Straßenbegleitgrün

Versuchsmischung Mittelstreifenbegrünung mit Ruderalarten an der Bundesautobahn A 7 bei Nesselwang.

Angesichts des sich abzeichnenden Klimawandels mit der erwarteten Zunahme an Starkniederschlägen auf der einen, aber auch längeren Trockenperioden auf der anderen Seite, werden die Begrünung und Sicherung von Extremstandorten sowie erosionsgefährdeter Erdbauwerke durch stresstolerante Pflanzenmischungen immer wichtiger. Gleichzeitig wird die Frage der Nachhaltigkeit von Mischungen brisanter, da an älteren Bauwerken immer wieder gravierende Rutschungen beobachtet werden und vielerorts artenarme Landschaftsrasen das Bild des Straßenbegleitgrüns prägen.
Neben sicherheitsbedingten Auflagen betreffend Wuchsstärke, Wuchshöhe und Pflegeintensität des zu verwendenden Pflanzmaterials schränken nutzungsbedingte Einwirkungen durch z.B. Fahrtwind und Salzgischt die Artenauswahl am Extremstandort zusätzlich ein. Hinzu kommt seit März 2020 die Verpflichtung aus §40(1) BNatSchG, in der freien Natur nur noch gebietseigene Gehölze und gebietseigenes Saatgut zu verwenden. Dabei kann artenreiches Straßenbegleitgrün bei richtiger Pflege ein wesentliches Kernelement des gesetzlich geforderten Biotopverbundsystems sein.

Zielsetzung

Bereits seit den 1990er Jahren beschäftigt sich die LWG mit ingenieurbiologischen Sicherungsmaßnahmen mit lebenden Pflanzen an Hängen und Böschungen. Vergleichspflanzungen mit gebietseigenen Gehölzen und Standardware an Straßenböschungen lieferten wichtige wissenschaftliche Grundlagen für die im Bundesnaturschutzgesetz verankerte Forderung nach gebietseigenem Pflanz- und Saatgut in der freien Natur. Ab 2010 war die LWG auf Bundesebene an der Entwicklung praxistauglicher Konzepte dafür beteiligt.
In Erweiterung der praxisüblichen Begrünungsmischungen durch gräserbetonte Landschaftsrasen werden dauerhafte Begrünungen mit kräuterbetonten Mischungsvarianten entwickelt und erprobt, mit und ohne Begrünungsmatten. Dabei spielt neben der Funktion der Sicherungsleistung auch die Biotopersatzfunktion eine wichtige Rolle. Die Erfahrungen zur Auswahl und Zusammensetzung geeigneter Gräser-Kräuter-Mischungen sowie der Pflege der Zielvegetation stehen damit dem Landschaftsbau zur Verfügung und ermöglichen eine erfolgreiche Umsetzung.
Auch die naturschutzfachlich optimierte Pflege des Straßenbegleitgrüns ist Aufgabe des Arbeitsbereichs.
Aktuell befasst sich ISL 2 mit Verwertungsalternativen für Mähgut aus Straßenbegleitgrün sowie mit dem Einsatz autonomer Mähsysteme zur Schonung der Biodiversität.

Ausbringen von Versuchssaatgut und Regelsaatgutmischung mit Hydro-Seeder zur Böschungssicherung an der Auffahrt zur A3 bei Biebelried.

Anspritzbegrünung

Gräser und blühende Kräuter im zweiten Standjahr nach erfolgter Ansaat auf unterschiedlichen Erosionsschutzsystemen an der Auffahrt zur A3 bei Biebelried

Begrünte Erosionsschutzsysteme

Mehrjährige, blau-gelbe und blütenreiche Ansaatmischung am Straßenrand in Weimar.

Randstreifenbegrünung

Pflegeleichte Versuchsmischung Mittelstreifenbegrünung an der Bundesautobahn A 7 bei Nesselwang.

Mitteltreifenbegrünung

SBegrünungserfolge mit Heumulch und autochthoner Saatgutmischung auf skelettreichem, mineralischen Rohboden an der B8 am Stadtrand von Würzburg.

Rohbodenbegrünung

Projektdaten

Projektziel: Erarbeiten und Verifizierung von Auswahlkriterien für geosynthetische Erosionsschutzsysteme
Projektleitung: Jürgen Eppel
Projektbearbeiter: Jochen Böker, Kornelia Marzini
Projektpartner: Fördergemeinschaft für das Süddeutsche Kunststoff-Zentrum e.V., Dr. Ernö Németh
Laufzeit: 2009 bis 2011
Finanzierung: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, SKZ-KFE gGmbH
Förderkennzeichen: 15717 N

Projektziel: Begrünung von Mittelstreifen an 2-bahnigen Bundesfernstraßen
Projektleitung: Jürgen Eppel
Projektbearbeiter: Cornelia Marzini
Projektpartner: Kooperationsprojekt der Obersten Baubehörde (OBB) im Bayer. Staatsministerium des Innern mit der LWG Veitshöchheim, Abt. Landespflege
Laufzeit: 2009 bis 2013
Finanzierung: Staatsministerium des Innern, Bayer. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten