei Google ca. 9 Mio. Einträge (im Vergleich dazu Apfel: ca. 23,8 Mio. Nennungen)! In den USA gibt es Infoseiten, Chats, Rezepte, Bezugsquellen und sogar eine Stiftung (The Pawpaw Foundation). Auch im universitären Bereich wird dort mit Pawpaw gearbeitet.

Mehrjährige Erfahrungen in Veitshöchheim

Grund genug, sich einmal näher mit dieser Innovation zu beschäftigen. An der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim wurden im Frühjahr 1998 je 5 Bäume von 5 Sorten als zweijährige Veredlungen (Unterlage: Sämling) der schweizer Baumschule Andreas Hess (CH-8265 Mammern) im Abstand von 4 m x 3 m gepflanzt. Der eintriebige Baum wächst zunächst sehr langsam, verzweigt gut (überwiegend im 45°-Winkel) und bildet jährlich kurze Neutriebe von 15 bis 30 cm Länge. Bei der Baumerziehung wurde in den ersten Jahren lediglich der Konkurrenztrieb entfernt. Bis zur ersten Blüte vergehen allerdings 3 Jahre. Sie erscheinen vor dem Blattaustrieb einzeln am einjährigen Holz als purpurfarbene Glöckchen, die bis zu 5 cm breit sein können und somit Insekten zur Bestäubung anlocken sollen. Die Blütezeit liegt gegen Mitte bis Ende Mai, also nach den Eisheiligen und nach der Apfelblüte.
Die Indianerbanane ist auf Fremdbefruchtung angewiesen. Nur einige wenige Sorten werden als teilweise (z.B. 'Sunflower') oder ganz selbstfruchtbar (z. B. 'Prima') eingestuft. Da wir im Bestand mehrere Sorten führen, können wir zu diesem Aspekt keine Aussagen tätigen. Im Erwerbsanbau sollten auf jeden Fall zwei Sorten angepflanzt werden. Die Blüte enthält mehrere Fruchtknoten, sodass aus bestäubten Organen bis zu 5 Einzelfrüchte im Cluster entstehen können. Dennoch ist der Fruchtansatz und somit der Ertrag eher gering. In Europa fehlen bestimmte Insekten und pollenverschleppende Käfer, die in Nordamerika für die dort bessere Bestäubung sorgen. Bei uns sind Hummeln und Bienen zwar auch zu finden, doch der "stinkende" Geruch der Blüten macht sie für unsere Hauptbestäuber nicht attraktiv. Daher wird auch Handbestäubung empfohlen, was im Erwerbsanbau aber kaum praktiziert werden dürfte. Auf jeden Fall sollten nur ganz oder teilweise selbstfruchtbare Sorte wie 'Sunflower' oder 'Prima' zum Anbau kommen, wo das Ertragspotential generell höher anzusiedeln ist.
IndianerbananeZoombild vorhanden

Asimina triloba 'Profilic'; frisch geeerntete Früchte

Die Reifezeit liegt Ende September bis Mitte Oktober. Im ca. dreiwöchigen Reifefenster sind 2 - 3, ggf. auch 4 Pflückdurchgänge erforderlich. Der genaue Erntezeitpunkt ist etwas schwierig anzugeben. Es hat sich bewährt, wenn die Schalenfarbe der länglich-ovalen bis keulenförmigen Früchte von grün nach leicht gelbgrün umschlägt.
Dabei ist die Ernte behutsam durchzuführen, da die Schalen sehr leicht Druckstellen bekommen können, die im Übrigen auch durch Reibung von in Knäueln hängenden Früchten entstehen.
Die Früchte müssen kühl (2 bis 3 °C) gelagert werden, ansonsten reifen sie schnell nach und sollten möglichst bald verzehrt werden. Dies als Ähnlichkeit mit der "echten" Banane – ebenso wie die Tatsache, dass die Schale schnell gelb bis braun, das Fruchtfleisch weich, durch den raschen Abbau der Fruchtsäuren sehr süß und sogar leicht gärig werden kann.
Der Geschmack ist süß, das Aroma eine Mischung aus Banane/Mango/Melone mit einem leichten Vanilleton – also fruchtiger als Banane. Die Konsistenz des cremeweiß bis gelblichen Fruchtfleisches ähnelt einer Banane bis hin zu Avocado. Die Früchte werden ohne Schale verzehrt: entweder geschält oder – ähnlich einer Kiwi – aufgeschnitten und dann ausgelöffelt. Dabei stören jedoch die bohnenkerngroßen Samen, die über die gesamte Frucht verteilt angeordnet sind.
Neben dem Frischverzehr kann Püree hergestellt werden zur Verwendung von Speiseeis, Milchshake, Mischsäften – im Prinzip wie Banane. Ein Rührkuchen mit Pawpaw-Püree schmeckt fruchtig. Eine Verwendung der Kerne oder von Blättern, z.B. für Tee, Cremes, pharmazeutische Zwecke wäre zu prüfen.

Erträge

Die Erträge wurden in den ersten Jahren für 'Sunflower' und 'Overleese' bonitiert und mittels Fruchtzahl und durchschnittlichem Fruchtgewicht hochgerechnet, ab 9. Standjahr exakt erfasst. Die anderen Sorten fielen stark ab.

Ertragspotential pro Baum (Busch) für 'Overleese' und 'Sunflower' pdf 31 KB

Die Abbildung zeigt die Asimina-Sorte 'Prima'Zoombild vorhanden

Asimina triloba 'Prima'

Erträge schwanken je nach Sorte, Erziehung (Kronenvolumen) und Schnitteingriffen. Um die Baumhöhe zu halten, sind stärkere Schnitteingriffe erforderlich. Folglich blieb auch in den Jahren 11 - 13 das Ertragspotential bei 7 - 10 kg. Dem Spätfrostjahr 2011 mit lediglich 3 kg Früchten/Baum folgten 2012 (15. Laub) „Rekordbaumerträge" bis 34 kg ('Sunflower'), bis 25 kg ('Overleese') und die erst im 5. Laub stehende 'Prima' mit 12 kg.
Insgesamt fielen bei uns andere Prüfsorten über alle Jahre v.a. ertragsmäßig stark ab. Tabelle 2 soll dies exemplarisch aufzeigen. 2012 fruchtete ‘Davis‘ zum ersten Mal mit sehr überzeugender Fruchtqualität. Die etwas kernärmeren Sorten von Neal Peterson/USA sind bei uns noch nicht im Ertrag. Aus einer Vielzahl eigener Sämlinge kamen 6 in eine engere Auswahl.

Ertrags- und Fruchteigenschaften 9. Laub pdf 32 KB

Wuchs und Baumeigenschaften

Die auf Asimina triloba-Sämling veredelten Sorten wachsen unter den Veitshöchheimer Bedingungen (sandiger Lehm, Bodenwertzahl 28, Humusgehalt um 1 %, pH-Wert 7,2 – 7,3, sommertrockener Standort, 8. Laub mit Tröpfchenbewässerung) in den ersten 5 Jahren (sehr) langsam. Eine Zusatzbewässerung von Anfang an hätte sicherlich den Wuchs und möglicherweise auch die Anfangserträge erhöht. Die gut verzweigenden Bäume bilden bei Spindelerziehung pyramidale, dichte Kronen. Die Seitentriebe, die meist in 30 bis 45°-Winkeln von der Mittelachse abgehen, wachsen jährlich ca. 15 bis 30 cm zu.

Tabelle 3: Wuchsstärke und spezifischer Ertrag von Asimina triloba-Sorten im 9. Laub pdf 33 KB

Außer dem Entfernen von Konkurrenztrieben und dem Ableiten steilerer Seitenäste waren bislang keine weiteren Schnitteingriffe oder Formierarbeiten erforderlich. Die großen, ca. 20 bis 25 cm langen Blätter verdichten die Krone, die nach dem 10. Laub ausgelichtet und somit die Baumhöhe reduziert wurde. Ein weiterer stärkerer Rückschnitt erfolgte nach dem 15. Jahr (2012/13).
Da die Pawpaw am letztjährigen Neutrieb fruchtet, könnte auch eine schlanke Spindel mit engen Baumabständen (z.B.: 1 m) erzogen werden. Dies erfordert jedoch jährliche Schnitteingriffe (Schnitt auf Stummel zur Forcierung einjährigen Fruchtholzes).
Schaderreger und Winterfrostschäden an Holz oder Blütenknospen traten bei uns bislang nicht auf (tiefste Temperaturen: bis - 26 °C; wiederholt Jahre mit - 18 °C wurden problemlos überstanden). Lediglich der extreme Spätfrost 3./4.Mai 2011 führte zu Blütenschäden und reduziertem Ertrag. Da keine fungiziden oder insektiziden Maßnahmen erforderlich waren, scheint Pawpaw für einen ökologischen Anbau prädestiniert. In den USA treten spezifische Schädlinge auf, die angeblich keine gravierende Probleme bereiten. Der Baumstreifen soll offen gehalten werden. Stockausschläge/Ausläufer sind bislang nicht zu verzeichnen.
Die Düngung kann sich an Kernobst anlehnen. An Stickstoff wurden – bei jährlich gemessenen Nmin-Gehalten von 10 bis 15 kg/ha – jährlich 50 kg N/ha verabreicht.

Bewertung

Als interessantes, exotisch anmutendes Nischenprodukt könnte und sollte Asimina triloba aufgrund vieler positiver Eigenschaften auch in Deutschland – zumindest für den lokalen Markt / Direktabsatz – kultiviert werden. Dafür sprechen der Neuheitenwert, Exotik, Robustheit, problemloser Anbau, möglicher ökologischer Anbau, wenig Schnittaufwand, günstige Inhaltsstoffe (positive Werte an Aminosäuren, höhere Werte an Vitamin A und C als z.B. Apfel, jedoch auch viele Kalorien!) und die positive, werbewirksame Bezeichnung "Indianerbanane". Preise von 3,00 bis 3,50 €/kg im indirekten Absatz bzw. 4,50 -5,00 €/kg bei Direktabsatz sind realistisch.
Außer einem Anbau in Weinbaugebieten kommen durch die Klimaerwärmung auch weitere Obstanbaugebiete in Betracht. Gravierende Nachteile sind das kurze Shelf-life, Verbräunungen der Fruchtschale, die gegenüber Apfel deutlich geringeren, zögernd und verspätet einsetzenden Erträge, Probleme bei der Bestäubung, der Beschaffung (v. a. größerer Mengen) und der Preis von Jungbäumen – zumindest in Europa (geringes Angebot, langsamer Wuchs der Sämlingsunterlagen, schlechte Veredlungsraten).
Asimina triloba muss europaweit auf dem Markt eingeführt, beworben und Verständnis für das “umständliche“ Verzehren der Früchte geweckt werden. Infomaterialien (Handzettel) zur Frucht sind erforderlich. Ansonsten bleibt die Pawpaw eine exotische Nische. Sie kann einigen direkt absetzenden Obstbaubetrieben helfen, sich im Sortiment von Mitkonkurrenten abzuheben.
Die Abbildung zeigt die Herbstfärbung von Asimina trilobaZoombild vorhanden

Asimina triloba; Herbstfärbung

Gerade in Jahren mit hohen Erträgen im Selbstversorgeranbau, wo der Absatz der Hauptkulturen im Herbst meist schleppend verläuft, können interessante, innovative Produkte im Angebot helfen, die Kundenfrequenz zu erhöhen und somit auch den Verkauf von Apfel & Co zu forcieren.
Auch wenn bei uns in Veitshöchheim mit 'Prima', 'Sunflower', 'Overleese' drei Sorten aus einem kleinen Sortiment herausragen, wären weitere Sorten zu prüfen. Während in den USA viele Baumschulen und zu weit günstigeren Preisen Jungpflanzen anbieten, beschränkt sich das Angebot in Europa bislang hauptsächlich auf den Versand von Containerpflanzen an Privatkunden. In Deutschland, aber auch den benachbarten Ländern, bieten gut sortierte Baumschulen und Fachgartencenter, Versandhändler und Spezialitätengärtnereien diese neue Obstart an. Die Preise liegen je nach Sorte und Jungpflanzengröße zwischen 20,00 bis zu 50,00 €.
Der Jungpflanzenmarkt ist jedoch meist leergefegt; Reservierungen sollten für die nächste Saison vorgenommen werden. Die Pflanzabstände können je nach Wuchsstärke des Standortes und vorgesehener Schnittintensität 4,0 – 4,5 m x 2,0 – 2,5 m betragen; bei schlanker Spindel auch darunter. Um dem langsamen Wuchs in den ersten Standjahren entgegenzuwirken, empfiehlt sich eine Zusatzbewässerung auf leichten Böden bzw. in Trockengebieten sowie eine gute Nährstoffversorgung.