Versuchsergebnisse aus der Praxis
Auswirkung verschiedener Lichtspektren auf die Jungpflanzenqualität von vegetativ vermehrten Calibrachoa-Anzucht

Jungpflanzen unter LED-Belichtung

Im Rahmen des Projektes „Entwicklung moderner Kulturmethoden für eine ressourcenschonende Produktion rückstandsfreier Jungpflanzen“ (MoKuBioJp) werden an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim Versuche mit LED-Belichtung in der Jungpflanzenanzucht durchgeführt. Ziel ist es, mithilfe des richtigen Lichtspektrums kompakte Jungpflanzen zu erzielen, ohne chemische Wuchshemmstoffe einsetzen zu müssen. Es ist bereits bekannt, dass sich das Lichtspektrum auf das Längenwachstum von Pflanzen auswirkt.

Aus bisherigen Forschungsarbeiten und Versuchen geht hervor, dass rein hellrotes Licht (660 nm) das Streckungswachstum in vielen Fällen hemmt, während blaues Licht (440 nm) und dunkelrotes Licht (730 nm) das Streckungswachstum häufig fördern. Wie die Reaktion der Pflanzen auf die verschiedenen Wellenlängenbereiche der LEDs ausfallen, ist jedoch Arten- und Sortenabhängig und die bisherige Forschung liefert hier oft uneindeutige Ergebnisse. Bei vielen gängigen gärtnerischen Kulturen ist zudem noch nichts Spezifisches bekannt, wie diese Pflanzen auf verschiedene Wellenlängen des Lichts reagieren. Aus diesem Grund soll im Rahmen des Projektes an möglichst vielen und sich im Wachstumsverhalten unterscheidenden Kulturen untersucht werden, wie diese auf verschiedene Lichtspektren reagieren.

Mit Calibrachoa wurden an der LWG bereits Anzuchtsversuche mit LED-Belichtung bzw. verschiedenen Lichtspektren durchgeführt. Bei diesen Versuchen konnte festgestellt werden, dass das Streckungswachstum unter hellrotem Licht (660 nm) verringert war. Bei den bereits durchgeführten Versuchen wurde allerdings nicht untersucht, wie sich die Belichtung auf die Bewurzelung und die weitere Entwicklung der Pflanzen auswirkt. Aus diesem Grund wurde erneut ein Versuch durchgeführt, bei dem Calibrachoa-Stecklinge von zwei Sorten unter unterschiedlichen Lichtspektren bewurzelt wurden. Zusätzlich erfolgte die Bewurzelung unter zwei verschiedenen Belichtungsintensitäten. Bei bereits mit Pelargonien durchgeführten Versuchen hat sich angedeutet, dass durch eine höhere Lichtintensität die Kulturzeit verkürzt werden kann. Deshalb wurde dieser Faktor ebenfalls in den Versuch mit aufgenommen, um zu überprüfen, ob diese Kulturzeitverkürzung auch bei Calibrachoa erreicht werden kann. Nach der Anzucht wurde ein Teil der Pflanzen getopft und bis zur Verkaufsreife ohne Belichtung im Gewächshaus weiter kultiviert. Ziel dieses Versuches war es, kompakte und hemmstofffreie Jungpflanzen von guter Qualität zu produzieren und die Auswirkungen der Belichtung (Lichtspektrum und Intensität) in der Jungpflanzenphase von Calibrachoa auf die Bewurzelung und die weitere Entwicklung der Pflanzen anhand von den zwei Sorten 'Sky Blue' und 'Abstract Lemon Cherry' zu untersuchen.

Ergebnisse 2025

Bei der Sorte 'Sky Blue' zeigten sich nach der vierwöchigen Anzucht unter verschiedenen LED-Belichtungen einige Unterschiede. Die Calibrachoa-Stecklinge, die unter einer hohen Lichtintensität kultiviert wurden, zeigten beispielsweise mehr Blüten als die Stecklinge, die unter einer niedrigen Lichtintensität bewurzelt wurden. Optisch wirkten die Stecklinge, die unter LED-Licht bewurzelt wurden, alle deutlich kompakter als jene, die ohne Zusatzbelichtung im Gewächshaus bewurzelt wurden. Die Bewurzelung der Stecklinge war unter der hohen Lichtintensität signifikant besser als unter der niedrigen Lichtintensität und der unbelichteten Kontrolle. Das Lichtspektrum hatte bei der Sorte 'Sky Blue' bei keiner Lichtintensität einen nennenswerten Einfluss auf die Wurzelbildung. Am schlechtesten war die Bewurzelung unter der niedrigen Lichtintensität bei Verwendung des roten Lichtspektrums.

Zwei Abbildungen nebeneinander, links sieben Wurzelbilder, rechts Säulendiagramm.

Abbildung: Bewurzelung jeweils einer Beispielpflanze der Sorte 'Sky Blue' in Abhängigkeit von der Belichtung und mittlere Bewurzelung der Pflanzen aus den einzelnen Versuchsvarianten (n = 75). Statistische Auswertung: Kruskal-Wallis-Test, paarweiser Wilcoxon-Test (α = 0,05), Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede zwischen den Versuchsvarianten.


Die verschiedenen Belichtungsvarianten wirkten auch auf die Höhe der bewurzelten Stecklinge aus. Die mit LED-Licht belichteten Stecklinge waren im Mittel signifikant kleiner als die Pflanzen aus der Kontrollvariante, die unbelichtet im Gewächshaus bewurzelt wurde. Die Lichtintensität wirkte sich nicht signifikant auf das Höhenwachstum der Stecklinge aus. Das Lichtspektrum hingegen hatte einen Einfluss auf das Streckungswachstum dieser Sorte. Unter dem lilanem Licht waren die Calibrachoa-Pflanzen am kleinsten. Unter weißem und rotem Licht waren die Pflanzen im Mittel etwas größer als unter dem lilanen Licht.

Pflanzenhöhe von verschiedenen Lichtspektren als Säulendiagramm dargestellt.

Abbildung: mittlere Höhe der Pflanzen der Sorte 'Sky Blue' in Abhängigkeit von der Belichtung (n = 75). Statistische Auswertung: Kruskal-Wallis-Test, paarweiser Wilcoxon-Test (α = 0,05), Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede zwischen den Versuchsvarianten.


Auch bei der Sorte 'Abstract Lemon Cherry' zeigten sich nach der vierwöchigen Anzucht unter LED-Belichtung einige Unterschiede. Zu Beginn des Versuchs bildeten viele der Stecklinge, die unter einer hohen Lichtintensität bewurzelt wurden, Blüten aus. Die Blütenbildung lies im Verlauf des Versuches wieder nach, sodass in allen Versuchsvarianten zum Zeitpunkt der Bonitur ähnlich viele Blüten vorhanden waren. Die Bewurzelung unter der höheren Lichtintensität war signifikant besser als unter der niedrigen Lichtintensität und der unbelichteten Kontrolle. Bei dieser Sorte hatte das Lichtspektrum einen leichten, aber dennoch signifikanten Einfluss auf die Bewurzelung. Unter dem lilanen Lichtspektrum war die Wurzelbildung grundsätzlich etwas schlechter als unter den anderen Lichtspektren. Die Bewurzelung der unbelichteten Kontrolle war im Mittelfeld der gemessenen Werte.

Zwei Abbildungen nebeneinander, links sieben Wurzelbilder, rechts Säulendiagramm.

Abbildung: Bewurzelung jeweils einer Beispielpflanze der Sorte 'Abstract Lemon Cherry' in Abhängigkeit von der Belichtung und mittlere Bewurzelung der Pflanzen aus den einzelnen Versuchsvarianten (n = 75). Statistische Auswertung: Kruskal-Wallis-Test, paarweiser Wilcoxon-Test (α = 0,05), Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede zwischen den Versuchsvarianten.


Hinsichtlich Ihrer Wuchshöhe unterschieden sich die Stecklinge dieser Sorte nur wenig. Lediglich zwei der Versuchsvarianten wichen in diesem Aspekt von den anderen ab. Die unbelichtete Kontrolle fiel durch ein im Mittel signifikant größeres Höhenwachstum auf. Die Pflanzen, die unter der hohen Lichtintensität und einem lilanen Lichtspektrum bewurzelt wurden, fielen durch eine im Mittel signifikant schlechtere Bewurzelung auf.

Pflanzenhöhe von verschiedenen Lichtspektren als Säulendiagramm dargestellt.

Abbildung: mittlere Höhe der Pflanzen der Sorte 'Abstract Lemon Cherry' in Abhängigkeit von der Belichtung (n = 75). Statistische Auswertung: Kruskal-Wallis-Test, paarweiser Wilcoxon-Test (α = 0,05), Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede zwischen den Versuchsvarianten.

Kultur- und Versuchshinweise

VersuchsbeginnKW 18
Versuchsdauer4 Wochen
Versuchsumfang• 6 Belichtungsvarianten (Kontrolle unbelichtet im Gewächshaus)
• 2 Sorten
- Calibrachoa Lia 'Abstract Lemon Cherry'
- Calibrachoa Lia 'Sky Blue'
• 42 Pflanzen pro Wiederholung
• 3 Wiederholungen
Lichtintensitäten1. 70 µmol/m2s, 16 Stunden am Tag
2. 175 µmol/m2s, 20 Stunden am Tag
Lichtspektren1. Weiß (100 % Tageslichtspektrum)
2. Rot (90 % Rot (660 nm), 10 % Blau (455 nm))
3. Lila (60 % Rot (660 nm), 40 % Blau (455 nm))
Temperatur23 °C
SubstratTorfreduziertes Vermehrungssubstrat Orange
(Einheitserdewerk Patzer, Sinntal-Jossa)
Düngung1-mal wöchentlich 0,5%ige Ferty EcoPhos 3
Stauchen• Im LED-Raum bestand kein Bedarf.
• Bei der Kontrolle im Gewächshaus hätte gestaucht werden müssen.
Weiterkultur• 32 Pflanzen jeder Variante wurden in 12er-Topf getopft.
• Kultur in zwei Wiederholungen
• Unbelichtet im Gewächshaus

Kritische Anmerkungen

Aufgrund von Problemen beim Transport waren die Stecklinge in etwa eine Woche unterwegs, wodurch die Qualität der Stecklinge sehr gelitten hat. Viele der Stecklinge waren sehr schlaff und es dauerte einige Tage, bis der Turgordruck der Blätter wieder hergestellt war. Einige der Stecklinge konnten sich nicht erholen und wurden nach einer Woche durch neue ersetzt, die in der Zwischenzeit gesteckt und als Backup im Gewächshaus kultiviert wurden. Dies war nötig, um in allen Versuchsvarianten eine in etwa gleiche Anzahl von Versuchspflanzen zu erreichen. Durch die Transportschäden wurde die Gesundheit der Stecklinge negativ beeinflusst, was sich vermutlich auf ihre weitere Entwicklung und die Bewurzelung ausgewirkt hat. Die Bewurzelung ging beispielsweise ungewöhnlich langsam voran. Die Versuchsergebnisse könnten demnach etwas verfälscht worden sein. Außerdem waren viele der Stecklinge bereits induziert, was dazu führte, dass die Stecklinge teilweise Blüten bildeten, bevor sie Wurzeln hatten. Dies wird sich vermutlich auch negativ auf die Bewurzelung ausgewirkt haben, da die Energie der Stecklinge in die Blüte gesteckt wurde und nicht in die Wurzelbildung.